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Verblisterung

»Nicht zielführend«

27.06.2006
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Verblisterung

»Nicht zielführend«

von Daniel Rücker, Eschborn

 

Das Gutachten von Professor Dr. Eberhard Wille stellt den Sinn des industriellen Verblisterns infrage. Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller, erläutert, welche Konsequenzen die Industrie daraus zieht.

 

PZ: Der Gesundheitssachverständige Professor Dr. Eberhard Wille kommt in einem Gutachten für den VFA zu dem Ergebnis, dass sich das industrielle Verblistern von Arzneimitteln ökonomisch nicht rentiert. Wie steht der Verband zu dem von Assist-Pharma entwickelten Angebot?

Yzer: Das Angebot zielt darauf ab, insbesondere ältere und multimorbide Patienten mit so genannten Wochenblistern zu versorgen mit dem Argument, das verbessere deren Compliance. Das Gutachten von Professor Wille zeigt jedoch deutlich, dass sich die Compliance der meisten älteren und multimorbiden Menschen durch die Versorgung mit Wochenblistern nicht verbessern ließe und der Gesetzlichen Krankenversicherung erhebliche Mehrkosten entstünden.

 

PZ: Sehen Sie jenseits ökonomischer Erwägungen Vorteile?

Yzer: Die patientenindividuelle Neuverblisterung kann im Einzelfall durchaus Vorteile für einen Patienten und seine Compliance bieten. Ich sehe die Neuverblisterung dabei eher als Bestandteil eines umfassenden Medikationsmanagements, welches neben dem Patienten den Apotheker, den Arzt oder auch das Pflegeheim einbezieht. Eine umfassende Regelversorgung mit industriell gefertigten Wochenblistern halte ich hingegen für nicht zielführend.

 

PZ: Gibt es eine einheitliche Position oder sehen ihre Mitgliedsunternehmen die Dinge unterschiedlich?

Yzer: Das Gutachten von Wille spricht hier eine eindeutige Sprache.

 

PZ: Haben Ihre Mitglieder Verträge mit Assist-Pharma?

Yzer: Ich habe meine Zweifel, ob ein Versorgungsmodell, das seine Arzneimittelauswahl primär nach lukrativen Einkaufsquellen statt nach Qualitätsaspekten vornimmt, für ein forschendes Pharmaunternehmen interessant ist.

 

PZ: Welche Gefahren bietet das Verblistern?

Yzer: Patienten hätten beim industriellen Neuverblistern mit einer sehr engen Positivliste mit wenigen Hundert Präparaten zu rechnen, aus der heraus ihr Arzt verordnen müsste. Einen derartigen Verordnungsausschluss vieler Arzneimittel hat es noch nicht gegeben!

 

Problematisch ist auch, dass industriell neu verblisterte Arzneimittel explizit von den vorgeschriebenen Kennzeichnungspflichten ausgenommen sind. Das bedeutet für Patienten, dass sie auf die Gebrauchsinformationen für ihre Arzneimittel verzichten müssen. Mit Blick auf die Arzneimittelqualität sind zudem Stabilitätsprobleme und Wechselreaktionen unter den zusammen verblisterten Arzneimitteln völlig ungeklärt.

 

PZ: Juristen sehen beim industriellen Verblistern ein Problem bei der Produkthaftung. Bei wem liegt die Haftung, beim Verblisterer oder beim Hersteller des Fertigarzneimittels, das verblistert wird?

Yzer: Diese Bedenken sind in der Tat berechtigt. Da verschiedenste Arzneimittel mehrerer Hersteller vermischt werden, dürfte die Ermittlung einer Kausalität im Schadensfall erhebliche Schwierigkeiten aufwerfen. Erschwerend kommt hinzu, dass die rechtliche Verantwortung der verschiedenen Hersteller, des Apothekers und natürlich des Verblisteres gegeneinander abzugrenzen wären. Das würde die Geltendmachung möglicher Schadensersatzansprüche deutlich erschweren. Alles in allem wäre der Patient deutlich schlechter gestellt.

 

PZ: Einige Kritiker sehen im industriellen Verblistern den Abschied vom Fertigarzneimittel. Teilen Sie diese Befürchtungen?

Yzer: Wenn Deutschland in die regelhafte Versorgung mit Wochenblistern einsteigt, wird dies sicherlich unsere heutige qualitativ hochwertige und vor allem sichere Arzneimittelversorgung, die auf dem Fertigarzneimittel basiert, erodieren.

 

PZ: Welchen Stellenwert hat das Thema für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller? Werden Sie die politische Diskussion darüber forcieren oder ist dies für Sie eher ein Randthema?

Yzer: Im Fokus des VFA steht von jeher die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung in Deutschland. Die Diskussion um die industrielle Neuverblisterung stellt dabei einen nicht unwichtigen Aspekt dar.

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