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Fahrsicherheit

Arzneimittel und Autofahren

27.05.2013
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Von Maria Pues / Patienten merken häufig nicht, wenn durch die Anwendung eines Arzneimittels ihre Reaktionsfähigkeit abnimmt. Hinzu kommt: Nicht nur eine mögliche Sedierung birgt Unfall­gefahren. Beratung tut not.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe drohen dem, der nach dem Genuss alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel oder durch geistige oder körperliche Mängel sein Fahrzeug nicht sicher führen kann und dadurch Leib und Leben anderer Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet. So steht es im Paragrafen 315c der Straßenverkehrsordnung.

In Sachen Alkohol gelten durch messbare Promillewerte einigermaßen klare Verhältnisse. Anders sieht es bei den meisten anderen berauschenden Mitteln aus. Für viele gibt es weder Grenzwerte noch handliche Messmöglichkeiten. Dass auch Arzneimittel unter diesen Paragrafen fallen können, erschließt sich Laien vermutlich nicht auf den ersten Blick. Die wichtigste Frage für Patienten lautet: Welche Arzneimittel sind betroffen?

 

Verallgemeinerungen sind nicht möglich

 

Nicht immer lässt sich diese Frage eindeutig beantworten, denn eine stringente Dosis-(Neben)Wirkungs-Beziehung zwischen Arzneimittel und abnehmender Fahrtüchtigkeit besteht nur in den seltensten Fällen. Noch seltener lässt sich eine Reaktionsverminderung für alle Vertreter einer Wirkstoffgruppe verallgemeinern. Hinzu kommt, dass Patienten nicht nur hinsichtlich der erwünschten Wirkung unterschiedlich reagieren, sondern auch, was die unerwünschten Wirkungen betrifft. Alter und Geschlecht, Grunderkrankungen und Gewicht, Komedika­tionen und genetische Dispositionen können ebenfalls eine Rolle spielen. Kurzum: Es handelt sich um ein komplexes Geschehen. Welche Stellgrößen im Einzelfall eine Rolle spielen, soll anhand einiger Beispiele erläutert werden. Als gesichert kann immerhin gelten: Vermindert ein Arzneistoff das Reaktionsvermögen, wird dies durch Alkohol meist weiter verstärkt.

 

Dass Sedativa und Hypnotika die Reaktionsfähigkeit grundsätzlich verschlechtern, verwundert wenig. Rechtzeitig am Abend eingenommen, sollte ihre Wirkung bis zum nächsten Morgen wieder abgeklungen sein. Doch auch bei sachgerechter Anwendung von Wirkstoffen aus der Gruppe der Benzodiazepine kann es zu einer unerwünschten Wirkungsverlängerung kommen. Diese werden nach ihrer Halbwertszeit in kurz, mittel und lang wirksame Benzodiazepine eingeteilt. Die Wahl des geeigneten Wirkstoffs obliegt dem Arzt. Zu beachten ist bei der Frage der Dosierungshäufigkeit, dass manche Wirkstoffe aus dieser Gruppe wirksame Metabolite bilden. So wird Diazepam auf seinem Hauptabbauweg in Desmethyldiazepam und in geringem Maße auch zu Temazepam abgebaut. Beide werden im nächsten Schritt zu Oxazepam metabolisiert. Bei zu kurzen Dosisintervallen droht daher eine Akkumulation von Wirkstoff und (wirksamen) Metaboliten, die zu einer verlängerten und/oder stärkeren Wirkung führen können. Mit einem insgesamt langsameren Abbau dieser Wirkstoffe ist zudem bei Patienten mit höherem Lebensalter und/oder eingeschränkter Leberfunktion zu rechnen.

 

Benzodiazepine wirken jedoch nicht nur beruhigend, sie dämpfen auch Angstgefühle und Panikattacken. Arzneistoffe mit einem solchen Wirkprofil können dazu führen, dass Patienten subjektiv als bedrohlich empfundene, aber auch objektiv gefahrvolle Situationen nicht mehr als solche wahrnehmen und so auch im Straßenverkehr unpassend oder möglicherweise gar nicht reagieren. Dass sie trotz ihres (pharmakologisch gesteigerten) Wohlbefindens besser nicht selbst fahren sollten, entzieht sich ihrer Wahrnehmung. Ein entsprechender Warnhinweis und seine Erläuterung sind hier besonders wichtig. Zu einem ähnlichen Effekt – Kaschieren von Missempfindungen und verminderter Leistungsfähigkeit – können auch Stimulanzien führen, angefangen bei Coffein, das Müdigkeit vertreiben soll, aber auch in Analgetika zum Einsatz kommt, bis hin zu Amphetamin und seinen Derivaten.

