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Krebs

Supportivtherapie lindert Beschwerden

27.01.2016
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Eine Krebstherapie führt in nahezu allen Fällen zu ausgeprägten Beschwerden im Verdauungstrakt. Wie diese mittels Supportivtherapie gelindert werden können, war Thema des letzten Vortrags auf dem Kongress.

Der Verdauungstrakt beginnt bekanntlich im Mund und dort ist auch gleich eine der am stärksten belastenden Nebenwirkungen der Krebstherapie lokalisiert: die Entzündung der Mundschleimhaut (Mukositis). Jeder fünfte Krebspatient leidet unter Mukositis; abhängig von der Krebsart oder der Behandlungsform sind sogar noch deutlich mehr, nämlich teilweise bis zu 100 Prozent der Patienten betroffen. »Die Mukositis wird manchmal auch als Sonnenbrand des Mundes bezeichnet«, sagte Privatdozent Dr. Martin Hug von der Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg. Diese Bezeichnung mache deutlich, wie ungemein schmerzhaft die Erkrankung ist.

 

Mundschleimhaut feucht halten

 

Zur vorbeugenden Befeuchtung der Mundschleimhaut kommen häufig Medizinprodukte, etwa mit Carboxymethylcellulose oder tierischem Muzin, zum Einsatz, aber auch Präparate mit ätherischen Ölen hätten sich bewährt. »Salbei wirkt manchmal Wunder, kann aber schmerzhaft sein«, informierte Hug. Orale Antiseptika wie Benzyd­amin, Octenidin oder Povidon-Iod beziehungsweise – bei Pilzbefall – Antimykotika wie Amphotericin B oder Nystatin sollen Infektionen vorbeugen beziehungsweise entgegenwirken.

 

Die Leitlinie der multinationalen Vereinigung zur supportiven Krebstherapie (MASCC) empfiehlt Lösungen mit Benzydamin, das neben seiner antiseptischen auch eine lokalanästhetische Wirkung hat. »Leider ist dieser Wirkstoff in Deutschland als Tantum Verde® ausschließlich als alkoholische Lösung oder als Lutschtabletten mit ätherischen Ölen verfügbar. Der Alkohol reizt aber bei Patienten mit bestehender Mukositis die Mundschleimhaut stark«, sagte Hug. Als Alternative empfahl der Referent die NRF-Rezeptur Wässrige Benzydaminlösung, wobei der Wirkstoff momentan als Rezeptursubstanz leider nicht lieferbar sei.

 

Daneben soll laut MASCC-Leitlinie auf eine ausreichende Analgesie geachtet werden. Diese erfolge lokal, zum Beispiel mit Benzydamin, Benzocain oder Lidocain. In schweren Fällen könne durchaus auch der topische Einsatz von Opiaten oder eine systemische Therapie nach Stufenschema nötig werden.

 

Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls gefürchtete Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie. Akutes Erbrechen stellt sich unmittelbar nach Beginn der Therapie bis 24 Stunden danach ein und wird über Serotonin vermittelt. Auslöser des verzögerten Erbrechens, das 24 bis 120 Stunden nach der Therapie auftritt, ist dagegen die zentrale Freisetzung von Substanz P (Neurokinin). »Beide Formen müssen vom ersten Tag der Krebs­therapie an effektiv behandelt werden«, sagte Hug.

 

Zur Prophylaxe des akuten Erbrechens stehen verschiedene 5-HT3-Ant­agonisten (Setrone) zur Verfügung, zur Vorbeugung des verzögerten Erbrechens die auf -pitant endenden Neurokinin-Antagonisten. Die sorgfältige Antiemese sei nicht nur Selbstzweck, sondern helfe auch, die Gefahr des anti­zipatorischen Erbrechens zu senken. Dieses sei am schwierigsten zu behandeln, da die auslösenden Mechanismen nicht geklärt sind. Unter Umständen helfen eine Geschmacksablenkung durch Bonbons oder Benzodiazepine wie Lorazepam, das bei antizipatorischem Erbrechen auch als Lutsch­tablette verabreicht werden kann.

 

Macrogol statt Lactulose

 

Eine Nebenwirkung der Setrone ist die Obstipation. Sie sollte nach Stufenschema mit Allgemeinmaßnahmen – Flüssigkeit, Bewegung und zusätzlichen Ballaststoffen –, Laxanzien, Prokinetika und peripher wirksamen Opiatantagonisten behandelt werden. Das osmotisch wirksame Laxans Lactulose werde dabei zunehmend von Macrogol verdrängt, das ebenso wirksam, aber besser verträglich sei. »Bifi muss mit gilt nicht mehr in allen Fällen«, sagte Hug in Anlehnung an den Handelsnamen Bifiteral® eines Lactulose-Präparats.

 

Als Prokinetikum wirkt der 5-HT4-Agonist Prucalo­prid (Resolor®). Daneben kann auch das Anti­biotikum Erythromycin als Prokinetikum eingesetzt werden. »Es bindet an gastrointestinale Motilin-Rezeptoren«, erklärte Hug diese Wirkung. Der Einsatz bei Obstipation ist allerdings ein Off- Label-Use.

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