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All-inclusive

Menschen auf Reisen

08.04.2008
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All-inclusive

Menschen auf Reisen

Von Ulrike Abel-Wanek, Frankfurt am Main

 

Beim Besuch der Ausstellung »All-inclusive« in der Frankfurter Schirn empfängt den Besucher ein Sicherheitstor mit schrillendem Alarm und ein sich drehendes Gepäckband. Die Präsentation nimmt den Massentourismus kritisch unter die Lupe.

 

Tourismus ist die drittgrößte Wirtschaftskraft der Welt. 2010 werden eine Billion Reisende erwartet. Ob Geschäftsreise oder Urlaub, seit sich Händler, Forscher und Abenteurer im frühen 18. Jahrhundert als erste Touristen auf den Weg in die Fremde machten, hat sich die Anzahl der Reisenden stetig vergrößert.

 

Bilder, Dokumentationen und Installationen von rund 30 internationalen Künstlern nähern sich in der Ausstellung dem Phänomen Tourismus, der schon lange weltweit Spuren hinterlässt. Als uniforme, austauschbare Hotel- und Poolanlagen beispielsweise, die Sascha Pohle in dem Film »The Swimmer« präsentiert. Auf Teneriffa taucht der Künstler in die eckigen oder runden Wasserbassins nacheinander ein, durchschwimmt sie und spaziert langsam zum nächsten Becken. Die Bilder zeigen eine irreal wirkende, künstliche Welt, die aus dem Katalog gefallen zu sein scheint. Der Tourismus hat sich selbst als Industrie etabliert, »die Reise aus der Warenwelt ist ihrerseits zur Ware geworden«.

 

Die Bilder bestätigen die Hochglanz-Reklame der Tourismusindustrie, und das ist es, was der Reisende wirklich will: Er sucht die Bestätigung seiner Erwartung - weniger die Entdeckung des Neuen. Die Flucht vor dem Alltag und der Arbeitswelt ist sein dringendstes Motiv.

 

Tourismus ist aber mehr als Urlaub: neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind es vor allem gesellschaftliche, ökologische und politische Aspekte, die durch ihn beeinflusst werden. Dazu zählen neue, mobile Arbeitsformen, die Forderung nach Luxus für alle, aber auch Umweltverschmutzung, Prostitution, Terrorismus und Migration.

 

Die in Frankreich geborene marokkanische Künstlerin Yto Barrada hat die »Migration als stockenden Gegenverkehr zum Tourismus« in ihren Fotografien über Tanger und die Straße von Gibraltar festgehalten. Not und Reichtum liegen nah beieinander, auch in dem Film »Point of Departure« des Bulgaren Ergin Cavusoglu. Zu sehen sind zwei Orte, deren Transit- und Reiseräume sich kreuzen, und die doch unterschiedlicher nicht sein könnten: der zwischen unwegsamer Berglandschaft und Meer angesiedelte Flughafen der türkischen Stadt Trabzon und der von Stararchitekt Norman Foster gebaute Airport im englischen Stansted.

 

Auch Fotos und Souvenirs, wie sie jeder zum Beweis seines Reiseerfolgs mit nach Hause bringt, finden sich in der Ausstellung: die beiden Schweizer Peter Fischli und David Weiss präsentieren ein ganzes Archiv touristischer Urlaubsfotografien. Für die meisten zeitgenössischen Künstler gehört Reisen zum Alltag und vieles davon kommt in ihren Werken zum Ausdruck.

 

Manche Arbeiten der Ausstellung sind neu entstanden oder speziell für Frankfurt verändert worden. So auch die Arbeit der chinesischen Künstlerin Yin Xiuzhen, die für ihre »Portable Cities« aus Altkleidern von Schirn-Mitarbeitern ein dreidimensionales Stadtbild von Frankfurt entwarf. Das nähte sie in einen Reisekoffer ein, den sie anschließend persönlich nach Frankfurt transportiert hat. Die Installation zeigt auch New York City oder Minneapolis im Kofferformat, Ausdruck für ein Stück Heimat, das man irgendwie immer dabei hat, wenn man unterwegs ist.

 

Die Ausstellung erhebe nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sagt Kurator Matthias Ulrich, und brauche auch keinen »roten Faden«. »Um Komplexität darzustellen, um Berührungen zuzulassen, darf es keinen roten Faden geben«, so Ulrich. Es sind die persönlichen Assoziationen der Künstler, die durch die Ausstellung führen, und beim Betrachter immer wieder die Frage aufwerfen: Was verspreche ich mir vom Reisen in die Fremde?

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