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Klimakterium

Jahre des Umbruchs

02.05.2016
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Von Katja Renner / Das Klimakterium ist die Zeit des hormonellen Umbruchs vor und nach der Menopause. Viele Frauen bringen ­diese Veränderungen mit dem Verlust von Jugend, Fruchtbarkeit und Attraktivität in Zusammenhang. Ein Drittel leidet sehr unter Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Viele wünschen sich Hilfe aus der Apotheke.

Die Wechseljahre (Klimakterium) beginnen bei den meisten Frauen zwischen 40 und 45 Jahren, manchmal auch später. Ein wichtiger Einflussfaktor für diesen Zeitpunkt ist die genetische Disposition. Starke Raucherinnen kommen etwa zwei Jahre eher in die Wechseljahre. Nach einer Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) werden die Frauen direkt ins Klimakterium versetzt.

 

Die Frauen sind bei Eintritt in die Menopause – so wird der Zeitpunkt der letzten von den Eierstöcken gesteuerten Monatsblutung bezeichnet – im Durchschnitt 51 Jahre alt. Nur etwa 10 Prozent erleben die ­Menopause vor dem 46. Lebensjahr.

 

Wie wichtig es ist, diese Frauen als eigene Zielgruppe in der Apotheke zu begleiten, wird anhand einiger Zahlen deutlich. In Industrienationen erleben heute 90 Prozent der Frauen diese Lebensphase. Im Vergleich: Vor 100 Jahren war es etwa ein Drittel. Etwa 12 bis 15 Millionen Frauen in Deutschland sind zwischen 45 und 65 Jahre alt. 60 bis 85 Prozent leiden unter klimakterischen Beschwerden. Im Schnitt leben die Frauen etwa 30 Jahre ihres Lebens in einem Estrogenmangelzustand.

Aus dem Gleichgewicht

 

Ab dem 40. Lebensjahr geht der Follikelvorrat in den Ovarien zur Neige. Weil die Follikel für die Estrogenbildung verantwortlich sind, sinken allmählich die Estrogenspiegel. Darauf reagiert die Hypophyse mit einer vermehrten Ausschüttung des Follikel stimulierenden Hormons (FSH), um die Follikelreifung und Hormonbildung weiterhin anzuregen. Im Blut sind während des Klimakteriums stark schwankende und später auch deutlich erhöhte FSH-Spiegel festzustellen. Dennoch lässt die Arbeit der Eierstöcke irgendwann nach, und das gestörte Heranreifen der Follikel bewirkt einen relativen Estrogenmangel. Die Ovulation bleibt immer häufiger aus, sodass auch der Gelbkörper immer weniger gebildet wird und die Progesteronspiegel sinken.

 

Zu Beginn des Klimakteriums bewirken die schwankenden Hormonspiegel wechselnde Zykluslängen. Häufig kommt es zu verkürzten Zyklen unter 25 Tagen und verstärkten Periodenblutungen. Kurz vor der eigentlichen Menopause werden die Abstände der Regelblutungen wieder länger, was der fehlenden Gelbkörperproduktion und dem daraus resultierenden relativen Estrogenüberhang im Verhältnis zu Progesteron geschuldet ist.

 

Die Phasen dieser Hormonveränderungen werden in die Prä-, Peri- und Postmenopause differenziert. Wenn die Menstruation an zwölf aufeinanderfolgenden Monaten ausgeblieben ist, ist die Menopause sicher erreicht.

Tabelle 1: Symptome des Klimakteriums laut S3-Leitlinie zur Hormontherapie (HT) in der Peri- und Postmenopause (1)

Symptome Beispiele
konsistent vaginale Trockenheit vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche
nicht konsistent Veränderungen der Stimmungslage Schlafstörungen Harnwegsbeschwerden sexuelle Probleme sonstige körperliche Beschwerden

Variables Beschwerdebild

 

Grundsätzlich ist die Übergangsphase von einer überwiegend uneingeschränkten Ovarialfunktion in der Prämenopause bis zur Einstellung der Estrogenproduktion in der Postmenopause ein normaler physiologischer Prozess. Bereits in der Prämenopause bemerken die Frauen erste Veränderungen – Vorboten der Hormonumstellung.

 

Spätestens in der Perimenopause, wenn bereits ein Hormonmangel vorliegt, stellen sich die typischen vegetativen Beschwerden ein (Tabelle 1). Die Ausprägung der Symptome und der subjektive Leidensdruck sind jedoch ­individuell sehr unterschiedlich.

