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Direktgeschäft

Wenig Grund zur Freude

08.04.2008
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Direktgeschäft

Wenig Grund zur Freude

Von Daniel Rücker

 

Apotheker halten die Möglichkeiten des Direktgeschäftes mit der Industrie für begrenzt. Nach einer Umfrage des Frankfurter Pharmagroßhändlers Anzag bezweifeln rund 90 Prozent der Apotheker, dass der Direktvertrieb von Arzneimitteln den vollsortierten pharmazeutischen Großhandel ersetzen könnte.

 

Die Apotheker kaufen immer mehr Arzneimittel direkt bei der pharmazeutischen Industrie. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil des Direktgeschäftes mehr als verdoppelt. Die Großhändler stört dies aus nachvollziehbaren Gründen schon lange. Doch offensichtlich sind auch die Apotheker von diesem Trend nicht begeistert. Drei Viertel der Befragten kritisierten in der Anzag-Umfrage den damit verbundenen Mehraufwand für die Apotheke.

 

Rund 60 Prozent würden in ihrer Apotheke das Volumen des Direktgeschäftes gerne reduzieren, sagt der Pharmagroßhändler. Dem steht aber die Industrie entgegen. Rund 80 Prozent der Apotheker gaben an, dass manche rezeptpflichtigen Medikamente nur auf diesem Weg zu beziehen seien. Dies gelte vor allem für patentgeschützte Originalpräparate. Die meisten Apotheken haben dabei nicht einmal einen finanziellen Vorteil vom Direktgeschäft. Drei von vier Befragten gaben an, dass sie die Präparate von der Industrie zu denselben Konditionen beziehen wie vom Großhandel.

 

Nach der Anzag-Umfrage haben die meisten Apotheker auch grundsätzliche Bedenken gegen eine weitere Ausweitung des Direktgeschäftes. Zwei Drittel befürchten Lieferengpässe zum Schaden der Patienten. Der zunehmende Direktbezug ist für den Pharmagroßhandel ein erhebliches finanzielles Problem. Da die Hersteller vor allem die teuren Medikamente lieber direkt an die Apotheken verkaufen, funktioniert bei den Zwischenhändlern die Mischkalkulation nicht mehr. Mit seiner an den Preis gekoppelten Marge ist der Großhandel darauf angewiesen, mit der Distribution teurer Medikamente den nicht kostendeckenden Vertrieb preiswerter Arzneimittel zu subventionieren.

 

Zurzeit bemüht sich der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) intensiv um eine Änderung seiner Vergütung. Ein Fixzuschlag pro Packung soll die Distribution preiswerter Arzneimittel lukrativer machen. Im Gespräch sind 93 Cent pro Packung zuzüglich einer preisabhängigen Spanne von maximal drei Prozent. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat diesen Phagro-Vorschlag zur Stellungnahme an die Marktbeteiligten verschickt. Diese sollen sich bis zum 18. April dazu äußern.

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