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Herzinfarkte bei Frauen

Kleiner Unterschied mit großen Folgen

20.03.2012
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Von Ulrike Viegener / Zunehmend richtet sich das Augenmerk in der Medizin auf geschlechtsspezifische Besonderheiten, die über den vielzitierten kleinen Unterschied hinausgehen. Denn manche Krankheiten nehmen bei Frauen und Männern sehr unterschiedliche Verläufe. Ein Beispiel sind Herzinfarkte, deren klassische Alarmsymptome bei Frauen häufig fehlen.

Vernichtungsschmerz und ein massiver Druck auf der Brust gelten als die typischen Herzinfarktzeichen. Es wäre aber falsch, sich bei der Verdachtsdiagnose allein auf diese Symptome zu stützen, denn häufig vollziehen sich Herzinfarkte sehr viel unauffälliger. Diese unspektakulären Verläufe findet man eher bei Frauen als bei Männern. Das belegen die Ergebnisse einer jetzt im Fachjournal »JAMA« publizierten Kohortenstudie, deren Autoren sich auf Daten des US-amerikanischen Herzinfarktregisters stützen (doi: 10.1001/jama.2012. 199). Mehr als eine Million Infarktpa­tienten wurden erfasst, etwas weniger als die Hälfte waren Frauen.

 

Auch bei Männern können Infarktzeichen fehlen

 

Überraschend ist, wie häufig die klassischen Herzinfarktzeichen fehlten: Bei 42 Prozent der Frauen war das im Studienkollektiv der Fall. Bei Männern traten diese unauffälligen Verläufe zwar deutlich seltener, aber immerhin auch noch in 31 Prozent der Fälle auf. Besonders ausgeprägt war der diesbezügliche Unterschied zwischen den Geschlechtern bei jüngeren Patienten, während die Divergenz mit zunehmendem Alter schwächer wurde.

Korrelierend mit dem Ausmaß der Symptomatik war eine unterschiedliche akute Infarktsterblichkeit in der Klinik feststellbar. Insgesamt starben Frauen häufiger am Infarkt als Männer. Im Gesamtkollektiv der Studie lag die Akut­sterblichkeit bei 15 versus 10 Prozent. Besonders eklatant war die erhöhte Sterblichkeit in jüngeren Jahren: Frauen unter 45 ohne klassische Infarktzeichen starben 14 Mal häufiger als jüngere Männer mit typischen Infarktschmerzen (15 versus 1 Prozent). Die höhere Sterblichkeit dürfte damit zusammenhängen, dass bei unspektakulärem Infarktverlauf die Diagnose später gestellt wird und die Klinikeinweisung später erfolgt. Auch gibt es Hinweise, dass weibliche Infarktpatientinnen oft weniger aggressiv behandelt werden als männliche. Diese Zusammenhänge wurden in der Studie aber nicht untersucht.

 

Erst in den vergangenen Jahren hat man begonnen, sich für medizinisch relevante Unterschiede zwischen Mann und Frau zu interessieren. In Deutschland wurde an der Charité in Berlin der bundesweit erste Lehrstuhl für die frauenspezifische Gesundheitsforschung eingerichtet. Erforscht werden dort speziell Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei eine enge Kooperation mit dem ebenfalls in Berlin angesiedelten Deutschen Herzzentrum besteht. Die Aufdeckung geschlechtsspezifischer Unterschiede soll letztlich in differenzierten Behandlungsstrategien münden.

 

Ende der Gleichmacherei

 

Es besteht der begründete Verdacht, dass die bisher geübte Praxis einer therapeutischen Gleichmacherei überprüft werden muss. Sowohl an klinischen Studien zur Charakterisierung bestimmter Krankheiten als auch an Arzneimittelstudien nahmen bislang fast ausschließlich junge Männer teil. Man kam lange Zeit überhaupt nicht auf die Idee, dass etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen medizinisch relevante Unterschiede zwischen den Geschlechtern existieren könnten.

Die NAN-Regel

Nachdem klar wurde, dass viele Herzinfarkte ohne die klassischen Infarktzeichen ablaufen, wurde die sogenannte NAN-Regel aufgestellt. Sie besagt, dass bei allen Symptomen, die plötzlich und unerklärlich zwischen Nasenspitze, Arm und Nabel auftreten und länger als 15 Minuten andauern, Verdacht auf Herzinfarkt besteht. Bei Frauen imponieren Herzinfarkte oft mit Symptomen, die leicht fälschlich dem Gastrointestinaltrakt zugeordnet werden: Übelkeit mit oder ohne Erbrechen sowie plötzlich einsetzende Oberbauchschmerzen. Auch Schmerzen in Hals und Nacken können Infarktzeichen sein.

Inzwischen liegen erste Erkenntnisse darüber vor. So beruht etwa Herzinsuffizienz bei Frauen häufig nicht auf einer Pumpstörung, sondern es ist vielmehr die Dehnbarkeit des Herzmuskels gestört – ein Phänomen, das ganz anders zu behandeln ist als die Pumpinsuffi­zienz. Auch schlagen kardiovaskuläre Risikofaktoren bei den Geschlechtern unterschiedlich zu Buche. So haben diabeteskranke Frauen gegenüber männlichen Diabetikern ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko. Die genauen Ursachen dafür liegen noch im Dunkeln. / 

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