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Digitalisierung

»Es ist richtig, dass wir Druck machen«

03.04.2018
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Von Annette Mende, Weimar / Nach seinem Besuch in einer ARMIN-Apotheke zieht CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich ein positives Fazit. Geht es nach ihm, dürften Apotheker künftig auch außerhalb von Modellprojekten Medikationspläne erstellen – nicht bloß auf dem Papier. Im Sinne der Patienten müsse Deutschland bei der Digitalisierung schnell deutlich vorankommen.

PZ: Die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen ist ein Modellprojekt, das auf zwei Bundesländer beschränkt ist und nur bis zum Jahr 2022 läuft. Wie groß ist die Chance, dass ARMIN schon bald in ganz Deutschland ausgerollt wird?

 

Hennrich: Aus meiner Sicht ist ARMIN ein sehr interessantes Projekt. Neben Verbesserungen bei der Adhärenz und der Arzneimitteltherapiesicherheit erhofft man sich nicht zuletzt auch mehr Effizienz in der Arzneimittelversorgung. Ich bin sehr gespannt, was die Evaluation ergeben wird, inwieweit diese Ziele erreicht werden konnten. Ich glaube, dass ARMIN ein Projekt mit viel Potenzial ist.

 

PZ: Bundesweit haben Patienten mit Polymedikation bereits heute Anspruch auf einen Medikationsplan. Erstellen darf den bislang allerdings nur der Arzt. Die Apotheker würden hier gerne mehr Aufgaben übernehmen – so wie das bei ARMIN der Fall ist.

 

Hennrich: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Der Patient sollte selbst entscheiden können, ob der Hausarzt oder der Apotheker für ihn einen Medikationsplan erstellt und führt. Das habe ich bereits bei Einführung des Medikationsplans so gesehen und ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass dieser Passus korrigiert wird.

 

PZ: Legen Apotheker Medikationspläne an und pflegen diese auch, geht das nur, wenn sie dafür eine Vergütung erhalten. Wie könnte die Honorierung aussehen?

 

Hennrich: Dazu müssen wir erst einmal ermöglichen, dass Apotheken mit Krankenkassen Dienstleistungsverträge schließen können. Dann wäre es aus meiner Sicht am besten, wenn sich die Apotheker direkt mit dem GKV-Spitzenverband auf eine Honorierung einigen.

 

PZ: Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Digitalisierung zu einem Schwerpunkt dieser Legislaturperiode erklärt. Teilen Sie seine Einschätzung, dass Deutschland in diesem Punkt an vielen Stellen hinterherhinkt?

 

Hennrich: Ja. Wir haben da viele Jahre verloren. Ein Grund dafür ist die Blockade der Selbstverwaltung – die Entwicklung der Gematik ist für mich ein Trauerspiel. Als ich 2002 erstmals in den Bundestag eingezogen bin, haben wir schon über die Einführung einer elek­tronischen Gesundheitskarte diskutiert. Jetzt ist 2018 und wir haben sie immer noch nicht flächendeckend. Und wenn sie dann kommt, stellt sich die Frage, ob sie nicht schon überholt ist angesichts der modernen Möglichkeiten mit Apps und Ähnlichem. Deshalb ist es richtig, dass wir da jetzt Druck machen. Jens Spahn kann da sicher wesentliche Impulse setzen.

 

PZ: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

 

Hennrich: Bei der elektronischen Patientenakte. Das wäre für mich ein echter Fortschritt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens.

 

PZ: Im Koalitionsvertrag kündigen Union und SPD an, das Fernbehandlungsverbot auf den Prüfstand zu stellen. Kommt in dieser Legislaturperiode das elektronische Rezept?

 

Hennrich: Ob es in dieser Legislaturperiode kommt, kann ich nicht sagen, aber die Reise geht definitiv dorthin. Das elektronische Rezept steht für mich am Ende einer Entwicklung bei der Digitalisierung, es ist sozusagen das Sahnehäubchen. Aber bereits jetzt gibt es Modellprojekte in Baden-Württemberg, bei denen auch das elektronische Rezept integriert ist .

 

PZ: Zuletzt noch eine Frage, die den Apothekern besonders unter den Nägeln brennt: Wann setzt die Große Koalition das Rx-Versandverbot auf die Agenda?

 

Hennrich: Ich will da nichts versprechen. Bei diesem Thema stehen wir vor schwierigen Verhandlungen mit der SPD. Außerdem steht die Befürchtung im Raum, dass ein Verbot rechtlich nicht ganz einfach wäre, was ich bezweifle. Ich glaube, dass es rechtlich sehr wohl umsetzbar ist. Wir wissen, dass es eine gewisse Erwartungshaltung gibt. Ich habe mich bereits in der letzten Legislaturperiode dafür eingesetzt und werde das auch weiter tun. /

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