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Hypertonie

Renale Denervation nur Ultima Ratio

21.05.2014
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Von Petra Eiden, Berlin / Aufgrund der enttäuschenden Ergebnisse einer Studie zum Einsatz der renalen Denervation bei therapie­resistenter Hypertonie wird das Verfahren nur noch als Ultima Ratio angesehen. Das erklärten Experten auf einer Pressekonferenz der Deutschen Hochdruckliga (DHL) anlässlich des Welthypertonietags.

Nach anfänglich großer Euphorie – Medien berichteten von der möglichen Heilung des Bluthochdrucks – kam das negative Ergebnis der SYMPLICITY-HTN-3-Studie Anfang des Jahres völlig überraschend: Ein Vergleich von renaler Denervation und Scheineingriff zeigte keinerlei Unterschied in der Wirksamkeit (lesen Sie dazu auch Bluthochdruck: Renale Denervation in Studie ohne Wirkung, PZ 3/2014).

Nerven werden verödet

 

Bei der renalen Denervation werden Nervenfasern des sympathischen Nervensystems verödet, die sich in den Gefäßwänden der Nierenarterien befinden und einen Einfluss auf die Blutdruck­kontrolle haben. Der Verödung erfolgt mittels eines Katheters, der über die Leistenschlagader vorgeschoben wird. Bei dem Scheineingriff war ebenfalls ein Katheter eingeführt worden, ohne jedoch die Nerven zu veröden.

 

An der prospektiven Studie, die für die US-amerikanische Zulassung durchgeführt wurde, hatten 535 Patienten mit therapieresistenter Hypertonie teilgenommen. Die Prozeduren wurden randomisiert und verblindet vorgenommen. Nach den im »New England Journal of Medicine« publizierten Ergebnissen sank der systolische Blutdruck innerhalb von sechs Monaten nach renaler Denervation zwar um 14,1 mmHg, doch auch nach dem Scheineingriff kam es zu einem Abfall um 11,7 mmHg (doi: 10.1056/NEJMoa1402670). Der Unterschied war in beiden Gruppen jeweils gegenüber Studienbeginn signifikant, eine signifikante Überlegenheit der renalen Denervation ließ sich jedoch nicht belegen. Die Nebenwirkungen unterschieden sich ebenfalls nicht.

 

Nach Angaben von Privatdozent Dr. Oliver Vonend vom Medicum-Zentrum für Nieren- und Hochdruckkrankheiten in Wiesbaden waren wichtige Unterschiede der SYMPLICITY-HTN-3- gegenüber früheren, sehr Erfolg versprechenden Studien die deutlich größere Zahl an Teilnehmern und die Verblindung. »Je größer die Fallzahl, desto kleiner werden oft die beobachteten Effekte«, so seine mögliche Erklärung. Zudem vermutet Vonend, dass viele Patienten – anders als empfohlen – vor dem Eingriff nicht optimal eingestellt waren, sodass unter Studiebedingungen womöglich noch eine Optimierung der medikamentösen Therapie stattfand.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die DHL hatten bereits vor Präsentation dieser Daten im Fachjournal »Der Kardiologe« bei geplanter renaler Denervation ein strukturiertes Vorgehen, bestehend aus Diagnose­sicherung, Ursachenabklärung und Optimierung sämtlicher nicht medikamentöser und medikamentöser Maßnahmen gefordert (doi: 10.1007/s12181-013-0527-y). Dies gelte nach wie vor, so Vonend. Erst wenn der Blutdruck dann immer noch nicht kontrolliert sei, könne als Ultima Ratio die renale Denervation in spezialisierten Zentren angewendet werden, betonte er. Auch Professor Dr. Jürgen Scholze von der Berliner Charité hält das Verfahren weiterhin als letzte Möglichkeit für sinnvoll, wenn alle anderen Optionen versagen.

 

Aktuelle Therapieempfehlungen

 

In der Hypertonie-Therapie kommen nach seinen Ausführungen in Abhängigkeit vom Blutdruck und anderen Risikofaktoren zunächst Lebensstiländerungen, ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg dann jedoch auch Anti­hypertensiva zum Einsatz. Da viele Patienten Kombinationstherapien benötigen und die Compliance zugleich oft schlecht ist, bevorzugt Scholze möglichst nebenwirkungsarme Wirkstoffe, für die Fixkombinationen verfügbar sind.

 

Der Zielblutdruck liegt laut Professor Dr. Reinhold Kreutz von der Charité Berlin nach der aktuellen Hypertonie-Leit­linie, die in Kürze publiziert werden soll, für die Mehrheit der Patienten bei 140/90 mmHg. Ausnahmen seien 80-jährige und ältere Patienten (systolisch 140 bis 150 mmHg), Diabetiker (diastolisch < 80 bis 85 mmHg) und Patienten mit Nierenerkrankung sowie starker Proteinurie (systolisch < 130 mmHg), erklärte der Vorstand der DHL. / 

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