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Diabetiker

Besser betreut vom Apotheker

11.06.2014
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Von Holger Wannenwetsch, Berlin / Ein Medikationsmanagement durch Apotheker und mehr Kooperation insbesondere mit Ärzten verbessert die Qualität der Diabetesversorgung. Das ist das Ergebnis einer Studie mit jugendlichen Typ-1-Diabetikern. Dieses und weitere Projekte wurden im Mai auf dem Diabetes-Kongress in Berlin vorgestellt.

DIADEMA ist der Name der prospektiven, randomisierten und kontrollierten Studie, die im April 2012 in Bosnien und im Januar 2013 in Deutschland startete und mittlerweile abgeschlossen ist. Der Name steht für Diabetes in Adoleszenz: Einsatz und Monitoring in Apotheken. Die Ergebnisse der Studie präsentierte Projektleiterin Emina Obarcanin bei einem Symposium der Kommission Einbindung der Apotheker in die Diabetikerversorgung (EADV).

 

Jugendliche Diabetes-Patienten zeigen oft eine geringe Adhärenz, halten sich nicht an Insulin- und Essensvorgaben, messen ihren Blutzucker nicht ausreichend. Während der Pubertät sind Insulin- und Blutzuckerspiegel ohnehin schwer einstellbar, die Stoffwechselkontrolle verschlechtert sich. So kommt es vermehrt zu Spätkomplikationen wie Erblindung, Niereninsuffizienz, Gefäß- und Nervenerkrankungen sowie Amputationen.

 

Ziel von DIADEMA waren klinisch relevante Verbesserungen durch eine intensive, strukturierte Pharmazeutische Betreuung. »Das sollte durch ein Patienten-Empowerment geschehen. Die Apotheker sollten die Jugendlichen bei einer eigenverantwortlichen Arzneimitteltherapie begleiten und neben der Diabetesambulanz Ansprechpartner sein«, erklärte Obarcanin.

 

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurden die Apotheker vor und während der Studie geschult. Zu Beginn gab es eine Einführung in die Pharmazeutische Betreuung von Jugendlichen mit Diabetes und ein Good-Clinical-Practice-Training. »Während der Studie fand alle zwei Monate ein Austausch zwischen Arzt, Apotheker und Diabetesberater zur Insulintherapie und Dosis­anpassung statt«, sagte Obarcanin. Die Pharmazeutische Betreuung erfolgte einmal im Monat in einem etwa 60- bis 90-minütigen Patientengespräch und zusätzlich in Telefonaten. Es sei ein Betreuungsplan erstellt und mit dem Patienten vereinbart worden. Beim nächsten Patientenbesuch habe man die Fortschritte evaluiert.

 

Medikationsmanagement im Altenheim

 

Nach drei Monaten zeigte sich eine signifikante Reduzierung des HbA1C-Werts in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 1,4 Prozent, nach sechs Monaten um 1,0 Prozent. Ein offenes Follow-up nach zwölf Monaten zeigte immer noch eine Differenz von 0,9 Prozent. Die Auswertung von Fragebögen nach dem Well-Being-Index der Weltgesundheits­organisation (WHO-5) ergab einen signifikanten Anstieg des Wohlbefindens der Jugendlichen. »DIADEMA zeigt, dass eine intensive Pharmazeutische Betreuung sowohl die medizinischen Werte als auch das Wohlbefinden der Patienten verbessern kann«, so die Apothekerin.

Zu einer anderen Zielgruppe forscht das »Geriatrische Medikationsmanagement in Altenheimen«. Es handelt sich dabei um ein Projekt der AOK Rheinland-Hamburg, des Apothekerverbands Nordrhein und der Universität Bonn, das seit Januar 2014 läuft. Mit vier Apotheken wird derzeit getestet, in einer weiteren Stufe ist die Ausweitung auf zehn, dann auf alle Apotheken vorgesehen. Analysiert wird die Medikation von Menschen im Altersheim, unter denen es erfahrungsgemäß viele Diabetiker gibt. Teilnehmende Patienten müssen bei der AOK Rheinland-Hamburg versichert und mindestens 65 Jahre alt sein sowie mindestens fünf Arzneimittel dauerhaft anwenden.

 

Die Apotheker führen die Medika­tionsdaten des Heims und der AOK sowie ihre eigenen Daten zusammen und analysieren sie auf Medikationsfehler. Bei Unklarheiten fragen sie bei Arzt und Heim nach. Dann erstellen sie für das Heim einen überprüften, korrigierten und vollständigen Medikationsplan und geben ihre Ergebnisse mit Empfehlungen an den Hausarzt weiter. Dieser sollte sich dann dazu äußern und eine Rückmeldung geben. »Das funktioniert zwar in der Regel nicht«, sagte Manfred Krüger, Apotheker aus Krefeld und Mitglied der Kommission EADV. Das Erstaunliche sei aber, dass mehr als 90 Prozent der Apotheker-Vorschläge bei Ärzten willkommen seien und auch umgesetzt würden. Das könne der Apotheker an den Verordnungsdaten erkennen. Die Dienstleistung des Apothekers im Rahmen des Projektes werde extra honoriert.

 

Mit dem Apotheker unterwegs

 

Apotheker in Deutschland sollen künftig aber nicht nur besser ins Medika­tionsmanagement eingebunden werden. Ihre Tauglichkeit als Wegbereiter eines gesünderen Lebensstils testet derzeit die Stadt Stuttgart. Das Programm »Fit ab 50« möchte älteren Menschen dabei helfen, einen aktiveren Lebensstil zu entwickeln. Einer der Zugangswege sind die Apotheken. »Fit ab 50 ist eine Art Seniorenheim-Präventionsprogramm. Dabei nutzen wir die gut eingeführte und bei der Bevölkerung positiv besetzte Struktur der Apotheken als niederschwellige Anlaufstellen«, sagte Andreas Mündörfer vom Amt für Sport und Bewegung der Stadt Stuttgart.

 

Etwa 20 000 Apotheken in Deutschland mit vier Millionen direkten Patientenkontakten im Jahr seien ein nicht zu unterschätzendes Potenzial. Die »Bewegte Apotheke« in Stuttgart lade ihre infrage kommenden Kunden einmal in der Woche zu einem Stadtteilspaziergang ein. Die Apotheker machten mit, weil sie vom Prinzip Bewegung überzeugt seien. »Außerdem ist die Aktion eine gute Werbung und kann Kunden auch längerfristig binden«, so Mündörfer. Zurzeit gebe es in Stuttgart sieben bewegte Apotheken. Weitere hätten bereits Interesse bekundet. /

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