In der zurzeit in Überarbeitung befindlichen S3-Leitlinie Hormontherapie (HT) in der Peri- und Postmenopause (1) wird herausgestellt, dass Hitzewallungen und Schweißausbrüche sowie trockene Schleimhäute im Vaginalbereich in den Studien konsistent auftreten. Auch Schlafstörungen, Gereiztheit, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, verminderte Libido, Anstieg des Gewichts und Harnwegsbeschwerden gehören häufig zum komplexen Beschwerdebild.

 

Die Hitzewallungen als Leitsymptom werden als plötzlich auftretendes, von der Brust zu Gesicht und Oberarmen aufsteigendes Wärmegefühl beschrieben. Häufig kommt es zur Rötung des Gesichts und massivem Schweißausbruch. Beides ist für die Frauen sehr unangenehm und auch psychisch stark beeinträchtigend. Die Hitzewallungen treten überwiegend nachts auf, zum Teil bis zu dreißig Mal in 24 Stunden ohne Vorankündigung. Sie halten zwischen einigen Sekunden bis zu wenigen Minuten an. Physiologisch ist dies eine über den Sympathikus gesteuerte Reaktion auf den Estrogenmangel und eine gestörte Thermoregulation.

 

Mit Hitzewallungen haben die Frauen im Schnitt etwa zehn Jahre lang zu kämpfen. Beginnen diese bereits in der frühen Perimenopause, dauern sie mehr als ein Jahr länger (2).

 

Die Auswirkungen der verminderten weiblichen Hormonspiegel betreffen vor allem den Vaginalbereich. Estrogen steuert hier die Zellerneuerung, die Durchblutung und die Bildung des Scheidensekrets. Ein Mangel führt zu einer empfindlicheren und dünneren Vaginalhaut und lokalen Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Juckreiz sowie Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Ein weiteres Problem ist die Verschiebung des pH-Werts, die bakterielle Infektionen begünstigt.

 

Die allgemeine Abnahme der Elastizität der Haut durch Abbau von kollagenen Fasern ist am ganzen Körper festzustellen. Faltenbildung setzt ein und der Feuchtigkeitsgehalt des Ge­webes nimmt ab.

Wichtige Fragen zum Einstieg in die Beratung

  • Welche Beschwerden liegen vor? Leiden Sie nur unter Hitzewallungen oder gibt es noch weitere Symptome, zum Beispiel Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder trockene Schleimhäute?
  • Seit wann leiden Sie unter diesen Beschwerden?
  • Wann treten diese meistens auf?
  • Wie sehr beeinträchtigen Sie diese Beschwerden im Alltag?
  • Was haben Sie bereits unternommen? Haben Sie mit Ihrem Frauenarzt darüber gesprochen?
  • Was sollte ich sonst über Ihre Gesundheit wissen? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente oder gibt es Vorerkrankungen, zum Beispiel der Schilddrüse oder Bluthochdruck?

Umfassend fragen

 

Die besondere Herausforderung für Ärzte und Apotheker liegt darin, die Schwere der Symptome und deren Therapiebedürftigkeit zu erfragen. Das Thema ist für viele Frauen tabuisiert, schließlich wünscht die Gesellschaft junge, attraktive, belastbare und gut funktionierende Menschen. Bei leichten Beschwerden ist die Apotheke oft die erste Anlaufstelle.

 

Typischerweise fragen die Frauen nach homöopathischen oder pflanzlichen Präparaten gegen Stimmungsschwankungen oder Schwitzen. Das Apothekenteam sollte bei Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren dann aufmerksam werden und in die Beratung einsteigen. Es gilt, die genauen Beschwerden abzufragen, aber auch einen Eindruck über Intensität und individuelle Belastung zu erhalten. Dazu sollte man nach den Kardinalsymptomen Hitzewallungen und Trockenheit der Vaginalschleimhaut fragen und im zweiten Schritt nach möglichen Begleitsymptomen. Weitere wichtige Fragen zum Einstieg in die Beratung sind im Kasten aufgeführt. Keinesfalls darf die Frage nach anderen Medikamenten und chronischen Erkrankungen fehlen, denn auch diese können Ursache der Symptome sein oder eine mögliche Therapieempfehlung einschränken.

