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Ein hoch pathogenes Virus ist auf Dauer nicht erfolgreich

24.01.2006
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Interview

Ein hoch pathogenes Virus ist auf Dauer nicht erfolgreich

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Heute stirbt jeder zweite Vogelgrippepatient an der Erkrankung. Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit abnimmt, wenn das Virus H5N1 von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Sicher sind sie sich aber nicht. Die PZ sprach mit Dr. Brunhilde Schweiger, Leiterin des Nationalen Referenzlaboratoriums für Influenza.

 

PZ: Häufig ist von Wissenschaftlern die Aussage zu hören, dass ein pandemisches Virus mit einer besseren Übertragbarkeit an Pathogenität verlieren würde. Ist dies zwangsläufig so?

Schweiger: Ein hoch pathogenes Virus wäre auf die Dauer nicht erfolgreich, wenn es seinen Wirt umbringt. Die Entwicklung von H5N1 zu einem pandemischen Virus würde die Anpassung des Virus an den Menschen einschließlich einer guten Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch erfordern. Für die Pathogenität und die Übertragbarkeit des H5N1-Virus von Mensch zu Mensch ist eine Reihe von Faktoren maßgeblich. Es ist wissenschaftlich noch nicht völlig geklärt, welche Faktoren diese beiden Eigenschaften bestimmen.

 

PZ: Was ist der biologische Grund für die Abnahme der Pathogenität oder beruht diese Aussage auf Beobachtungen aus vergangenen Influenzaepidemien?

Schweiger: Die biologischen Grundlagen sind noch nicht endgültig geklärt. Derzeit ist die Sterblichkeitsrate bei H5N1 sehr hoch. Von weltweit 149 Patienten sind 80 verstorben. Allerdings ist auch anzumerken, dass wir keine gesicherten Kenntnisse über milde oder asymptomatische Verläufe haben. Die Influenzaviren, die in der Vergangenheit Pandemien ausgelöst haben, hatten eine sehr viel niedrigere Letalität. Diese lag bei dem H1N1-Influenzavirus, das die große Pandemie 1918 verursachte, bei etwa 0,6 Prozent. Es ist wahrscheinlich, dass die Pathogenität von H5N1 bei einer weiteren Anpassung an den Menschen abnimmt.

 

PZ: Wie wahrscheinlich ist es, dass H5N1 so aggressiv bleibt, wenn es von Mensch zu Mensch übertragbar wird?

Schweiger: Eine Angabe zur Wahrscheinlichkeit ist hier nicht möglich. Die für einen Wirtswechsel und eine bessere Adaption an den Menschen erforderlichen Mutationen im Genom sind nicht völlig bekannt. Durch Experimente sind einzelne Genombereiche identifiziert worden, die hierbei eine Rolle spielen. Dazu zählen zum Beispiel die Rezeptorbindungsstelle im Oberflächenprotein Hämagglutinin wie auch der Austausch einer spezifischen Aminosäure in einem Protein des Polymerasekomplexes. Diese Mutationen wurden vereinzelt bei H5N1 beobachtet. Keine dieser Mutationen, die bereits 2003 gefunden wurden, konnte sich bisher selektiv ausbreiten.

 

PZ: Es gibt jetzt Hinweise darauf, dass H5N1 leichter auf den Menschen übertragbar ist, als bisher angenommen. Eine Studie schwedischer Wissenschaftler geht davon aus, dass sich etwa 700 Menschen mit H5N1 infizierten, aber nur leicht erkrankten. Für wie fundiert halten Sie diese Daten?

Schweiger: Bei dieser Studie wurden seit 2003 in Vietnam 45.000 Personen dazu befragt, ob sie Kontakt zu krankem oder totem Geflügel hatten und ob sie selbst Symptome einer Erkrankung entwickelt haben. Die Autoren kommen dabei zu dem Ergebnis, dass sehr viel mehr Menschen in Vietnam infiziert wurden, als die offiziellen Statistiken ausweisen. Dies würde bedeuten, dass H5N1-Infektionen auch ohne oder mit einer nur leichten Symptomatik ablaufen könnten. Die Ergebnisse basieren ausschließlich auf Daten, die durch Befragung erhoben wurden. Fundierte Aussagen sind nur möglich, wenn auch eine Labordiagnostik erfolgt und serologische Daten verfügbar sind. Derartige Blutuntersuchungen auf H5-Antikörper sind im Rahmen der Studie nicht durchgeführt worden. Auf Grund früherer Untersuchungen im Zusammenhang mit dem ersten H5N1-Ausbruch in Hongkong 1997 ist jedoch davon auszugehen, dass es auch milde Verläufe gibt und nicht alle derzeitigen H5N1-Infektionen bekannt sind.

 

PZ: Was bedeuten die Ergebnisse für die Gefährlichkeit des Erregers und für das Risiko einer Pandemie?

Schweiger: Auch wenn sich bisher mehr Menschen mit H5N1 infiziert haben, als bisher bekannt, waren diese Personen höchstwahrscheinlich nicht infektiös. Solange H5N1, wie bisher, nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist, stellt es keine weitergehende Gefährdung dar. Insoweit hat sich das Risiko einer Pandemie durch die Ergebnisse dieser Studie nicht erhöht.

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