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Maßvoll und klug

27.03.2012
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Verdi streikt derzeit für 6,5 Prozent mehr Gehalt in diesem Jahr, die IG Metall wünscht sich dieselbe Steigerungsrate für ihre Mitglieder und die Vorfeldmitarbeiter am Frankfurter Flughafen forderten sogar bis zu 70 Prozent mehr Geld. Im Vergleich dazu war der Honoraranstieg der Apotheker in der Vergangenheit homöopathisch. Statt 6,5 Prozent in einem Jahr gab es in den vergangenen acht Jahren zusammen gerade einmal 2,4 Prozent mehr. Berücksichtigt man die Inflation und die allgemeine Kostensteigerung, leben die Apotheker seit Jahren mit sinkenden Gewinnen.

 

Natürlich haben ABDA und Deutscher Apothekerverband (DAV) vor acht Jahren aus gutem Grund einer Umstellung des Apothekerhonorars zugestimmt. Diese sollte unabhängig vom Arzneimittelpreis sein. Der Apotheker muss für seine Dienstleistungen bezahlt werden, nicht für die Abgabe möglichst teurer Medikamente.

 

Wenn ABDA und DAV nun eine Anpassung der Vergütung fordern, dann ist dies mehr als nachvollziehbar (lesen Sie dazu ABDA drängt auf faires Honorar). Spätestens seit dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) ist für viele Apotheken die Belastungsgrenze erreicht, für einige ist sie überschritten. Nach den Zahlen der ABDA schließen derzeit wöchentlich acht Apotheken, nur vier kommen neu hinzu. Bereits am Jahresende 2011 war die Apothekenzahl auf den niedrigsten Stand seit 1996 gesunken. Die zweite Stufe des AMNOG dürfte den Trend beschleunigen.

 

Die Forderungen der ABDA sind nicht nur maßvoll, sie sind auch klug entwickelt. Neben der packungsabhängigen Honorierung, die auf 9,14 Euro steigen soll, will die Berufsvertretung auch deutliche Verbesserungen bei Notdienst, Rezepturen und der Belieferung von Betäubungsmittelrezepten erreichen. Explizit soll so die Versorgung der Patienten besser honoriert werden. Davon werden auch die Versicherten und die Krankenkassen profitieren. Bleibt nun zu hoffen, dass Medien und Politik nicht mit den altbekannten Reflexen reagieren und die Mär von der wohlhabenden und maßlosen Apothekerschaft anstimmen. Das stimmt seit vielen Jahren nicht mehr, und heute ist es purer Zynismus.

 

Klug sind aber nicht nur ABDA und DAV, klug ist auch ein Unternehmen, dass bis vor kurzem nur wenige Apotheker mit diesem Attribut in Verbindung gebracht hätten: Der Großhändler Celesio verlässt nun ganz offensichtlich seinen Konfrontationskurs gegen die Apothekerschaft. DocMorris soll verkauft werden (lesen Sie dazu Celesio: DocMorris muss weg). Der neue Vorstandsvorsitzende Markus Pinger will das Verhältnis zu den Apothekern wieder verbessern. Gut so!

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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