 

Andere Erkrankungen abgrenzen

 

Eine saubere Diagnostik ist wichtig, denn die Gefahr ist groß, dass bei Frauen im typischen Alter alle Krankheitssymptome unter dem Begriff Klimakterium subsummiert werden. Dann könnten organische Erkrankungen, zum Beispiel eine Schilddrüsenfunk­tionsstörung, Depression oder Krebs­erkrankung übersehen werden.

Bei einer Hyperthyreose sind vermehrtes Schwitzen, erhöhte Wärmeempfindlichkeit und Herzrasen ebenfalls typisch. Charakteristisch ist, dass die Wallungen bei den Wechseljahren spontan ohne Anstrengung entstehen und vom Brustkorb aufsteigen. Bei einer Hyperthyreose leiden die Betroffenen unter schwitziger Haut und zittrigen Händen, die Beschwerden treten nicht so häufig schub­artig auf. Auch Symptome einer Hypothyreose wie Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen können mit klimakterischen Beschwerden verwechselt werden oder sie noch verstärken.

 

Schweißausbrüche sind außerdem Anzeichen einer Hypoglykämie bei Diabetes-Patienten oder einer starken allergischen Reaktion – wobei die Gefahr der Verwechslung in beiden Fällen relativ gering ist. Tumoren im endokrinen System können ebenfalls Hitzewallungen hervorrufen, wenn sie die Hor­monbildung aus dem Gleichgewicht bringen und so die Thermoregulation stören. Antiestrogene wie selektive ­Estrogen-Rezeptormodulatoren (SERM), zum Beispiel Tamoxifen oder Raloxifen, die bei Mammakarzinomen eingesetzt werden, versetzen die Frauen in eine Estrogenmangelsituation und lösen deshalb Hitzewallungen aus.

 

Bleiben am Ende des Beratungsgesprächs Fragen offen, sind die Beschwerden sehr belastend und intensiv oder bestehen klare Risikofaktoren, sollte das Apothekenteam die Frau zur weiteren Abklärung zum Arzt schicken (Siehe Kasten).

 

Therapie mit Sexualhormonen

 

Die effektivste Therapie der vasomo­torischen menopausalen Symptome erfolgt mit systemisch wirkenden Es­trogenen. Laut eines globalen Konsensus-Papiers zur Hormonersatztherapie in der Menopause (3) scheinen die Vorteile gegenüber den Risiken bei symptomatischen Frauen vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach Beginn der Menopause zu überwiegen. Die Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie (HRT) sollte immer individuell er­folgen und hängt von der Beschwerdesituation und den Risikofaktoren der Frau ab (4, 8).

Grenzen der Selbstmedikation

Eine Selbstmedikation klimakterischer Beschwerden ist nicht möglich bei:

 

  • bekannten Risikofaktoren, zum Beispiel Leberschäden, Nieren­insuffizienz, KHK;
  • chronischen Erkrankungen und Medikamenten zur Dauertherapie mit hohem Interaktionsrisiko;
  • psychisch hohem Leidensdruck;
  • kurzfristig akut auftretenden ­Beschwerden mit hoher Intensität.

Für Frauen mit Estrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom oder mit thromboembolischen Erkrankungen ist die HRT kontraindiziert. Seit Veröffentlichung der großen Studie »Women’s Health Initiative«, die ein höheres Brustkrebsrisiko unter HRT nachwies, steht die Hormongabe in einer stetigen Diskussion. In neueren Bewertungen schätzen die Fachgesellschaften die ­Risiken doch geringer ein als früher angenommen. Zahlenmäßig liegen alle genannten Risiken in einem Bereich, der als »sehr selten« bezeichnet werden kann.

 

Eine HRT ist sinnvoll, wenn eine Frau unter vasomotorischen Beschwerden leidet, die ihre Lebensqualität massiv einschränken. Orientierung geben die Anwendungsempfehlungen für die ­gynäkologische Praxis der Fachgesellschaften und die in Überarbeitung ­befindliche S3-Leitlinie »Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause« (1). Sie soll Ende 2016 aktualisiert vorliegen.

 

Zusammengefasst gilt, dass eine HRT nur bei den zugelassenen Indi­­- ka­tionen – nämlich urogenitalen und ­vasomotorischen klimakterischen Beschwerden – eingesetzt werden soll. Zusätzlich besteht die Indikation der Prävention der Osteoporose, wenn gleichzeitig ein hohes Frakturrisiko und Kontraindikationen gegen andere Anti-Osteoporosemittel vorliegen. Nach heutigem Kenntnisstand wird eine etwa zweijährige Behandlung empfohlen, die mit einem niedrigen Neben­wirkungsrisiko assoziiert ist.

