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Apotheken 2016

Mehr Gewinner, mehr Verlierer

12.01.2016
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Von Frank Diener, Hannover / Während 2014 noch die neu eingeführte Notdienstpauschale das Betriebsergebnis der Apotheken etwas verbessert hatte, sorgte 2015 die starke Erkältungs- und Grippewelle des Frühjahrs für ein leichtes Plus. Doch die Marktspreizung setzt sich fort: Es gibt sowohl Gewinner als auch Verlierer. Wie wird 2016? Eine Lageeinschätzung.

Die Treuhand Hannover hat im vergangenen Herbst bei der Expopharm die subjektiven Einschätzungen zum Jahr 2016 von Apothekeninhabern zur Branchenentwicklung insgesamt, aber auch zur eigenen Apotheke erfragt. Das Ergebnis ähnelt dem des Vorjahres, ist aber nach wie vor frappierend.

 

So wird die individuelle Perspektive für 2016 von vielen Apothekern positiver als die Branchenzukunft eingeschätzt. Dabei spielt das Spektrum der subjektiven Einschätzungen aber auch die Marktspreizung wieder.

 

Für die Branche insgesamt erwarten demnach 13 Prozent der Befragten für dieses Jahr eine Verbesserung, aber 22 Prozent eine Verschlechterung. 62 Prozent gehen von Gleichstand aus, 3 Prozent machen keine Angaben zu dieser Frage. Für die eigene Apotheke hingegen erwarten 34 Prozent eine Verbesserung und nur 14 Prozent eine Verschlechterung. 52 Prozent gehen von Gleichstand aus.

 

Auf der Umsatzebene ist für Apotheken 2016 nach dem derzeitigen Kenntnistand nicht mit Maßnahmen des Gesetzgebers zu rechnen. Im sogenannten Pharmadialog des Gesundheitsministeriums steht die Herstellerstufe im Fokus – hier geht es vor allem um hochpreisige Arzneimittel sowie die Verlängerung des ansonsten auslaufenden Herstellerpreismoratoriums. Auf der Apothekenstufe jedoch hat das Bundeswirtschaftsministerium mit seiner Gutachtenausschreibung zur Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung Entscheidungen bis Mitte 2017 vertagt.

 

Quantitative Auswirkungen auf den Apothekenumsatz mit Medikamenten zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat die Arzneimittelrahmenvereinbarung zwischen der GKV und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Diese sieht für 2016 einen Mehrverordnungsspielraum von 3,7 Prozent ( 1,2 Milliarden Euro) gegenüber dem Vorjahr vor. Ähnlich dürfte die Veränderung bei Privatrezepten ausfallen. Bei OTC-Umsätzen ist zwar die Kundenabwanderung in den Versandhandel abgeebbt. Doch angesichts der starken Grippewelle aus dem Frühjahr 2015 ist für 2016 keine erneute Steigerung zu erwarten, sondern Stagnation wahrscheinlich.

 

Im Branchendurchschnitt ist insgesamt ein Umsatz von 3 Prozent für 2016 realistisch. Dabei ist zu erwarten, dass sich dieses einmal mehr auf etwa zwei Drittel der Betriebe konzentrieren wird und ein Drittel sogar ein Umsatzminus haben wird.

 

Wareneinsatz

 

Der Wareneinsatz wird sich auch in diesem Jahr verteuern. Hauptursache ist der sogenannte Struktureffekt bei teuren, innovativen Arzneimitteln. Denn im Rx-Bereich gilt: Je teurer die abgegebene Packung, desto niedriger das Verhältnis des Rohgewinns zum Umsatz. Da der Anteil der höher- und hochpreisigen Arzneimittel in der ärztlichen Verordnung kontinuierlich steigt, erhöht sich der Durchschnittspreis und gleichzeitig steigt die Wareneinsatzquote beziehungsweise sinkt der Rohgewinnsatz der Apotheken.

