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Rezeptur als Marketinginstrument

09.06.2008
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25 Jahre NRF

Rezeptur als Marketinginstrument

»Die Rezeptur ist ein besonderes Produkt, das den steten Wandel in der Pharmazie hartnäckig überdauert«, sagte Dr. Hans-Ulrich Plener, Apotheker aus Tuttlingen. »Sie ist keineswegs ein Ladenhüter, sondern eine facettenreiche Rarität.«

 

Zwar sei die Rezeptur unter manchen Kollegen ökonomisch umstritten, da sie als personal- und zeitintensiv gilt. »Doch was selten ist, muss nicht unwirtschaftlich sein«, so Plener. Der individuelle Nutzen sowie die Qualität und Wirksamkeit seien nachgewiesen. Es komme darauf an, diesen Nutzen zu kommunizieren, getreu dem Motto »tue Gutes und rede darüber«.

 

Plener analysierte die Eigenherstellung unter Marketingaspekten: Der Bedarf sei da. So stellen die deutschen Apotheken jährlich etwa 15 Millionen Rezepturen allein auf GKV-Verordnung her. Vor allem Dermatologen fragten danach und auch der Anteil nachverordnender Hausärzte sei nicht zu unterschätzen. Personal und Betriebsmittel sind gemäß Apothekenbetriebsordnung in jeder Apotheke vorhanden.

 

Nun gelte es, die Eigenherstellung möglichst effizient und kostensparend in den Betrieb zu integrieren. Dazu empfahl er die Umsetzung der Richtlinien der Bundesapothekerkammer zum Qualitätsmanagement sowie des NRF. Dokumentation und Informationsfluss müssen stimmen. Neue Technologien und die EDV-Dokumentation erleichtern die Arbeit. Die Mitarbeiter müssen die notwendigen Qualifizierungen mitbringen oder erwerben. Die Packmittel und Etiketten sollten einheitlich sein, ebenso wie die Verwendbarkeitsfristen und die Preise bei frei kalkulierbaren Produkten. Plener riet von Dumpingpreisen ab.

 

Produktmängel seien inakzeptabel, schließlich genieße der Apotheker einen hohen Vertrauensbonus. »Die Herstellung selbst ist jedoch nur ein Schritt der Versorgungsleistung«, sagte der Referent. Dazu gehört immer die Beratung zum Therapieverlauf. »Es reicht heute nicht mehr, fehlerfreie Produkte abzuliefern«, erklärte Plener. Mit Kundenkarten und der individuellen Vorratshaltung könne man Kunden binden.

 

Auch Reklamationen gilt es zu beachten. Klagen die Patienten über zu lange Wartezeiten, würden sich ein Auftragsformular für den Kunden mit Terminvergabe und der Hinweis empfehlen, dass es sich um ein »maßgeschneidertes Produkt« handelt, dessen Herstellung seine Zeit braucht. Zum anderen sollte das Team versuchen, den Herstellungsablauf noch besser zu organisieren. Er empfahl, mit den verordnenden Ärzten in den Dialog zu treten, um die Rezepturen zu standardisieren und eventuell sogar ein gemeinsame Arzneimittelliste zu erarbeiten. Anfangs sollte man nur nachfrageorientiert produzieren, doch in Absprache mit den Ärzten kann sich eine Defektur lohnen. Läuft die Eigenherstellung erst einmal rund, können Eigenmarken angeboten werden.

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