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Impfschutz für die Reise

08.04.2008
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Impfschutz für die Reise

Von Gudrun Heyn, Berlin

 

Impfungen bieten den sichersten Schutz vor Infektionskrankheiten. Welche Impfungen für eine Weltreise empfehlenswert sind, berichteten Experten auf dem 9. Forum Reisen und Gesundheit im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

 

Allein im Jahr 2007 verbrachten knapp 58 Millionen Bundesbürger ihren Urlaub im Ausland. 4,7 Millionen zog es dabei in die weite Ferne. Auch 2008 ist der Trend ungebrochen. Bei den Fernreisen erwartet die Branche sogar ein Plus von 7 und bei den Kreuzfahrten von 15 Prozent.

 

Auslandsreisen benötigen eine sorgfältige Vorbereitung, vor allem wenn Afrika, Asien oder Südamerika zur geplanten Reiseroute gehören. Sie sind daher immer ein guter Anlass, um sich in der Apotheke beraten zu lassen. In einem solchen Gespräch kann der Apotheker den bestehenden Impfschutz überprüfen, über besondere Infektionsrisiken in den Urlaubsländern informieren und zudem auf notwendige oder empfehlenswerte, zusätzliche Impfungen aufmerksam machen.

 

Allgemein empfohlene Impfungen

 

Bereits seit dem Kindesalter sind die meisten Menschen in Deutschland durch Impfungen gegen eine Vielzahl von Krankheiten gewappnet. So gehören Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis und Pertussis zu den allgemein empfohlenen Standardimpfungen. Doch spätestens alle zehn Jahre sollte bei vielen Vakzinen der Schutz durch eine Auffrischungsimpfung erneuert werden. Für Fernreisende besonders relevant ist beispielsweise die Kinderlähmung. Während in Deutschland die Poliomyelitis (Polio) durch umfangreiche Impfprogramme seit Jahren ausgerottet ist, erkranken in asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan oder Afghanistan immer wieder Menschen. Besonders groß ist die Zahl der Betroffenen jedoch in Afrika.

 

»In Nigeria wird aus weltanschaulichen Gründen schon seit einigen Jahren nicht mehr gegen Polio geimpft«, sagte Dr. Dr. Peter Döller vom Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen auf dem Forum. Durch Übertragungen von Mensch zu Mensch und durch verunreinigte Nahrungsmittel ist das Poliovirus von dort aus in die umliegenden Länder gelangt und hat sich über den Kongo bis nach Angola und Namibia ausgebreitet. Zum Teil nahmen aber auch Mekkapilger den Erreger mit in die Welt, sodass er sich in einem vorher nicht geahntem Ausmaß bis nach Indonesien verbreiten konnte.

 

Mittlerweile ist die Zahl der Polio-Erkrankten weltweit von 380 im Jahr 2001 wieder auf mehr als 2000 Patienten im Jahr 2006 angestiegen. Angesichts der zunehmenden Erkrankungszahlen hat die WHO inzwischen neue Impfvorschriften beschlossen: Jedes Land kann bei der Einreise eine Impfung verlangen, wenn dies infektionsepidemiologisch gerechtfertigt ist. Dabei ist es egal, um welchen Erreger es sich handelt. So hat auch Saudi-Arabien reagiert und schreibt nun während der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) eine Polioimpfung vor.

 

Keine genauen Erkrankungszahlen gibt es zur Pertussis. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Deutschland mehr als 100.000 Menschen jedes Jahr an Keuchhusten erkranken. »Weltreisende sollten besonders darauf achten, dass sie nicht nur gegen Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis, sondern auch gegen Pertussis einen Impfschutz besitzen«, sagte Döller. Denn gerade bei Erwachsenen wird die Erkrankung häufig mit einer gewöhnlichen Erkältung verwechselt, und infizierte Heimkehrer stellen dann für Kleinkinder eine besondere Infektionsquelle dar.

 

Vorgeschriebene Impfungen

 

In vielen Staaten ist bei der Einreise ein Impfnachweis gegen Gelbfieber erforderlich und in einem Sonderfall auch gegen Meningokokken-Meningitis. Zu den Ländern mit Impfvorschriften gegen Gelbfieber gehören derzeit etwa Bolivien und Mosambik. In den einzelnen Ländern sind die Regelungen durchaus unterschiedlich. So benötigen alle Menschen, die nach Bolivien einreisen wollen, einen gültigen Impfnachweis. In Mosambik dagegen können Reisende, die direkt aus Deutschland kommen, das ostafrikanische Land auch ohne Impfschutz besuchen. Einreisende aus einem Endemiegebiet müssen jedoch an der mosambikanischen Grenze ein gültiges Impfdokument vorlegen. Dabei ist zu beachten, dass nur ausgewiesene Gelbfieber-Impfstellen berechtigt sind, die Vakzination gegen das Gelbfiebervirus vorzunehmen. Zehn Tage nach der Impfung ist der Impfschutz aufgebaut und hält etwa zehn Jahre an.

