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Apothekerin auf Station

17.01.2006
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Krankenhauspharmazie

Apothekerin auf Station

von Sven Siebenand, Nürnberg

 

Dr. Gisela Hofmann ist meistens schon 45 Minuten vor Dienstbeginn im Einsatz. Denn die Krankenhausapothekerin am Klinikum Nürnberg nimmt an der morgendlichen ärztlichen Visite teil. Von der intensiven Zusammenarbeit profitieren Arzt und Apotheker - und die Patienten.

 

Als Hofmann vor etwa vier Jahren zum ersten Mal an der Visite auf den unfallchirurgischen Stationen teilnahm, waren einige der Ärzte noch skeptisch. »Was will denn die Apothekerin hier«, fragte einer der Mediziner überrascht. Mittlerweile ist sie nicht nur akzeptiert, sondern auch geschätzt. Denn wenn es um Fragen zur Arzneimitteltherapie und klinischen Relevanz von Nebenwirkungen geht, ist ihr pharmakologisches Wissen gefragt. »Wenn ich mit zur Visite komme und dadurch den Patienten kenne, kann ich Nebenwirkungen oder nicht explizit in der Tageskurve des Patienten vermerkte Nebenerkrankungen im Auge behalten«, so die Apothekerin. »Viele Nebenwirkungen haben sich mir erst am Krankenbett so richtig eingeprägt. Ich kann mich gut an den violett gefärbten Urinbeutel eines Schmerzpatienten erinnern, der mit Metamizol behandelt wurde.«

 

Medikamentenanamnese

 

Nach der Visite macht Hofmann sich auf den Weg in die Krankenhausapotheke, wo der eigentliche Arbeitstag beginnt. Bestellungen von rund 250 Stationen müssen bearbeitet und kommissioniert werden. Gegen zehn Uhr kehrt sie auf die Station zurück: In die zentrale chirurgische Aufnahme wurden Patienten bestellt, die in den nächsten Tagen operiert werden sollen. Alle Voruntersuchungen, Besprechungen und die Medikamentenanamnese werden an diesem Tag durchgeführt, damit die Patienten am Tag der Operation keine Wartezeiten haben. Für die Aufnahme der Dauermedikation sind primär Arzt und Pflegepersonal zuständig. Für die Umstellung auf die hauseigene Arzneimittelliste sowie die Überprüfung der Medikation auf Interaktionen oder andere Medikationsfehler ist Hofmann verantwortlich.

 

Täglich sind mindestens sieben bis acht Neuzugänge aufzunehmen. Im Jahr 2005 waren es rund 2000 Patienten. Häufig liegt eine fehlerhafte Einnahmevorschrift zu Grunde oder Medikamentenname und Dosisangabe sind unklar. »Vor allem ältere Patienten wissen oft nicht, welche Medikamente sie einnehmen«, berichtete die Apothekerin. Andere Patienten bringen nur ihren »Medikamentensack« mit. In beiden Fällen ist eine genaue Recherche unerlässlich.

 

Bei mehr als 9000 Patienten hat die Apothekerin mittlerweile die Medikation überprüft. Bei jeder fünften fand sie Fehler in der Arzneimitteltherapie. Einige davon waren schwerwiegend. So wurde bei einem 69-jährigen Patienten trotz ärztlicher Vorgabe Marcumar® nicht rechtzeitig abgesetzt. Die geplante Operation musste verschoben werden. Bei einem 63-jährigen Patienten lautete die Verordnung »eine Tablette Furorese® 40 einmal wöchentlich«. Benötigt wurde eine Tablette morgens. Wegen starker Ödeme konnte der Patient nicht operiert werden. Bei einem anderen Patienten fiel der Apothekerin bereits im April vergangenen Jahres auf, dass er seine Methylprednisolon-Tablette abends einnahm. Sie stellte auf die morgendliche Gabe um. Als der Patient im November erneut in die Klinik eingeliefert wurde, nahm er die Cortisontablette wieder abends ein. Die Begründung: Sein Hausarzt wolle nicht, dass er alle seine Arzneimittel zusammen morgens einnehme. Hofmann intervenierte erneut und klärte in einem persönlichen Gespräch die morgendliche Cortisoneinnahme ab. Viele multimorbide Patienten werden mit Cholesterol-Senkern behandelt. »Nicht alle Ärzte achten darauf, dass zum Beispiel CSE-Hemmer und damit auch Inegy®-Tabletten abends eingenommen werden sollten«, fügt Hofmann hinzu und ändert nach Rücksprache mit dem Arzt die Einnahmevorschrift.

