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Mammografie-Screening in kanadischer Studie ohne Nutzen

08.04.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Erneut in die Kritik geraten ist das Mammografie-Screening durch eine Langzeituntersuchung aus Kanada, die im Februar im »British Medical Journal« (BMJ) erschien. Diese konnte nach einer Nachbeobachtungszeit von 25 Jahren keinen Vorteil eines jährlichen Mammografie-Screenings gegenüber einer normalen Vorsorge nachweisen.

 

An der Canadian National Breast Cancer Study, die in den 1980er-Jahren begann, nahmen fast 90 000 Frauen im Alter von 40 bis 59 Jahren teil. Die Hälfte von ihnen wurde auf ein jährliches Mammografie-Screening für fünf Jahre randomisiert. In der Kontrollgruppe erhielten die Frauen unter 50 Jahren eine Minimalversorgung (einmaliges Abtasten der Brust) und die Frauen über 50 eine jährliche klinische Brustuntersuchung.

 

In der fünfjährigen Screeningperiode wurden in der Mammografie-Gruppe bei 666 Frauen invasive Brusttumore entdeckt, in der Kontrollgruppe waren es 524. Im gesamten Untersuchungszeitraum starben 180 dieser Patientinnen im Screening- und 171 im Kontrollarm an diesen Tumoren. Die Brustkrebssterblichkeit unterschied sich somit zwischen den beiden Gruppen nicht. Insgesamt starben in der 25-jährigen Nachbeobachtungszeit 500 Frauen im Screening- und 505 Frauen im Kontrollarm an Brustkrebs. Die Brustkrebsmortalität konnte durch das Screening also nicht gesenkt werden, folgern Professor Dr. Anthony Miller und Kollegen von der Universität Toronto (doi: 10.1136/bmj.g366). Da mehr Frauen im Screeningarm eine Brustkrebsdiagnose bekamen, aber etwa gleich viele wie in der Kontrollgruppe an einem Tumor starben, gehen die Forscher von einer Überdiagnoserate von 22 Prozent aus. Sie stellen den Nutzen des Screenings daher infrage.

 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Professor Dr. Peter Jüni und Professor Dr. Marcel Zwahlen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern in einem Kommentar zu dieser Studie, der nun im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« veröffentlicht wurde (doi: 10.7326/M14-0569). Dort führen sie auf, dass die verschiedenen Studien zur Bewertung des Mammografie-Screenings von unterschiedlicher Qualität seien. Wenn nur die hochwertigen Studien herangezogen würden, ergäbe sich eine Reduktion der Sterblichkeit im Mammografie-Arm um etwa 15 Prozent. Doch in keiner Studie sei nachgewiesen, dass hierdurch »Leben gerettet« wurden, also die Gesamtsterblichkeit in der Screeninggruppe gesenkt wurde.

 

Ein Problem sei, dass keine dieser Studien in der Ära der modernen Brustkrebstherapie begonnen habe. Um die Frage zu klären, ob ein Nutzen des Mammografie-Screenings besteht und ob dieser den Nachteil der Überdiagnosen aufhebt, sei es dringend nötig, eine neue Untersuchung mit modernen Untersuchungsmethoden und Therapiekonzepten zu initiieren. /

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