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Sicca-Syndrom

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23.03.2016
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Von Christina Müller / Bindehautrötungen, Lichtempfindlichkeit und geschwollene Lider: Trockene Augen sind für die Betroffenen oft sehr unangenehm. Viele von ihnen suchen Hilfe in der Apotheke – und das ist auch gut so. Denn unbehandelt kann das sogenannte Sicca-Syndrom schwerwiegende Folgen haben.

Das trockene Auge gilt mittlerweile als Volkskrankheit. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands beziffern die Prävalenz in einer gemeinsamen Leitlinie zur Behandlung des Sicca-Syndroms auf 15 bis 17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Somit leidet etwa jeder siebte Bundesbürger unter trockenen Augen; Senioren und Frauen sind besonders häufig betroffen.

Vom Sicca-Syndrom sprechen Ärzte, wenn die Benetzung der Augenober­fläche mit dem Tränenfilm gestört ist. Das kann zu einer veränderten Osmolarität des Tränenfilms, zu einer Entzündung und in der Folge zu einer Schädigung der Augenoberfläche führen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Umwelteinflüssen wie Abgase und Heizungsluft über die Anwendung bestimmter Medikamente (siehe Kasten) bis hin zu Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Rheuma. Bildschirmarbeit senkt die Lidschlag­frequenz und kann dadurch den Aufbau des Tränenfilms beeinträchtigen.

 

Verstopfte Meibom-Drüsen

 

Besonders häufig tritt das trockene Auge in Verbindung mit einer ein­geschränkten oder fehlenden Funktion der Meibom-Drüsen auf. Sie sitzen am inneren Rand des Augenlids und sondern eine ölige Flüssigkeit ab, die sich mit dem Tränenfilm vermischt und verhindert, dass dieser zu schnell verdunstet. Verstopfte und entzündete Drüsen machen sich oft als sogenannte Gerstenkörner bemerkbar.

 

Normalerweise versorgt der Tränenfilm die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sie besitzt keine eigenen Blutgefäße, da diese die Sehfähigkeit stören würden. Ist der Tränenfilm reduziert, müssen sich die Gefäße der Bindehaut weiten und die Versorgung übernehmen. Daher röten sich die Augen, wenn ein Sicca-Syndrom vorliegt.

Medikamente als Auslöser (Auswahl)

  • Antihistaminika
  • Anticholinergika
  • Betablocker
  • Neuroleptika
  • Estrogene
  • Thiaziddiuretika
  • Antidepressiva

Vasokonstriktoren verengen die Gefäße und lindern so die Rötung. Doch Augenärzte warnen vor der Anwendung entsprechender Präparate bei trockenem Auge: Die Tropfen könnten das Sicca-Syndrom auslösen oder verstärken. Zudem komme es nach einer Anwendungsdauer von mehr als sieben Tagen zu einem Rebound- Effekt, ergänzt Professor Dr. Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf, im Gespräch mit der PZ. »Das führt häufig zu einer reaktiven Entzündung.«

 

Stattdessen sollten Betroffene lieber auf befeuchtende Augentropfen setzen. »Gerade bei Rheumapatienten ist die Menge der Tränenflüssigkeit oft vermindert«, so Geerling. Dann sollten etwa Tropfen, Gele und Salben mit Polymeren wie Polyvinylpyrrolidon, Cellulosederivaten, Hyaluronsäure und Carbomeren zum Einsatz kommen. Tipp: Bei langfristiger und häufiger Applikation sowie bei Allergien sind konservierungsmittelfreie Präparate zu bevorzugen.

 

Ist die Funktion der Meibom-Drüsen gestört, empfiehlt Geerling lipidhaltige Augentropfen oder liposomale Augensprays. »Diese können die Fettphase an der Oberfläche der Tränenflüssigkeit unterstützen, die bei dieser Form der Erkrankung beeinträchtigt ist«, erklärt er. Auch eine spezielle Lidrandpflege kann helfen, die Drüsenfunktion an­zuregen. Dazu werden feuchtwarme Kompressen für fünf bis zehn Minuten auf die geschlossenen Augenlider gelegt und die Ränder anschließend mit einem feuchten Wattestäbchen sanft gereinigt. Eine vorsichtige Massage des Unterlids in Richtung der Lidkante aktiviert zudem den Fettausschub aus den Drüsen.

Osmoprotektiva binden Wasser

 

Da bei Patienten mit trockenen Augen nicht selten Mischformen der Erkrankung vorliegen, sei oft eine Kombinationstherapie aus wässrigen und fetthaltigen Präparaten sinnvoll. In jedem Fall rät Geerling zur Verwendung von Osmoprotektiva. Diese enthalten wasserbindende Substanzen, etwa das Disaccharid Trehalose, und schützen so die Zellen der Augenoberfläche gegen den hyperosmolaren Tränenfilm.

 

Bei besonders ausgeprägter Symptomatik oder bei Sonderformen der Erkrankung kann der behandelnde Augenarzt auch immunmodulierende Augentropfen verschreiben, die etwa Corticosteroide, Ciclosporin A oder antiinflammatorisch wirksame Antibiotika enthalten. Seltener kommen auch Tropfen mit Pilocarpin-Analoga, Acetylcystein oder Vitamin-A-Säure zur Anwendung.

 

Geerling rät, dass jeder Patient, der erstmalig über trockene Augen klagt, sich zunächst bei einem Ophthalmo­logen vorstellen sollte. Nur so könne etwa eine Beteiligung der Hornhaut, die eine spezielle Behandlung erfordere, ausgeschlossen werden. /

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