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FIP-Kongress in Deutschland

Für jeden etwas

16.06.2015
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Von Kerstin Neumann / Auch 2015 werden wieder mehrere Tausend Apotheker aus aller Welt zum Jahrestreffen des Weltapothekerverbands (FIP) anreisen – in diesem Jahr nach Düsseldorf. Unter dem Motto »Better practice – science based, evidence driven« bietet er an fünf Tagen eine Vielzahl von Veranstaltungen für sämtliche pharmazeutischen Fachrichtungen.

Das Vortragsprogramm wird größtenteils von der Basis gestaltet: Alle Sektionen der FIP organisieren – einzeln oder in Kooperation – die Vorträge zu vielen verschiedenen Themen. Das umfangreiche Programm ist nicht ganz leicht zu überblicken. Wer sich aber damit beschäftigt, wird schnell Beiträge finden, die für jeden Apotheker wertvoll sein können.

 

Evidenzbasiert arbeiten

Das Kongressprogramm gliedert sich in fünf große Bereiche. Der erste widmet sich der Definition des evidenz­basierten Einsatzes von Medikamenten (Defining evidence-based use of medicines). In der Hauptsession mit demselben Titel stehen die Definition und Interpretation des Begriffs evidenzbasierte Pharmazie im Vordergrund. Unter anderem geht Professor Dr. Ulrich Laufs von der Universität des Saarlandes auf die Evidenz in klinischen Leitlinien ein und hinterfragt diese kritisch. Eine Fallstudie und eine Podiumsdiskussion runden die dreistündige Veranstaltung ab.

 

Ebenfalls zum ersten Themenblock gehört eine Veranstaltung mit dem Titel »Medikationsmanagement – was und wie« (Medication review – the what and the how), die von der Sektion Öffentliche Apotheke organisiert wird. Hier werden verschiedene Systeme des Medikationsmanagements vorgestellt und diskutiert sowie hinsichtlich ihrer Evidenz kritisch bewertet. Neben Beispielen aus den Niederlanden, Australien und Großbritannien ist ein Vortrag den deutschen Erfahrungen der Arz­neimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) gewidmet.

 

Ein klinisch-wissenschaftlicher Teil zur Krebs-Immuntherapie, gemeinsam organisiert von der Sektion für Krankenhauspharmazie und der Sektion für Klinische Biologie, ist ebenfalls Teil des ersten Themenblocks. Er steht unter dem Titel »Krebs-Immuntherapie: Mit Medikamenten und Zellen das Immunsystem nutzen« (Cancer immuno­therapy: using drugs and cells to exploit our immune systems). Forscher aus vier Ländern stellen aktuelle Ergebnisse und Trends in diesem Bereich vor und diskutieren, wie sich Zell-basierte Therapien in die klinische Praxis umsetzen lassen. Auch dieser Block wird mit deutscher Beteiligung gestaltet: Dr. Andreas Wolf von Amgen gibt einen Einblick in die Forschung zu Antikörpern in der Krebstherapie.

Der FIP-Kongress

Der Kongress des Weltapothekerverbands FIP (Fédération International Pharmaceutique) findet in diesem Jahr vom 29. September bis 3. Oktober in Düsseldorf statt. Für deutsche Apotheker gibt es einen Frühbucherrabatt: Wer sich bis 31. August unter registriert, zahlt 400 Euro und damit nicht einmal die Hälfte der regulären Teilnahmegebühr für FIP-Nichtmitglieder. Das Kongressprogramm finden Interessierte unter

Praxisrelevantes Wissen

 

Der zweite große Themenbereich des Kongresses steht unter dem Motto »Praxis durch Wissenschaft und Wissenschaft durch Praxis« (Practice through science and science through practice) und umfasst sieben Sessions. In der ersten – »Persönlich werden: Pharmako­genetik am Scheideweg zwischen Praxis und Wissenschaft« (Getting personal: pharmacogenomics at the crossroads of practice and science) – informieren Redner aus den USA, Japan und Großbritannien über den aktuellen Stand der Dinge in der Pharmakogenetik-Forschung und erläutern die Herausforderungen für Apotheker, entsprechende Therapien erfolgreich in die Praxis umzusetzen.

