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Verwirrspiel um Insulinanaloga

02.01.2007
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Verwirrspiel um Insulinanaloga

Von Frank Münchberg

 

Der Ausschluss der kurzwirksamen Insulinanaloga aus der GKV-Versorgung hat zu großer Verwirrung bei Ärztinnen und Ärzten geführt. Die modernen Antidiabetika können zwar weiterhin auf Rezept zulasten der GKV verordnet werden, aber nur dann, wenn sie nicht teurer als Humaninsuline sind. Den Ärzten sind Inhalte der Rabattvereinbarungen zwischen Kassen und Herstellern jedoch häufig nicht bekannt.

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, hatte am 18. Juli 2006 beschlossen, kurzwirksame Insulinanaloga aus der Arzneimittelversorgung durch die Krankenkassen grundsätzlich auszuschließen. Lediglich in medizinisch begründeten Einzelfällen dürfen diese verordnet werden, e´twa bei den sehr selten auftretenden allergischen Reaktionen vom Sofort-Typ auf den Wirkstoff Humaninsulin.

 

Preis muss Insulin entsprechen

 

Hintergrund des Beschlusses war eine Nutzenbewertung des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Es hatte verkündet, dass die kurzwirksamen Insulinanaloga bei Typ-2-Diabetes keinen Zusatznutzen gegenüber herkömmlichen Humaninsulinen hätten. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG), dem der Beschluss zur Genehmigung vorgelegt wurde, akzeptierte die Entscheidung des G-BA, bestimmte jedoch, dass die Insulinanaloga über die medizinisch begründeten Einzelfälle hinaus weiterhin verordnungsfähig sein sollten, wenn ihr Preis dem der Humaninsuline entspricht. Dies sollte die Möglichkeit der weiteren Versorgung von Versicherten mit Insulinanaloga eröffnen. Der G-BA setzte diese Maßgabe des Ministeriums in seinem Beschluss um, und somit konnte der bedingte Ausschluss der Insulinanaloga aus der GKV-Versorgung am 29. September 2006 in Kraft treten.

 

Mittlerweile haben zahlreiche Krankenkassen und Landesverbände Rabattvereinbarungen mit den vier Herstellern von Insulinanaloga getroffen. Die Vereinbarungen sollen den im Vergleich zu Humaninsulin höheren Preis der Analoga ausgleichen. Die Krankenkassen können somit auf der einen Seite ihren Versicherten die Versorgung mit kurzwirksamen Insulinanaloga gewährleisten, auf der anderen Seite ermöglicht es den Herstellern, ihre Präparate weiterhin im Markt zu halten. Die Regelungen des G-BA-Beschlusses haben jedoch zwangsläufig zur Folge, dass nicht alle Patientinnen und Patienten in den Genuss der Versorgung mit kurzwirksamen Insulinanaloga kommen, denn dies gilt natürlich nur für die Versicherten einer Krankenkasse, die entsprechende Vereinbarungen getroffen hat.

 

Abgesehen von dieser Schieflage in der Patientenversorgung, die Bestand haben wird, solange es noch Krankenkassen ohne entsprechende Vereinbarungen gibt, hat ein weiterer Umstand für zusätzliche Verwirrung gesorgt: Die genauen Bestimmungen der Vereinbarungen sind nicht bekannt. Dies haben einzelne Kassenärztliche Vereinigungen zum Anlass genommen, ihren Mitgliedern von der Verordnung der Insulinanaloga abzuraten. Denn selbst bei richtlinienkonformen Rabattverträgen könnten dem Vertragsarzt bei der Berechnung seiner Ausgaben die Bruttokosten für das teurere kurzwirksame Analogon angerechnet werden. Auch der G-BA hat sich dieser Meinung angeschlossen und rät bis zum jetzigen Zeitpunkt davon ab, Insulinanaloga weiterhin zu verordnen, es sei denn, ein medizinisch begründeter Einzelfall liegt vor.

 

Der G-BA kritisiert gleich mehrere Aspekte der Vereinbarungen. So wurden die Ärzte nicht nur von den dafür zuständigen Krankenkassen über die Verträge informiert, sondern auch von den Herstellern. Außerdem sei der Inhalt der im Wortlaut geheim gehaltenen Verträge so unklar, dass allein aufgrund dieser Informationen die Verordnung nicht empfohlen werden könne. Offensichtlich beziehe sich der Rabatt nicht auf den Abgabepreis sondern auf den Anteil der bei einer Kasse versicherten Typ-2-Diabetiker, die mit Insulinanaloga behandelt werden. Bei unverändertem Abgabepreis in der Apotheke bestehe somit weiterhin das Risiko eines Regressverfahrens für den Vertragsarzt, dem er sich dann mit hohem Dokumentations- und Verwaltungsaufwand stellen müsste.

 

Für zusätzliche Verwirrung hat dabei ein bereits im Oktober vorgelegtes Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums gesorgt, mit welchem das eingeschlagene Vorgehen ausdrücklich abgesegnet wurde. Darin heißt es unter anderem: »Der Arzt oder die Ärztin kann bei der Verordnung von Insulinanaloga für Versicherte einer Krankenkasse, die einen entsprechenden Vertrag geschlossen hat, darauf vertrauen, dass die Vorgaben des G-BA-Beschlusses erfüllt sind«. Das Ministerium ist darüber hinaus der Auffassung, dass die Verantwortung für die Feststellung der Kostengleichheit ausschließlich bei der vertragsschließenden Krankenkasse liegt. Dieser Verantwortung hätte die Kasse auch gegenüber dem Arzt nachzukommen.

 

Nachvollziehbare Verunsicherung

 

Angesichts der gegensätzlichen Äußerungen von G-BA und Bundesgesundheitsministerium kann die Verunsicherung bei Ärztinnen und Ärzten leicht nachvollzogen werden. Hier ist eine schnelle Lösung notwendig, die bei der Verordnung rabattierter kurzwirksamer Insulinanaloga den Regress ausschließt. Die Krankenkassen, die Vereinbarungen mit den Herstellern getroffen haben, sollten ausdrücklich auf diesen Umstand hinweisen. Auch im Hinblick auf die weitere Versorgung der Diabetiker in Deutschland ist eine solche Lösung dringend notwendig.

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