 

Eine weitere Ursache für den verteuerten Wareneinsatz sind die Einkaufskonditionen. Der Großhandel hat 2015 seinen Werkzeugkasten um tourbezogene Mindestlohnzuschläge erweitert. In selbigem Kasten befinden sich bereits unter diversen Bezeichnungen pauschale Konditionenkürzungen auf das Einkaufsvolumen sowie sogenannte Handelsspannenausgleichsmodelle. Bei letzteren gleicht der Apotheker die Differenz zu einem Ziel-Rohgewinnsatz seines Großhandels aus. Damit immunisiert sich der Großhändler gegen den Effekt, dass seine Marge mit steigendem Durchschnittspreis fällt.

 

Von dem Skontoprozess zwischen der Wettbewerbszentrale und dem Großhändler AEP sind dieses Jahr keine Auswirkungen zu erwarten, da der Prozess vermutlich in die nächste Instanz gehen und erst später entschieden werden wird. Ähnlich ist das Antikorruptionsgesetz einzuschätzen, das zwar 2016 in Kraft treten, aber erst durch sogenanntes Richterrecht konkretisiert werden wird. Geht man für das Jahr 2016 von insgesamt stabilen Einkaufskonditionen aus, ist eine Erhöhung des Wareneinsatzes um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr für die Branche insgesamt realistisch.

 

Der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) und die Apothekengewerkschaft Adexa haben mit Wirkung ab Januar 2016 differenziert nach Berufsgruppen und Berufsjahren Erhöhungen der Gehaltstarife um 1,8 bis 2,5 Prozent vereinbart. Das Dilemma der Branche ist, dass viele Inhaber gerne mehr Gehalt zahlen würden, es aber die betrieblichen Zahlen nicht hergeben.

 

Zudem begrenzen sich tarifliche und übertarifliche Zulagen gegenseitig: Übertarifliche Zulagen sind punktuell notwendig, um qualifiziertes Personal in den Betrieben zu halten oder zu ersetzen. Losgelöst von Gehaltsanpassungen erfordert der steigende Handlungs- und Beratungsbedarf in vielen Betrieben auch Zusatzeinstellungen, die sich ebenfalls mit steigenden Personalkosten auswirken. Die Treuhand rechnet für 2016 im Durchschnitt über alles mit Personalkostensteigerungen in der Größenordnung von 3,6 Prozent.

 

Sonstige Betriebskosten

 

Es ist den Apotheken über viele Jahre gelungen, die sonstigen Betriebskosten weitgehend stabil zu halten. So weit wie möglich sollten die Apothekeninhaber bei auslaufenden Alt-Kreditverträgen jetzt Umschuldungsmöglichkeiten zu niedriger verzinsten Darlehen nutzen. Aktuell mehren sich – auch bedingt durch die Niedrigzinsphase, oft auch in Verbindung mit Betriebsübernahmen – Investitionen in Kommissionierungsroboter und neue Raumgestaltungen. Alles in allem geht die Treuhand 2016 von stabilen sonstigen Betriebskosten für die Branche aus.

 

Zusammengenommen führt das hier vorgestellte Set von Annahmen zu einem Vor-Steuer-Betriebsergebnis, das um 4,2 Prozent beziehungsweise 6000 Euro niedriger liegt als 2015. Hatte sich für die Durchschnitts­apotheke mit rund 2 Millionen Euro Jahresnettoumsatz das Betriebsergebnis von 2014 auf 2015 um rund 2 000 Euro verbessert, so wird mehr als dieses kleine Plus aus dem Vorjahr 2016 wieder verloren. Bleibt die Erkenntnis, dass der statistische Durchschnitt ein Artefakt ist. Wenn sich Umsätze oder Kosten im Durchschnitt verändern, ist das für den Einzelbetrieb kein Gesetz und Automatismus, sondern durch aktives unternehmerisches Agieren gestaltbar. /

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