 

Gelbfieber ist in den Ländern des tropischen Afrika, vor allem im Westen des Kontinents weitverbreitet, aber auch immer mehr Staaten in Südamerika sind betroffen. In Brasilien, Paraguay und Argentinien gab es in diesem Jahr bereits erste Todesfälle. Alle, die dorthin reisen wollen, sollten sich somit vorsorglich impfen lassen. Dies gilt auch für die Endemiegebiete in Afrika, wie etwa Angola, die Republik Kongo oder Guinea. Dort wird zumeist das Infektionsrisiko für Nichtgeimpfte erheblich unterschätzt. »Zwar erkranken in den westafrikanischen Ländern kaum noch Einheimische, da die Durchimpfungsrate der Bevölkerung recht gut ist, aber das Gelbfiebervirus ist damit noch lange nicht ausgerottet«, sagte Döller.

 

Vor Antritt eines Urlaubs sollte sich daher jeder rechtzeitig über die aktuellen Einreisevorschriften und die bestehenden Infektionsgefahren seines Urlaubsziels informieren. Möglichkeiten dazu gibt es im Internet oder beim Auswärtigen Amt (siehe Kasten). Die Infektionsrisiken in den einzelnen Staaten können sich jederzeit ändern. So halten sich auch beim Gelbfieber weder die Aedes-Mücken, die das Virus von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch übertragen, noch infizierte Affen oder andere Wirte an bestehende Staatsgrenzen.

 

Die Impfung gegen Meningokokken-Meningitis ist nur bei der Reise nach Mekka vorgeschrieben. Der Erreger der Hirnhautentzündung, das Bakteriums Neisseria meningitidis, wird durch gesunde Keimträger etwa beim Husten oder Niesen mittels Tröpfchen übertragen. Ein besonders hohes Infektionsrisiko herrscht daher dort, wo ein enger Kontakt mit der Bevölkerung stattfindet, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Gebet an der Kaaba. Zu den Risikogebieten der Erde gehört vor allem der sogenannte Meningokokken-Gürtel in Afrika. Wie ein Band zieht er sich südlich der Sahara von Guinea über den Tschad und Sudan bis nach Äthiopien. Von Dezember bis Mai finden dort immer wieder Ausbrüche statt. Aber auch in anderen Staaten, wie Angola, Indien, Nepal oder Bhutan, erkranken immer wieder Menschen. Gegen vier verschiedene Serogruppen (A, C, Y, W135) des Erregers kann inzwischen geimpft werden. Die Schutzwirkung der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe beträgt etwa zwei bis drei Jahre.

 

Indikationsimpfungen

 

Indikationsimpfungen werden dann notwendig, wenn während einer Reise bestimmte Risiken eingegangen werden sollen. Hierzu gehören alle Weltreisen, Langzeitaufenthalte und Abenteuerreisen. Eine Standardimpfung für Weltreisende ist inzwischen die Hepatitis-A-Impfung. Bis auf die Industrienationen ist das Hepatitis-A-Virus überall verbreitet. Weltweit infizieren sich jedes Jahr mehr als 10 Millionen Menschen mit dem Erreger. Übertragen wird er durch verunreinigte Nahrungsmittel und Fäkalien. Auch Menschen, die eine Kreuzfahrt unternehmen, sollten gegen Hepatitis A geimpft sein. Bei der Vakzination wird häufig ein Kombinationsimpfstoff verwendet, der gleichzeitig auch Schutz gegen Hepatitis B gewährleistet.

 

In fast allen Ländern der Welt besteht zudem die Möglichkeit, sich mit Tollwut anzustecken. Die Viruserkrankung ist medikamentös nicht behandelbar und verläuft nach dem Ausbruch in der Regel tödlich. Nur in sehr frühen Stadien, wenn das Virus noch nicht das Gehirn erreicht hat, kann eine Postexpositions-Prophylaxe (aktive Impfung Immunglobulin) den Ausbruch der Krankheit verhindern. Zu den besonders betroffenen Ländern gehören Indien und China. So sind in China im Jahr 2007 mehr als 3000 Menschen an Tollwut erkrankt. Aktuelle Meldungen gibt es aber auch aus Frankreich. Dort hatten im Februar dieses Jahres 177 Personen Kontakt zu erkrankten Tieren. Das Virus gelangt meist über Biss- und Kratzwunden in den Körper. Streunende Hunde oder Katzen sollten daher niemals gestreichelt oder gefüttert werden. Drei Impfungen sind zum Aufbau eines vollständigen Impfschutzes not-wendig.

