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OTC-Arzneimittelmissbrauch

Von Vomex-Partys und DXM-Rechnern

20.06.2018
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Von Daniela Hüttemann, Hamburg / Was man so alles missbräuchlich mit Arzneimitteln anstellen kann, lernen Apotheker nicht unbedingt an der Uni. Bei den Hamburger Suchttherapie­tagen erklärte ein Arzt und Suchttherapeut, welche Arzneimittel als Rauschmittel missbraucht werden – und wie.

»Der Unterschied zwischen einem Arzneistoff und einem Rauschmittel ist oft nicht die Chemie, sondern der Zustand des Anwenders«, erklärte Dr. Heinrich Elsner, Leitender Arzt der Krisenhilfe Bochum, einer Jugend- und Drogenberatung sowie Methadonambulanz. So habe beispielsweise das Stimulans ­Methylphenidat bei ADHS-Patienten durchaus einen beruhigenden Effekt. Bei Menschen ohne ADHS wirke es ­dagegen ähnlich wie Kokain oder Speed.

 

Auch einige Triptane hätten bei ­Anwendern, die nicht an Migräne ­leiden, eine Amphetamin-ähnliche Wirkung. »Eine Tablette Naratriptan reicht für Menschen, die nicht daran gewöhnt sind, um problemlos eine Nacht durchzufeiern«, berichtete Elsner. Ebenso wirken Kombinationsmittel mit Pseudoephedrin bei gesunden Anwendern aufputschend. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie wies darauf hin, dass das Allergiepräparat Reactine® duo 120 mg Pseudoephedrinhydrochlorid enthält, während Erkältungspräparate wie Aspirin® complex und Boxagrippal® mit deutlich weniger auskommen, nämlich 30 mg.

 

Abusus von Hustenstiller

 

Als »Polytoxikomanie in einem einzigen Medikament« bezeichnete er Wick® MediNight: »Hier findet sich mit Ephedrin ein Stimulans, mit Dextromethorphan ein Halluzinogen und mit ­Doxylamin ein sogenannter Downer«, erklärte Elsner. Außerdem ist Paracet­amol enthalten, das laut Elsner auch auf das Endocannabinoid-System wirkt, sowie Alkohol. Missbraucht wird auch das mit Ephedrin verwandte Sympathomimetikum Phenylpropanol­amin, das in Wick® DayMed und Basoplex® Erkältungskapseln enthalten ist.

 

Eines der am häufigsten missbrauchten Arzneimittel aus dem nicht verschreibungspflichtigen Bereich ist wohl Dextromethorphan (DXM oder DXP). Deutlich überdosiert im Vergleich zur üblichen Dosis bei Husten, kann es Halluzinationen hervorrufen. Um den gewünschten Rauschzustand zu erreichen, gebe es im Internet sogar DXM-Rechner zur optimalen Dosisfindung, sagte Elsner. Die Website  empfiehlt Husten­stiller-ratiopharm Dextromethorphan als »Präparat der Wahl«. Es habe den höchsten Wirkstoffanteil und sei noch dazu preisgünstig. Das Portal rät dazu, online bei Versandhändlern zu bestellen. Dort erhalte man zwar nicht mehr als drei Packungen pro Bestellung, »aber das kann einem ja egal sein, wenn die Versandkosten nicht existieren«, heißt es auf der Website. Das Portal nennt explizit besonders günstige Versandapotheken und erklärt genauestens, mit welcher Dosierung pro Kilogramm Körpergewicht welcher Effekt erreicht wird, inklusive Tipps für »Geübte«.

 

Bei Schülern beliebt seien derzeit sogenannte Vomex-Partys. Das Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen enthält bekanntlich Dimenhydrinat, ein Salz aus Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin. Diphenhydramin wirke in hohen Dosen halluzinogen, so Elsner. Die Nutzer zerkleinern die Dragees, damit die Wirkung schneller eintritt.

 

Rausch dank Grapefruit

 

In vielen Haushalten vorhanden ist auch Loperamid gegen Durchfall. Normalerweise wird das Opioid im Darm von den Endothelzellen zwar aufgenommen, aber über das p-Glykoprotein sofort wieder ausgeschieden, sodass es nur an Opioid-Rezeptoren der Darmwand wirkt. Doch das Transportprotein lässt sich einfach blockieren: »Ein Glas Grapefruitsaft vor der Loperamid-Einnahme genügt«, so Elsner. Das funktioniere auch mit Chinin und sei vor Einführung der Verschreibungspflicht häufig mit Limptar® gemacht worden. Eine andere Möglichkeit, um einen ­Opioid-Rausch mit Loperamid zu erleben, sei es, das in den Hartkapseln enthaltene Pulver zu rauchen. /

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