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Examensfeier Mainz

Digitale Zukunft für Apotheker

08.05.2018
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Von Lydia Radi und Elena Steiert, Mainz / Im April wurde das ­Bestehen des Zweiten Staatsexamens von 26 Pharmazeuten der Universität Mainz bei einer festlichen Zeugnisübergabe gefeiert. Auf mehrere Grußworte folgte ein Vortrag von einem Kardiologen. Danach nahmen die Absolventen ihre Urkunden entgegen.

Die diesjährige Examensfeier eröffnete Dr. Thomas Efferth, Professor für Pharmazeutische Biologie der Universität Mainz. Er gratulierte den Absolventen zum akademischen Abschluss ihrer pharmazeutischen Ausbildung. In seiner Rede ging er explizit auf die Digitalisierung der Pharmazie ein. Gesundheitsbezogene Daten, die im Rahmen der Digitalisierung erhoben werden, könnten in Zukunft für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden, um Ursachen von Erkrankungen besser zu verstehen oder die Wirksamkeit von Präventions- und Therapiemaßnahmen zu evaluieren.

Efferth betonte vor allem die Chancen dieser Digitalisierung für die »Apotheke der Zukunft«. Im Team mit Ärzten, Pflegeexperten und Gesundheitsökonomen würden Apotheker mit digital erfassten Daten Präventions- und Therapiemaßnahmen verbessern. Somit bestehe wenig Zweifel daran, dass sich im Zuge der Digitalisierung auch das Berufsbild des Apothekers ändern werde. Der Wert einer persönlichen Beratung würde jedoch auch steigen. Digitalisierung könne Heilberufe auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Der Apotheker werde auch in Zukunft unersetzlich im Dialog mit den Patienten bleiben. Efferth ermunterte die Studenten aber, für innovative Entwicklungen offen zu sein.

 

Im Anschluss richtete Detlef ­Placzek, Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz, seine Glückwünsche an die Absolventen. »Die Abgabe von apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist in Deutschland den Apotheken vorbehalten. Durch die aktuelle europäische Rechtsprechung wird es ausländischen Versandapotheken ermöglicht, auch in Deutschland tätig zu werden, ohne der deutschen Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel unterworfen zu sein. Dies ist wettbewerbsverzerrend und für die inhabergeführten Apotheken vor Ort eventuell sogar existenzbedrohend.«

 

Weniger öffentliche Apotheken

 

In den vergangenen Jahren sei auch in Rheinland-Pfalz die Zahl der öffentlichen Apotheken rückläufig. Während im Jahr 2005 insgesamt 1138 Apotheken betrieben wurden, sank diese Zahl auf 1065 im Jahr 2013 und erreichte mit 994 im Jahr 2018 einen zwischenzeitlichen Tiefpunkt. »Trotz dieses Rückgangs ist derzeit auch im ländlichen Raum die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln durch öffentliche Apotheken weiterhin noch gewährleistet«, so Placzek.

 

Praxisnahe Ausbildung

 

Auch der Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Dr. Andreas Kiefer, gratulierte den Absolventen und betonte die Wichtigkeit des Apothekerberufes. Gerade in Zeiten, in denen die Anzahl der öffentlichen Apotheken zurückgeht, sei die Ausbildung junger, motivierter Pharmazeuten von großer Bedeutung. Er lobte den hervorragenden Bezug und die Nähe zur praktischen Tätigkeit am Patienten und die Bindung an die Arzneimittelversorgung während der naturwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Mainz. Auch Dr. Michael Stein, Geschäftsführer der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), beglückwüschte die Absolventen. Er überbrachte diese auch im Namen des DPhG-Präsidenten, Professor Dr. Stefan Laufer aus Tübingen.

 

Herzkatheterisierung im Selbstversuch

 

Im Anschluss folgte der Festvortrag von Professor Dr. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz. Thema seines Vortrags war die Kardiologie im Wandel der Zeit. Münzel zeigte die große Bedeutung der Kardiologie auf, da ungefähr 50 Prozent der Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen sind. Grundlegende geschichtliche Ereignisse, die entscheidend für die Kardiologie waren, vermittelte Münzel dem Zuhörer teilweise humorvoll. 1929 zeigte der Urologe Werner Forßmann durch einen Selbstversuch die Ungefährlichkeit eines Herzkatheters beim Menschen auf. Kurioserweise hatte sich Forßmann für den Selbstversuch an einem Foto orientiert, das das Legen eines Herzkatheters bei einem Pferd zeigte. Seitdem konnte somit das menschliche Herz über die Blutgefäße mithilfe eines Schlauchs erreicht werden, wofür Forßmann 1956 auch mit dem Nobelpreis gewürdigt wurde.

 

1977 dilatierte der deutsche Kardiologe Andreas Roland Grüntzig erstmals mithilfe eines Ballons Engstellen in Herzkranzgefäßen. Elf Jahr später wurden von Ulrich Sigwart, ebenfalls ein deutscher Kardiologe, Stents entwickelt, die dafür sorgten, dass die dilatierten Stellen in den Herzkranzgefäßen sich nicht mehr verengen konnten. Durch diese Entwicklungen konnten Herzinfarkte und damit verbundene Todesfälle deutlich reduziert werden. Im Gegensatz dazu haben die Erkrankungen an den Herzklappen zugenommen. Münzel stellte aktuelle minimalinvasive Methoden vor, wie diese Erkrankungen behandelt werden können.

 

Am Ende des Vortrags ging Münzel auf die Problematik ein, dass die Deutschen immer dicker werden. Die Politik würde dabei zuschauen und Milliarden Euro darin investieren, Diabetes zu behandeln anstelle Präventionsprograme zu finanzieren. Münzel betonte, um gesund 100 Jahre alt zu werden, müsse man auf ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung achten, wobei der Redner die kohlenhydratarme Ernährung hervorhob. Zusätzlich habe eine Studie gezeigt, dass das Essen von weniger Kohlenhydraten und mehr Fett die Sterblichkeit verringern könne.

 

Im Anschluss nahmen die Absolventen ihre Zeugnisse feierlich entgegen und bei einem späteren Sektempfang konnten die Examinanden gebührend gefeiert werden. /

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