 

Frauen mit intaktem Uterus erhalten eine kombinierte Estrogen-Gestagen-Therapie zur Vermeidung einer Endometriumhyperplasie und Senkung des Risikos für Endometriumkarzinome. Die kombinierte Therapie erfolgt entweder sequenziell mit mindestens zehntägiger Gestagengabe pro Behandlungsmonat oder kontinuierlich kombiniert. Die früher analog zur »Pille« üblichen siebentägigen hormonfreien Intervalle bei sequenzieller Therapie sind nicht sinnvoll, weil sich die Beschwerden in dieser Zeit oft verschlechtern (4).

 

Als Kombinationen stehen zurzeit nur orale und transdermale Darreichungsformen zur Verfügung. Bei anderen Darreichungsformen muss frei kombiniert werden, wobei solche freien Kombinationen kaum durch Studiendaten abgesichert sind. Zu beachten ist, dass Estrogene bei oraler Gabe einem ausgeprägten First-Pass-Effekt unterliegen und daher Wechselwirkungen mit Arzneistoffen, die ebenfalls über CYP3A4 metabolisiert werden, auftreten können.

 

Leidet die Frau nur an vaginaler ­Trockenheit, ist eine systemische Hormongabe nicht erforderlich. Eine topisch vaginale Estrogen-Anwendung lindert die Beschwerden meist ausreichend. Da es sich nicht um eine systemische HRT handelt, wird in der Leit­linie keine Kombination mit Gestagen empfohlen.

Substanzen und Arzneiformen

 

Zur Hormonsubstitution werden Estriol, Estradiol, Estradiolvalerat und mikronisiertes Estradiol sowie konjugierte Estrogene eingesetzt (Tabelle 2). Estriol wird bevorzugt in den topischen Darreichungsformen (Gele, Cremes, Ovula) verwendet. Estradiol ist häufiger Inhaltstoff der transdermalen Hormonsysteme. Ist noch eine kontrazeptive Wirkung erwünscht, ist Ethinylestra­diol eine Option.

 

In Kombinationspräparaten – als Pflaster oder Tabletten – sind Levo­norgestrel, Dienogest, Norethisteronacetat und Medrogeston Beispiele für die Gestagenkomponente. Gestagen-Monopräparate gibt es in Tablettenform.

 

Pflaster und Gele werden heute ­vermehrt verordnet, da wegen der ­Umgehung des First-Pass-Effekts und niedrigeren Dosierungen das Thromboserisiko geringer sein soll als bei der oralen Anwendung. Die topisch vaginale Anwendung bietet für Frauen mit geringer Allgemeinsymptomatik eine verträgliche und erfolgreiche Therapiemöglichkeit gegen die Trockenheit im Vaginalbereich.

 

Mit dieser großen Palette an Wirkstoffen und Darreichungsformen können Ärzte die Therapie sehr individuell auf die Bedürfnisse der Frau abstimmen. Apotheker können den Behandlungserfolg unterstützen, indem sie die korrekte Anwendung erläutern und immer wieder nach der Wirksamkeit und dem Befinden der Frau fragen, wenn diese ein neues Rezept einlöst.

 

Im Einzelfall und bei entsprechender Information der Patientin verordnet der Arzt bestimmte Wirkstoffe auch off label (1, 6). Bei Frauen, die unter starken Wechseljahrsbeschwerden leiden und eine Kontraindikation gegen eine HRT haben, können die Antidepressiva Fluoxetin (SSRI) oder Venlafaxin (SSNRI) eingesetzt werden. Auch das Antikonvulsivum Gabapentin kann positiv auf vasomotorische Beschwerden einwirken.

 

Phytoestrogene als Alternative?

 

Insbesondere wegen der Diskussion um erhöhte Risiken der HRT suchen ­viele Frauen nach pflanzlichen oder ­homöopathischen Alternativen. Wie ist die Datenlage zu diesen Produkten?

 

Es gibt eine Reihe von Studien zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden mit Phytoestrogenen in Form von Isoflavon aus Rotklee oder Soja und Cimicifuga racemosa. Die Mehrheit der placebokontrollierten Studien zeigt keine signifikante Reduktion vasomotorischer Symptome (5). Allenfalls geringgradige Effekte wurden in einigen Untersuchungen nachgewiesen.