 

»Herstellung – eine Kernkompetenz des Apothekers« (Compounding – a core competence of the pharmacist) heißt eine Session, die sich der Arzneimittelherstellung in der Apotheke aus verschiedenen Blickwinkeln widmet. Schwerpunkte liegen dabei auf der internen und externen Qualitätskontrolle sowie auf speziellen Darreichungsformen. Gleich zwei Vorträge werden von Vertreterinnen des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) gehalten: Lisa Britta Schlegel referiert über die mikrobielle Qualität von Rezepturen, Privatdozentin Dr. Mona Tawab über die deutschen Erfahrungen von QMS in der Apotheke.

 

Die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) steht mehr und mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Sie ist Thema der Session »Medikationssicherheit – von der Evidenz in die Praxis« (Medication safety – from evidence to practice). Hier werden Hintergründe und Erfahrungen vorgestellt sowie Strategien diskutiert, wie eine hohe AMTS gewährleistet werden kann. Moderiert wird der Vortragsblock von Karin Graf und mit Dr. Hanna Seidling von der Universität Heidelberg ist auch eine deutsche Referentin dabei.

Was heißt hier innovativ?

 

Innovation bildet das Kernthema des dritten Bereichs »Fortschritt gestalten – menschlich erneuern« (Creating Progress – innovating with the human touch). Hier stellt eine Session die Frage nach der Patientenfreundlichkeit der Arzneimittelentwicklung (Patient-friendly drug development?). Sie beschäftigt sich mit Herausforderungen, die mit der Entwicklung innovativer Arzneimittel einhergehen: Bedeutet innovativ in diesem Kontext nützlich oder besser? Daneben werden die immer stärkere Einbeziehung von Patienten in die Studienplanung und die da­raus resultierenden Änderungen für regulatorische Behörden und Industrie besprochen.

 

Das »Forum für Erneuerer« (Forum for innovators) findet bereits im achten Jahr statt und steht dieses Mal unter dem Motto »Implementierung und Vergütung pharmazeutischer Dienstleitungen bei chronischen Erkrankungen« (Implementing and remunerating pharmaceutical services for chronic diseases). Typischerweise setzt sich diese Session zusammen aus der Präsenta­tion von Fallstudien, einer Plenarrunde und einem abschließenden Diskussionsforum, bei dem explizit die aktive Beteiligung der Teilnehmer gewünscht ist. Fallbeispiele unter anderem aus Südamerika und Europa bilden die Grundlage der Diskussion.

 

In circa zehnminütigen Kurzvorträgen (Short oral presentations) können Kongressteilnehmer eigene Projekte vorstellen, die sich einem der Überbegriffe »Wissenschaft« und »Praxis« zuordnen lassen. Die Vielzahl der verschiedenen Themen macht diese Veranstaltung sehr abwechslungsreich. Interessenten – oftmals Doktoranden oder junge Apotheker – müssen im Vorfeld einen Abstract bei der FIP einreichen. Die besten Abstracts werden von einer Jury ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, seine Ergebnisse als Poster zu präsentieren. Verschiedene Interessengruppen, zum Beispiel die Sektion Industriepharmazie, schreiben Preise für den besten Vortrag beziehungsweise das beste Poster im eigenen Themengebiet aus.

 

Kompetenzen weiterentwickeln

Im vierten, größten Block widmen sich gleich 13 Sessions der (Weiter-)Entwicklung pharmazeutischer Fähigkeiten (Closing the gap for achieving professional excellence). Eine davon steht unter dem Titel »Datenbanken nutzen – evidenz­basierte Medikamentenanwendung sichern« (Using database – ensuring evidence-based medicines use). In der täglichen Praxis ist es oftmals schwierig, evidenzbasierte Pharmazie (EBP) routinemäßig anzuwenden. Apotheker sollten sich der Hindernisse bewusst sein und nach Lösungen suchen, diese zu überwinden. In Fokusgruppen sollen in dieser Session – getrennt nach Region – mögliche Wege zur Verbesserung der EBP in der Praxis erarbeitet werden.

