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Antibiotika

Breites Spektrum birgt Gefahren

12.02.2013
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Viele europäische Länder haben immer größere Schwierigkeiten mit resistenten Bakterienstämmen. Während die Niederlande und Skandinavien aufgrund eines vergleichsweise restriktiven Einsatzes von Antibiotika das Problem einigermaßen im Griff haben, ist die Lage in südeuropäischen Ländern, allen voran Griechenland, deutlich schwieriger. Deutschland liegt mit seinem Antibiotika­verbrauch im Mittelfeld.

»Bei uns verordnen die Ärzte rund 30 Prozent mehr Antibiotika als in den Niederlanden. Zudem agieren sie bei deren Auswahl weniger planvoll als die Ärzte in den nordeuropäischen Ländern«, sagte Professor Dr. Michael Kresken von der Antiinfectives Intelligence GmbH in Rheinbach. Probleme mit multiresistenten Erregern gebe es zwar im Krankenhaus und in der ambulanten Versorgung, doch überwiegend eingesetzt würden die Präparate von niedergelassenen Ärzten.

Nach einer Schätzung der Uniklinik Freiburg wurden 2008 in Deutschland 816 Tonnen Antibiotika verbraucht, 85 Prozent davon entfielen auf die ambulante Versorgung. Im Jahr 2010 wurde fast jedem dritten Patienten in Deutschland mindestens ein Antibiotikum verordnet. Kleinkinder und Senioren erhalten die meisten Verordnungen. Hierbei gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle. In den ostdeutschen Bundesländern werden deutlich weniger Antibiotika verordnet als im Westen. In der DDR habe es bereits vor der Wiedervereinigung erste Ansätze für einen gezielteren Einsatz von Antibiotika gegeben.

 

Leichtfertige Verordnung

 

Laut Arzneiverordnungsreport 2011 werden Penicilline mit rund 99 Millionen Tagesdosen (DDD) mit Abstand am häufigsten verordnet. Es folgen Cephalosporine (69 Millionen DDD), Tetracycline (60 Millionen), Makrolide und Lincosamide (58 Millionen) sowie Fluorchinolone (34 Millionen). Die wichtigsten Substanzen sind dabei Amoxicillin vor Doxycyclin und Cefuroximaxetil.

 

Für die Zunahme der Antibiotikaresistenzen in den vergangenen Jahrzehnten sieht Kresken Gründe. Die Medikamente würden von manchen Ärzten zu leichtfertig verordnet. Zudem werden immer häufiger Präparate mit einem breiten Wirkspektrum, eingesetzt. Diese tragen stärker zur Entstehung von Resistenzen bei. Wenn ein Patient mit einem Antibiotikum behandelt wird, das gegen viele Erreger wirkt, dann findet ein dagegen resistenter Erreger nach der Therapie in diesem Körper ideale Bedingungen für seine Vermehrung vor. Das Medikament hat sämtliche Konkurrenten des Erregers beseitigt. Beim Einsatz eines Antibiotikums mit engem Wirkspektrum hätte der resistente Stamm dagegen noch im Wettbewerb mit den Bakterien gestanden, gegen die das Antibiotikum nicht wirkt. In der Konsequenz ist der Anteil multiresistenter Erreger in Krankenhäusern und in der ambulanten Versorgung laut Kresken deutlich gestiegen. Mehr als 10 Prozent der Escherichia-coli-Stämme haben heute eine »Extended-Spectrum-ß-Lactamase« und sind deshalb gegen Cefotaxim resistent. Gegen Fluorchinolone seien sogar 30 Prozent resistent. Zunehmende Schwierigkeiten bereiten auch Carbapenemase produzierende Enterobakterien.

 

Leitliniengerecht behandeln

 

Eine Strategie zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz ist laut Kresken die Reduktion der Verordnung. Immer noch bekämpften Ärzte rund die Hälfte aller Atemwegsinfekte mit Antibiotika, obwohl dies in den allermeisten Fällen keine Wirkung zeige und dies auch seit Jahren hinlänglich bekannt sei. Auch bei vielen anderen Erkrankungen würden in Deutschland zu schnell Antibiotika verordnet. In der Schweiz würden rund 30 Prozent weniger Antibiotika eingesetzt als in Deutschland. In dieser Größenordnung könnten die Verordnungen in Deutschland sinken.

 

Noch entscheidender für den Erfolg sei jedoch die leitliniengerechte Therapie. Das Wissen über eine optimale Therapie sei vorhanden, es werde nur noch zu selten angewendet. Apotheker könnten hier eine große Hilfe für die Ärzte sein. Eine konsequente Impfstrategie sei ebenfalls hilfreich, weil dann der Grund zum Antibiotikaeinsatz entfalle.

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