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Schizophrenie

Mehr Compliance mit Retardpräparaten

08.04.2008
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Schizophrenie

Mehr Compliance mit Retardpräparaten

Von Brigitte M. Gensthaler

 

Viele Schizophrenie-Patienten nehmen ihre Antipsychotika auf Dauer nicht wie verordnet ein. Jedoch ist eine gute Therapietreue für die Rückfallprophylaxe sehr wichtig. Retardformen könnten die Compliance verbessern.

 

Nur wenige Patienten, die an Schizophrenie leiden, werden nach dem ersten Schub wieder völlig gesund. Rund zwei Drittel erleben einen oder mehrere Rückfälle, bei vielen chronifiziert die Erkrankung. Das Absetzen der Antipsychotika verfünffacht das Risiko für einen Rückfall. Dennoch setzen 40 bis 70 Prozent der Patienten die Medikation ganz oder teilweise ab, berichtete Joachim Heymann von der Medizinischen Abteilung der Astra Zeneca bei der Einführungspressekonferenz eines Quetiapin-Retardpräparats (Seroquel Prolong®) in München.

 

Nach der ersten Krankheitsepisode beendet ein Drittel die Therapie innerhalb von sechs Monaten. In einer Befragung erklärten 40 Prozent, dies aus »eigener Entscheidung« getan zu haben; nur jeweils 10 Prozent gaben unerwünschte Effekte oder unzureichende Wirkung als Grund an. Eine einmal tägliche Einnahme komme der Compliance entgegen und sei vorteilhaft für die Akut- und Dauertherapie, sagte Professor Dr. Hans-Jürgen Möller, Direktor der Klinik für Psychiatrie der Universität München. Zudem kann das Retardarzneimittel schnell aufdosiert werden: Nach dem Start mit 300 mg Quetiapin kann der Patient bereits am zweiten Tag die empfohlene Tagesdosis von 600 mg nehmen. Bisher erfolgte die Dosiseskalation in 100-mg-Schritten. Laut Fachinformation kann bei Bedarf bis auf 800 mg täglich gesteigert werden. Da fettreiche Nahrung die Bioverfügbarkeit von Quetiapin deutlich erhöhen kann, werden die Tabletten mindestens eine Stunde vor einer Mahrzeit geschluckt.

 

In Studien vertrugen die Patienten die rasche Aufdosierung gut. Allerdings enthält die am stärksten dosierte Retardtablette 400 mg Wirkstoff. Eine höhere Einzeldosis lasse sich ebenso wie eine Depotformulierung mit dem Wirkstoff nicht realisieren, erklärte Heymann. Benötigt der Patient mehr als 400 mg, schluckt er einmal täglich zwei Tabletten. Ob dies die Compliance fördert, muss sich noch zeigen. Die wichtigsten Faktoren für eine gute Compliance liegen aber woanders: Laut Möller sind es die Einsicht des Patienten, dass er eine Dauererkrankung hat, und die gute Information von Angehörigen und Patienten, zum Beispiel in Einzelgesprächen und Psychoedukationsgruppen.

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