 

Ähnlich weit verbreitet wie Hepatitis A ist Typhus. Unter schlechten hygienischen Bedingungen wird der Erreger ebenfalls fäkal-oral übertragen. Jedes Jahr bringen rund 70 Reisende die bakterielle Infektionskrankheit mit nach Deutschland. Dabei handelt es sich vorwiegend um Rucksacktouristen, die aus Indien oder Pakistan zurückkehren. »Vorbeugen kann man mit einer Impfung, die mit Effektivitätsraten von bis zu 70 Prozent jedoch nicht besonders wirkungsvoll ist«, sagte Döller.

 

Obwohl auch die Cholera eine Frage der Hygiene ist, spielt sie für weltreisende Touristen zumeist keine Rolle. Doch die Impfung mit der einzigen in Deutschland derzeit zugelassenen Vakzine schützt nicht nur vor Cholerabakterien, sondern auch vor dem häufigsten Erreger von Reisedurchfall. Enterotoxische Escherichia-coli-Stämme (ETEC) verursachen durch ihre hitzelabilen Enterotoxine choleraähnliche Durchfälle. Da die ETEC-Toxine den Choleratoxinen in der Struktur ähneln, kommt es bei der Impfung mit der Choleravakzine zu Kreuzreaktionen und damit auch zur Bildung antitoxischer Antikörper, die die Wirksamkeit eines der beiden ETEC-Toxine inhibieren. Neuere Studien gehen dabei von einer 40-prozentigen Protektivität aus. Obwohl der orale Totimpfstoff in Deutschland nur für die Choleraimpfung zugelassen ist, kann es daher durchaus sinnvoll sein, damit auch Reisende vor einer ETEC-Reisediarrhö zu schützen. »Dies gilt insbesondere für Menschen, deren Magensäuresekretion durch Protonenpumpenhemmer gebremst wird, oder Menschen, die etwa ein Höhentrekking unternehmen wollen«, rät Dr. Thomas Jellinek vom Centrum für Reisemedizin.

 

Dort wo viele Menschen zusammen sind, ist außerdem ein Impfschutz gegen alle tröpfchenübertragbaren Infektionskrankheiten sinnvoll. So können Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken auch für Personen unter 60 Jahren interessant sein, wenn sie etwa eine Kreuzfahrt unternehmen wollen. Wer mit dem Schiff den Panamakanal durchquert, darf zudem die Gelbfieberimpfung nicht vergessen.

 

Weitgehend auf den asiatischen Raum beschränkt ist die Japanische Enzephalitis. Ausgehend von Japan hat sich das Virus inzwischen über China und Indien bis nach Pakistan ausgebreitet. Auch in Staaten im Äquatorbereich kann es ganzjährig zu Ausbrüchen kommen. Übertragen wird die Virusinfektion durch Culex-Mücken vor allem im ländlichen Bereich. Dort bieten Reisfelder den Insekten gute Brutmöglichkeiten. In Deutschland soll Ende 2008 ein Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis zugelassen werden. Die neue Vakzine der Firma Novartis ist im Gegensatz zu den bisher aus Asien importierten, schwer erhältlichen Impfstoffen eine Zellkulturvakzine. Sie ist den bisher verfügbaren und aus Mäusehirn gewonnenen Totimpfstoffen in der Immunogenität deutlich überlegen. »Die Nebenwirkungen entsprechen denen einer Impfung mit Wasser«, sagte Jellinek. Noch zu belegen ist eine erheblich längere Schutzwirkung von bis zu zehn Jahren.

 

In der Pipeline sind zudem viele weitere Impfstoffe, wie etwa ein tetravalenter Konjugatimpfstoff gegen die Meningokokken-Meningitis der Serogruppen A, C, W und Y, der erstmals auch an Kleinkinder ab dem sechsten Lebensmonat verabreicht werden kann. Aber auch an Vakzinen gegen Dengue-Fieber, Hepatitis E und Chikungunya-Fieber wird gearbeitet.

Nützliche Internetadressen

Über Gesundheitsrisiken in Urlaubsländern informiert das Centrum für Reisemedizin: . Wichtige und aktuelle Sicherheitshinweise zu allen Reisezielen gibt das Auswärtige Amt unter . Eine aktuelle Liste gesetzlicher Krankenkassen, die Reiseimpfungen für eine private Auslandsreise erstatten, ist unter zu finden. Die Adressen ausgewiesener Gelbfieber-Impfstellen sind hier erhältlich: .

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