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Wundmanager Apotheker

13.02.2007
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Pharmacon Davos 2007

Wundmanager Apotheker

 

Für die moderne Wundversorgung ist pharmazeutische Betreuung gefragt. So lautete das Fazit von Dr. Wiltrud Probst, Krankenhausapothekerin aus Heidenheim.

 

Nach Probst lassen sich die Prinzipien zur modernen Wundversorgung mit fünf Grundsätzen erschließen. Erstes Kriterium sei die Wundbeurteilung, da die Auswahl von Wundauflagen und Wundtherapeutika sich nach Art und Zustand der Wunde richte. Ist die Wunde flach, tief, unterhöhlt oder zerklüftet? Ist sie trocken oder feucht mit viel Exsudat? In welcher Heilungsphase befindet sich die Wunde? Ist sie infiziert, übel riechend oder nekrotisch? Granuliert sie rötlich oder epithelisiert sie rosa? Das sind die Fragen, die zur Analyse vor einer Behandlung gestellt werden müssen.

 

Im Anschluss folgt der kausaltherapeutische Ansatz. Eine chronische Wunde ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eher ein Symptom. Grunderkrankungen wie Diabetes können die Ursache sein. Die Therapie dieser Wunden führt in erster Linie über die Behandlung der Grundkrankheit.

 

Weitere Schlüssel zur modernen Wundversorgung seien das Bewusstsein darüber, was die Wundheilung stört und die Realisierung des geeigneten Wundklimas. Für die Wundheilung sei das feuchte Wundklima ideal. Zellteilungen und Zellwanderungen benötigen ein feuchtwarmes Milieu. Die Wundheilungsprozesse laufen darin schneller ab als in einer trockenen Wunde.

 

Fünftens sei die saubere Wunde eine Voraussetzung zur Heilung. Deshalb müssen chronische Wunden mit Nekrosen, fibrinösen Belägen und avitalem Gewebe genauso wie verschmutzte akute Wunden zunächst konsequent gereinigt werden. Neben den chirurgischen Verfahren werden Spüllösungen, Antiseptika und enzymatische Methoden eingesetzt.

 

Als moderne Wundauflagen bezeichnete Probst semipermeable Wundauflagen, die ein kontrolliertes Feuchthalten der Wunde bei gleichzeitigem Gasaustausch ermöglichen. Die Wunde soll nicht austrocknen, überschüssiges Wundsekret hingegen möglichst vertikal von der Wunde abgeführt werden. Wasserdampf soll verdunsten, Sauerstoff durch die Wundauflage von außen an die Wunde gelangen. Zudem sollten sie nicht mit der Wunde verkleben und gegebenenfalls mehrere Tage auf der Wunde belassen werden können.

 

Als Beispiele stellte die Krankenhausapothekerin Calcium- oder Natrium-Alginate aus Braunalgen, Hydrogele, Hydrokolloide, Polyurethan-Weichschaumkompressen, transparente Polyurethan-Membrane sowie silberhaltige Wundauflagen vor.

 

Die Wundtherapie soll nach Empfehlung der Referentin mit der Reinigung beginnen. Dazu sei es üblich, Ringerlösung oder physiologische Kochsalzlösung zu verwenden. Zur Keimreduktion sollten anschließend gewebeverträgliche Antiseptika eingesetzt werden wie Chlorhexidin, PVP-Jod, Octenidin oder Polyhexanid (NRF-Rezeptur). Fibröse Beläge sollten mechanisch durch sogenanntes chirurgisches Debridement mit Skalpell oder scharfem Löffel entfernt werden. In ausgewählten Fällen können als Alternative Enzympräparate oder sterile Fliegenmaden (Lucilia sericata) Verwendung finden. Lokalantibiotika oder Farblösungen sind nach Meinung der Krankenhausapothekerin inzwischen obsolet.

 

Abschließend ging die Referentin noch speziell auf Druckblasen ein und empfahl, kleine zu belassen und große mit einer sterilen Kanüle aufzustechen. Schürfwunden sollten mit nicht klebenden Wundauflagen nach Reinigung und Desinfektion behandelt werden. Schnittwunden sollte man ausbluten lassen, bei starkem Bluten hochhalten und mit einem Wundschnellverband versorgen. Die Behandlung von Narben setze monatelange Geduld und Disziplin voraus.

 

Modernes Wundmanagement verlange, so Probst, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Apotheker sollten auch die Grenzen der Selbstmedikation erkennen. Insbesondere Wunden mit hohem Infektionsrisiko, zum Beispiel Bisswunden, gehörten in die ärztliche Versorgung.

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