Tabelle 2: Applikationsformen der Hormontherapie mit Beispielen

Therapieregime Arzneiformen Wirkstoffe und Produktbeispiele
Estrogene
transdermal
Gel Estradiol-Hemihydrat: Estramon® Gel 0,5/1 mg
Estradiol: Gynokadin® Gel
TTS (einmal pro Woche) Estradiol: Fem7®, Estramon®, Estradiol TTS®
Estrogene oral Tabletten, Dragees konjugierte Estrogene: Climopax mono®, Presomen 28®
Estradiol: Estrifam®, Gynokadin®, Merimono®
Estriol: Estriol 2 mg fem®, Ovestin®, Oekolp®
Estrogene lokal Vaginalcreme Estriol: OeKolp-Creme®, Ovestin-Creme®
Estradiol: Linoladiol N®
Ovula und ­Vaginalzäpfchen Estriol: OeKolp Ovula®, Ovestin®
Vaginalring Estradiol: Estring®
Gestagene oral Weichkapseln Progesteron: Utrogest®, Progestan
Tabletten Progesteron-Derivate: Chlormadinon®, Duphaston® Nortestosteron-Derivate: Visanne®
Zyklische Kombinations-
präparate (Estrogen und Gestagen) – mit Blutung
Dragees, Filmtabletten Femoston® 1/10 mg, Mericomb® 1 mg, Klimonorm
TTS Fem7 Combi®, Sequidot®
Kontinuierliche Kombinations-
­präparate (Estrogen und ­Gestagen) – ohne Blutung
Dragees, Filmtabletten Angeliq®, Climodien®, Clionara®, Lafamme®
TTS Fem7 Conti®

Zur langfristigen Sicherheit der Phytoestrogene fehlen belastbare Daten. So empfiehlt die S3-Leitlinie keine Phytotherapie. Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze werden von einigen Gynäkologen als Therapieversuch unter ärztlicher Kontrolle angeraten.

 

Von isolierten Isoflavonen aus Rotklee und Soja gegen Wechseljahrsbeschwerden riet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) lange Zeit aufgrund erhöhter Risiken ab. Eine weitergehende Bewertung wurde an die EFSA, die Europäische Behörde für ­Le­bensmittelsicherheit, weitergegeben. Ende 2015 lag dazu ein Bericht vor. Demnach gibt es keine Hinweise auf unerwünschte Wirkungen von isolierten Isoflavonen auf die Zielorgane weibliche Brustdrüse, Gebärmutter und Schilddrüse. Die in den Humanstudien verwendeten Isoflavon-Dosierungen sowie die Einnahmedauer könnten als Orientierung für eine als hinreichend sicher anzunehmende Verwendung für Frauen nach der Menopause dienen.

 

  • Für Präparate aus Soja: bis zu 100 mg Isoflavone oder Extrakte pro Tag bei einer Einnahmedauer von bis zu zehn Monaten.
  • Für Präparate aus Rotklee: bis zu 43,5 mg Isoflavone pro Tag für bis zu drei Monate.
     

Aufgrund der eingeschränkten Datenlage lasse sich für Frauen in der Peri­menopause keine Aussage treffen, schreibt das BfR (7). Zudem gälten die genannten Orientierungswerte nur für die gesunde Allgemeinbevölkerung. Frauen mit einer Estrogen-abhängigen Krebserkrankung der Brustdrüse oder der Gebärmutter, aktuell oder in der Anamnese, werden als besondere Risikogruppe angesehen, die in dem EFSA-Bericht nicht berücksichtigt wurde. Diesen sei die Einnahme isolierter Isoflavone nicht zu empfehlen. Generell ist es laut BfR sinnvoll, vor der Einnahme von Isoflavonen den Arzt zu befragen (7).

 

Gegen Schwitzen und vaginale Trockenheit

 

Salbeiblätter-Tee oder Salbei-Extrakte in Form von Tabletten können gegen die isolierte Symptomatik des starken Schwitzens ausprobiert werden.

Phytopharmaka, die Baldrian, Melisse oder Hopfen enthalten, lindern symptomatisch Schlafstörungen. Johanniskraut bietet eine Option bei leichten depressiven Verstimmungen. Gegen die vaginale Trockenheit helfen Cremes oder Gele als Fertigpräparate oder natürliche Gleitmittel wie Olivenöl oder Aloe vera. Einige Zubereitungen enthalten polycarbophile Substanzen, die die Scheidenhaut mit einem schützenden Film überziehen und so auch ­bakteriellen Infektionen vorbeugen. Nehmen Frauen eine kontrazeptiv wirksame HRT ein, kann trotzdem eine Scheidentrockenheit auftreten; dann sind Gleitgele eine sinnvolle zusätzliche Empfehlung.