 

Nicht nur Wirkstoffe mit direkter beruhigender oder anregender Wirkung können das Verhalten eines Fahrzeuglenkers beeinträchtigen. Hirnleistung und Fahrtüchtigkeit werden außerdem von der Energie- und Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinflusst. Patienten mit Bluthochdruck und/oder Diabetes haben daher – vor allem zu Beginn einer Behandlung – ein erhöhtes Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden oder ihn gar selbst zu verursachen. Antidiabetika mit einem hohen Hypoglykämie-Potenzial wie Sulfonylharnstoff-Derivate stehen dabei weit oben auf der Liste. Patienten sollten daran erinnert werden, wie wichtig es ist, vor Fahrten den Blutzucker zu bestimmen und für den Notfall schnell verfügbare Zucker wie Traubenzucker oder Päckchen mit Zuckerlösung (Jubin®) griffbereit zu haben. Manche Patienten nehmen jedoch die (Früh)-Symptome einer drohenden Unterzuckerung nicht oder kaum wahr. Ein möglicher Grund kann in der Komedikation mit Beta-Blockern bestehen. Wie andere Blutdrucksenker verursachen sie vor allem zu Beginn der Behandlung, wenn die Blutdrucksenkung zu rasch erfolgt, beim Patienten Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Schwindel. Sie unterdrücken jedoch auch Stress-Symptome und damit das Frühwarnsystem für einen Blutzuckerabfall.

 

Nach Migräneanfall Fahrzeug stehen lassen

 

Dass man sich nach der Linderung akuter Symptome, die eine Teilnahme am Straßenverkehr unmöglich gemacht haben, wieder besser fühlt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch wieder fahrtüchtig ist. Dies gilt – unter anderem – für eine Migräneattacke. Auch wer Lichtblitze, Übelkeit und starke Migränekopfschmerz mit Triptanen in den Griff bekommen hat, sollte in den nächsten Stunden das Fahrzeug besser stehen lassen.

 

Fazit: Beratung tut not. Patienten sind häufig verunsichert, ob und wann sie bei Anwendung ihres Arzneimittels wieder Auto fahren oder an Maschinen arbeiten dürfen. Das Risiko für eine Reaktionsverminderung steigt, wenn Patienten ein neues Arzneimittel anwenden, bei dem das individuelle Ansprechen noch nicht bekannt ist. Das Risiko steigt außerdem, wenn der Patient bereits älter ist und/oder an verschiedenen Erkrankungen leidet und/oder bereits ein oder mehrere Arzneimittel anwendet. Vor allem bei Arzneimitteln zur Behandlung akuter Erkrankungen nimmt der Patient bestenfalls vor allem wahr, dass seine Beschwerden gelindert wurden oder ganz verschwunden sind.

 

Da die Betroffenen ihre verminderte Reaktionsfähigkeit oft selbst gar nicht wahrnehmen, sollten sie auf beides – verminderte Reaktionsfähigkeit und verminderte Selbstwahrnehmung – hingewiesen werden. Diese Kombination ist in jedem Fall zu meiden: Arzneimittel Alkohol Auto. /

Tag der Apotheke

»Erst fragen, dann fahren« ist das Motto des »Tag der Apotheke« am 13. Juni 2013. OTC-Arzneimittel und Fahrtüchtigkeit stehen dabei im Fokus. Kooperationspartner der ABDA ist der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC).

 

Interessierte Apotheken können das Kampagnenpaket noch bis zum 7. Juni direkt über Liskow Druck per E-Mail oder per Fax nachbestellen: E-Mail: [email protected] liskow.de, Telefon 0511 5635853, Fax 0511 56358555). Die Pakete werden den Apotheken um den 3. Juni zugestellt.

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