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Gratis geht nicht

04.05.2016
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Es bleibt beim Alten: Angebote der Apotheker nehmen Politik und Krankenkassen gerne an. Neuen Leistungen stehen sie aufgeschlossen gegenüber – solange sie nichts kosten. Dieses unerfreuliche Verhaltensmuster ist erlernt und bedauerlicherweise tief verinnerlicht. Deshalb konnte sich der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, beim DAV-Wirtschaftsforum vergangene Woche in Berlin den Mund fusselig argumentieren. Mehr Honorar bekommen die Apotheker erst einmal nicht. Unterstützung gibt es in der Regel nur von Vertretern der Parteien, die gerade nicht an der Regierung sind.

 

Bemerkenswert ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Apotheker genötigt werden, Gratisleistungen zugunsten Dritter zu erbringen, etwa für Krankenkassen. Die Umsetzung der Rabattverträge gehört dazu, die Erfüllung der Importquote ebenfalls. Hier ist der größtmögliche Arbeitslohn für Apotheker, nicht für Fehler bestraft zu werden. Nur geringfügig besser sieht es bei Rezepturen oder bei den BtM-Dokumentationspflichten aus. Hier bewegt sich das hoch qualifizierte Apothekenpersonal im Bereich des Mindestlohns. Das lässt sich selbst mit dem Verweis auf die Gemeinwohlpflichten der Apotheker nicht seriös legitimieren.

 

Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist es bemerkenswert, dass die Betriebsergebnisse der Apotheken in den vergangenen Jahren einiger­maßen stabil blieben. Deshalb ist es aber auch konsequent, nur noch neue Leistungen anzubieten, die einen ausreichenden Deckungsbeitrag bringen. Genauso konsequent ist es, mit Gratisangeboten Marketing in eigener Sache zu machen. Patienten gewöhnen sich schnell an solche Zuwendungen.

 

Ebenso notwendig wie konsequent ist es, sich aus der Gratisfalle endgültig zu befreien. Das gilt ganz besonders für intellektuell anspruchsvolle Dienstleistungen wie AMTS-Angebote oder das Medikationsmanagement. Beim Wirtschaftsforum ließen die Vertreter der Apothekerschaft keinen Zweifel daran, dass Apotheken in Deutschland eine größere Arzneimitteltherapiesicherheit nur gegen ein angemessenes Honorar anbieten werden. Alles andere wäre ökonomischer Selbstmord. Gratis geht nicht.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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