Um den Umgang mit den neuen Medien geht es in der Session »Transparenz und Social Media – der Apotheker als Spinne im Netz« (Transparency and social media – the pharmacist as the spider in the web). Internet und Social Media sind im Alltag längst keine Fremdwörter mehr, und auch Apotheker aller Fachrichtungen nutzen täglich die Möglichkeiten der digitalen Welt. In der Offizin, aber auch in der Industrie sind diese Entwicklungen herausfordernd, zumal es oft an Regularien und Leitlinien fehlt. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden diese Herausforderungen präsentiert und die mögliche Rolle des Apothekers als Lotse durch das moderne, digitale Gesundheitssystem beleuchtet.

 

Zukunftsfähig dank guter Ausbildung

»Ausbildungsstrategien, die einen hohen Wissensstand vermitteln« (Educational strategies to achieve professional excellence) sind Thema einer weiteren Session in diesem Block. Apotheker sind in der Pflicht, Mitverantwortung für die erfolgreiche Therapie von Patienten zu übernehmen. Dafür müssen bereits in der Ausbildung die Weichen gestellt werden. Dazu gehört zum einen eine gute wissenschaftliche Grundausbildung, aber auch das Erlernen anderer Kompetenzen wie interprofessionelles Teamwork, patienten­orientiertes Lernen und Kommunikation. Vortragende aus vier Kontinenten stellen Modelle vor, mit denen sich diese Themen erfolgreich in die Ausbildung integrieren lassen.

Der Block »Ihre Interessen« (Targeting your interest) bündelt viele kleine Themen. Einige befassen sich mit lokalen Gegebenheiten des Gastgeberlandes, andere werden im Rahmen verschiedener langjähriger FIP-Initiativen oder von einigen speziellen Interessengruppen veranstaltet. So bildet die Veranstaltung »Pharmazie in Deutschland« (Pharmacy in Germany) den Auftakt des Kongresses. Repräsentanten der deutschen Pharmazie geben hier einen Überblick über ihre Arbeitsgebiete. Dazu gehören neben der Ausbildung und der Offizinpharmazie auch die Gebiete Krankenhaus, Industrie und Militär. Eine spannende Veranstaltung sowohl für ausländische als auch für deutsche Kollegen, die ein umfassendes Update über die Entwicklungen in den einzelnen Fachgebieten erhalten möchten. Referenten sind Professor Dr. Dieter Steinhilber, Professor Dr. Ulrich Jaehde, Arne Krappitz, Dr. Katja Renner und Dr.  Torsten Hoppe-Tichy.

 

Globale Gesundheitsthemen

 

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist eine der größten Krisen im Gesundheitssystem der vergangenen 50 Jahre. Sowohl globale Organisationen wie die FIP als auch Angehörige der Gesundheitsberufe vor Ort müssen sich mit einem effizienten Management solcher Krisen beschäftigen und effiziente Lösungen finden. Aus beiden Blickwinkeln – global und lokal – werden in der Session »Neu aufgetretene Erkrankungen: Ebola. Was Apotheker tun können« (Emergent diseases: Ebola. What pharmacists can do) Erfahrungen geteilt.

 

Das wichtige Thema Umwelt­pharmazie steht im Mittelpunkt der Session »Arzneimittel und Umwelt – wie grün können wir sein?« (Pharmaceuticals and the environment – how green can we be?). Sie gibt einen Überblick über die Herausforderungen und Grenzen von nachhaltiger pharmazeutischer Praxis. Aktuelle globale Projekte zu diesem Thema werden ebenso präsentiert wie der »Bericht zu grüner Apothekenpraxis« (Report on green pharmacy practice) der FIP. Ina Ebert vom Bundesumweltamt hält den Einführungsvortrag. /

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