 

Generell ist es wichtig, dass die Symptome der Frau vor der Abgabe ­eines Mittels in der Selbstmedikation genau abgeklärt werden.

 

Zur Knochenstärkung

 

Durch den Estrogenmangel beschleunigt sich bei Frauen nach der Menopause der Knochenabbau. Das Thema ­Osteoporose-Prophylaxe sollten Apotheker deshalb aktiv bei Frauen im ­Klimakterium ansprechen.

 

Sehr sinnvoll ist, in dieser Lebensphase die Knochendichte bestimmen zu lassen, insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren wie genetische Disposition, Rauchen oder Therapie mit systemischen Glucocorticoiden. Die Substitution von Vitamin D ist nach ärztlicher Rücksprache eine wichtige Präventionsmaßnahme.

 

Beratung zum Lebensstil

 

Neben Medikamenten können Apotheker auch eine Reihe von Maßnahmen rund um den Lebensstil empfehlen. Bekannt ist, dass Entspannungsübungen, zum Beispiel Yoga, eine gesunde ausgewogene Ernährung, Verzicht auf zu viel Koffein, Alkohol und Rauchen sowie körperliche Bewegung leichte vasomotorische Beschwerden bessern können.

 

Bei Hitzewallungen ist es hilfreich, die Umgebungstemperaturen zu reduzieren und den »Zwiebel-Look« zu kultivieren. So kann die Frau bei plötzlichen Hitzewallungen Kleidung ausziehen und damit starke Schweißausbrüche vermeiden. Bei wichtigen Terminen gibt es Sicherheit, eine identische Bekleidung als Ersatz mitzunehmen. Übungen zur Stärkung des Becken­bodens beugen einer späteren Harn­inkontinenz vor.

 

Die Basis einer ganzheitlichen Beratung in der Apotheke: Das Apothekenteam sollte empathisch auf die individuelle Situation der Frau eingehen. /

 

 

Literatur 

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: S3-Leitlinie Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause. Registernummer 015 – 062. .
  2. Freeman, E. W., et al., Duration of menopausal hot flushes and associated risk factors. Obstet Gynecol 117 (2011) 1095-1104.
  3. De Villiers, T. J., et al., Global Consensus Statement on menopausal hormone therapy. Maturitas 74 (2013) 391-392.
  4. Ortmann, O., Lattrich, C., Therapie von Beschwerden in den Wechseljahren. Dtsch Arztebl Int 109 (17) (2012) 316-324.
  5. Nelson, H. D., et al., Nonhormonal therapies for menopausal hot flashes: systematic review and meta-analysis. JAMA 295 (2006) 2057–2071.
  6. Ortmann, O., Dören, M., Windler, E., Hormone therapy in perimenopause and postmenopause (HT): Interdisciplinary S3 Guideline. Association of the Scientific Medical Societies in Germany. Arch Gynecol Obstet 284 (2011) 343-355.
  7. BfR, Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen: Bei Einnahme in und nach den Wechseljahren Orientierungswerte für Dosierung und Anwendungsdauer einhalten. ; 16. Nov. 2015.
  8. Lattrich, C., Klimakterium: Hormontherapie unter der Lupe. Pharm. Ztg. 159, Nr. 30 (2014) 24-31.

Die Autorin

Katja Renner studierte Pharmazie an der Rheinischen Friedrich Wilhelm Universität, Bonn, und wurde an der Universität Köln promoviert. Seit 1996 ist sie in öffentlichen Apotheken tätig. Sie arbeitet seit 2000 als Dozentin für verschiedene Apothekerkammern und die ABDA. Ihr Schwerpunkt ist die praxisnahe Fortbildung zu Themen wie Depression, Kinder- oder Atemwegs­erkrankungen sowie zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft. Renner ist Mitglied des Fort- und Weiter­bil­dungs­ausschusses der Apothekerkammer Nordrhein und gehört zum Projektteam von ATHINA. Sie veröffentlichte zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften und ist Buchautorin.

 

Dr. Katja Renner

Patersgraben 9

41849 Wassenberg

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