 

Bei der Beurteilung des Schweregrades eines Medikationsfehlers sind Ärzte und Apothekerin allerdings nicht immer einer Meinung. So kommt es vor, dass die Mediziner eine halbe Tablette einer nicht teilbaren Retardformulierung verordnen. Für die Pharmazeutin ein eindeutiger Medikationsfehler.

 

Dream-Team Arzt und Apotheker

 

Während Hofmann die Dauermedikation der Neuzugänge in ein Formblatt für Medikamentenanamnese und -umstellung eingibt, kommt eine Krankenschwester mit der Medikation eines scheinbar leichten Falles herein. »Die Patientin nimmt eine Adalat® 4 morgens. Sonst nimmt sie nichts ein«, erklärte sie der Apothekerin und ist schon fast wieder zur Tür heraus. »Moment - Adalat 4 gibt es nicht«, wird sie von Hofmann gebremst. Kurze Zeit später stellt sich heraus, dass die Patientin Cardular® PP 4 einnimmt: Doxazosin statt Nifedipin.

 

Dr. Christian Rapke, Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, ist von der Zusammenarbeit mit der Krankenhausapotheke begeistert. Fragestellungen des Arztes, Pflegepersonals und Patienten zu Medikamenten können direkt an den Apotheker weitergegeben werden. Die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationäre Behandlung bei der Einweisung in die Klinik sei eine gute Möglichkeit, um Medikationsfehler zu entdecken. Diese werden dann in Zusammenarbeit mit dem Arzt revidiert. »Auf diese Weise erfährt der Patient einen direkten Nutzen«, erklärte Rapke. »Allein die Anwesenheit eines Apothekers bei der Visite fokussiert auf die Arzneimitteltherapie. Jeder kann dabei vom anderen lernen«, so Rapke weiter. Durch die Zeitersparnis auf Station sei die Zusammenarbeit mit der Krankenhausapotheke zudem wirtschaftlich.

 

Auch Pflegepersonal profitiert

 

Bei ihrem täglichen Rundgang auf den Stationen ist Hofmann nicht nur Ansprechpartnerin für die Ärzte, sondern ebenso für das Pflegepersonal. Eine unbekannte Tablette identifiziert die Apothekerin schnell als Beloc-ZOK®, EDT Hexal® 25 entpuppt sich als HCT 25 Hexal® und bei einem Patienten mit einer Knie-Totalendoprothese weist die Apothekerin auf dessen Schmerzmittelallergien und die dadurch eingeschränkte Analgetika-Medikation hin. Zusätzlich veranstaltet die Apotheke Schulungen zur Schmerztherapie, Kompatibilität von Infusionslösungen und richtigen Einnahme von Arzneiformen.

 

Ab Mai 2006 wird Hofmann von einem Pharmaziepraktikanten bei der Stationsarbeit unterstützt. Dann will sie die Patienten in einem zehn- bis fünfzehnminütigen Entlassungsgespräch zur richtigen Einnahme der Entlassungsmedikation beraten und über Austausch- oder Ersatzpräparate sowie das Absetzen von Arzneimitteln aus der Vormedikation informieren. Unter Anleitung der Apothekerin soll der Praktikant Patienten im Umgang mit erklärungsbedürftigen Arzneiformen oder Applikationshilfen schulen. Diese zusätzliche pharmazeutische Betreuung ist ein Sicherheitsgewinn für den Patienten und erhöht die Compliance.

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