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Zytostatika-Versorgung

Die »verunglückte« Hilfstaxe

21.03.2018
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Von Ev Tebroke, Berlin / Die Zytostatika herstellenden Apotheker sind empört über die neuen Preisbildungsregelungen zur Herstellung von onkologischen Rezepturen. Sie befürchten Verlustgeschäfte. Ihr Verband VZA fordert nun die unverzügliche Kündigung der sogenannten Hilfstaxe.

Der Verdruss über die neuen Preisregelungen in der Zytostatika-Versorgung dominierte die diesjährige Jahrestagung des Verbands der Zytostatika herstellenden Apotheker (VZA) in Berlin. Ende Januar hatte die Schiedsstelle im Einvernehmen mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Anlage 3 der Hilfstaxe neu festgesetzt. Darin werden die Preise zwischen Apotheken und Kassen für die Herstellung und Abgabe von Chemotherapien definiert.

Die Apotheker fühlen sich über den Tisch gezogen und klagen über unrealistische, weil radikal abgesenkte Preise. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat deshalb Klage gegen den Schiedsspruch beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. Zudem prüft er derzeit die Option einer Kündigung der gesamten Anlage 3 beziehungsweise einzelner Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen.

 

»Mit dieser Hilfstaxe gibt es keine dauerhafte Zukunft, damit geht die Onkologie den Bach runter«, konstatierte VZA-Präsident Klaus Peterseim am vergangenen Freitag im Rahmen der Verbands-Jahrestagung in Berlin. Der Schiedsspruch habe das Zeug dazu, die Herstellung von Zytostatika zum Verlustgeschäft zu machen. »Es geht jetzt um wirtschaftliche Schadensbegrenzung.« Die Mitglieder des VZA hatten daher am Samstag einstimmig für die Forderung nach einer Kündigung der Hilfstaxe gestimmt.

 

Eine Neu-Regelung der Hilfstaxe war nötig geworden, weil mit dem Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG) vom 31. März 2017 die bisherige Praxis von Exklusivverträgen zwischen Kassen und einzelnen Apotheken zur Zytostatika-Versorgung verboten wurde. Stattdessen sollten die Kassen nun auf Hersteller-Ebene Rabattverträge über die Wirkstoffe abschließen. Da sich Kassen und Apotheker nicht auf neue Vereinbarungen zur Preisbildung einigen konnten, musste die Schiedsstelle entscheiden. Diese hatte im Einvernehmen mit dem GKV-Spitzenverband am 19. Januar ein neue Hilfstaxe verfügt. Die neuen, aus Sicht der Apotheker viel zu niedrig angesetzten Preise sollen rückwirkend zum 1. November 2017 gelten.

 

»Der GKV-Spitzenverband war leider nicht an einem grundsätzlich neuen Vertrag interessiert. Er beharrte weiterhin auf Rabatten bei den Substanzen, die es laut Gesetz nun eigentlich nicht mehr braucht«, kritisiert Peterseim. Als Resultat sähen sich die Apotheker nun mit radikal abgesenkten Preisen konfrontiert – zum Teil unter dem Einkaufspreis, zum Teil außerhalb der Ermächtigung, die das Gesetz dafür gibt. »Unter diesen Bedingungen können wir nicht arbeiten«, betonte der VZA-Präsident.

 

Intransparente Datenlage

 

Insbesondere kritisiert der VZA, dass die dem Vertrag zugrundeliegenden Daten zur Preisbildung bei den Schiedsstellenverhandlungen nicht nachprüfbar waren. Der GKV habe lediglich die Auswertungen seiner Preisabfragen bei Herstellern und Apotheken präsentiert. Der VZA vermutet nun ein falsches Spiel: In die Berechnungsgrundlage seien Krankenhauspreise mit eingerechnet worden. Diese sind viel niedriger als im ambulanten Apothekenbereich.

 

Um seinerseits verlässliche Daten als Verhandlungsgrundlage bieten zu können, will der Verband nun ein »erweitertes statistisch abgesichertes Gutachten über die Kosten der Herstellung von Sterilrezepturen in den Zyto-Apotheken« erstellen lassen. Dies soll helfen, auskömmliche Arbeitspreise zu erreichen und die wirtschaftlichen Risiken bei der Vergütung angemessen berücksichtigt zu bekommen.

 

Bei den Schiedsstellenverhandlungen hatte der DAV anscheinend keine verlässlichen Auskünfte über die Preise zur Zyto-Herstellung von den VZA-Mitgliedsapotheken vorliegen. »Ich hoffe, dass es uns gelingt, diese »verunglückte Hilfstaxe wieder hin zu bekommen«, so Peterseim. /

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