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Kosten-Nutzen-Bewertung

Gute Beziehungen zur Industrie

01.07.2008
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Kosten-Nutzen-Bewertung

Gute Beziehungen zur Industrie

Von Werner Kurzlechner, Berlin

 

Fast alle schimpfen über das IQWiG. Das schottische Pendant SMC zeichnet sich durch Tempo aus, sucht die Nähe zur Industrie und kalkuliert nach englischem Muster Kosten und Nutzen von Arzneimitteln. Ein derartiger Pragmatismus ist in Deutschland schwer vorstellbar.

 

Etwas verwundert über den schottischen Weg zeigte sich die ehemalige Bundesgesundheitsministerin der Grünen, Andrea Fischer, bei einem vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) ausgerichteten Symposium vergangene Woche in Berlin. »Die Hersteller scheinen bei Ihnen sehr stark ins Verfahren eingebunden sein«, sagte Andrea Fischer nach den Ausführungen von Dr. Kenneth R. Paterson und Alisa Brown, Geschäftsführer und Gesundheitsökonomin des Scottish Medicines Consortium (SMC).

 

Die beiden Gäste aus Glasgow hatten zuvor dargelegt, wie fix und unkompliziert in ihrer Heimat eine Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln vor sich geht. Ein wenig zu geschmeidig vielleicht für den deutschen Geschmack. Fischer bemerkte jedenfalls, dass ein derartiger Ablauf hierzulande wahrscheinlich einen Aufschrei heraufbeschwören würde.

 

Paterson und Brown hatten zuvor für das Gesundheitswesen dargelegt, worauf Dr. Steffen Wahler vom VFA in seiner Begrüßung launig hingewiesen hatte: Schotten sind keine Engländer. Das habe er als Junge bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 beim Stadionbesuch gelernt, so Wahler. Folglich bewertet in England und Wales das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) medizinischen Nutzen und Wirtschaftlichkeit von Medikamenten. In Schottland erledigt dies mit einer gehörigen Portion an landestypischem Pragmatismus das SMC.

 

Paterson ließ keinen Zweifel daran, dass er die Herangehensweise seines Instituts für deutlich überlegen hält: SMC eruiere die Kosten-Nutzen-Relation für sämtliche Medikamente und nicht nur von 15 Prozent wie das NICE. Die Bewertung sei nach 16 Wochen abgeschlossen, während sich die englischen Kollegen dafür ein bis zwei Jahre Zeit ließen. Und die Industrie sei in Schottland eng ins Verfahren eingebunden und bleibe nicht wie im übrigen Großbritannien kategorisch außen vor. »Wir vertrauen auf gute Beziehungen zur Pharmaindustrie«, formulierte Brown als zusammenfassenden Gedanken ihres Referats. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Mediziner, Pharmazeuten und Ökonomen des SMC überhaupt keine eigenen Daten erheben. Sie entscheiden nach schneller Prüfung der von den Firmen gelieferten Informationen darüber, ob es ein Medikament auf Rezept gibt oder nicht.

 

Bei allem Murren über Schwerfälligkeit und Zentralismus des hiesigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Auch im Ausland gibt es keine unproblematischen Blaupausen. Dass die Schotten das 2002 gegründete SMC als Fortschritt empfinden, hängt nicht zuletzt von der Vorgeschichte ab.

 

Gegenüber dem zuvor bestehenden Flickenteppich aus 15 regionalen »Health Boards« funktioniert das aus ihnen gebildete eine Konsortium gewiss effizienter. Aus Sicht der Patienten fiel das leidige Postleitzahlen-System weg. Das heißt, sie können anders als zuvor Medikamente auch außerhalb ihres jeweiligen Bezirks bekommen. Der Gesundheitsökonom Professor Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg zeigte sich in der Diskussion nach den Vorträgen beeindruckt von der größeren Dynamik im Vergleich zur Bundesrepublik. Das Miteinander zwischen SMC und Unternehmen lobte er, weil die Bewertung ein echter Prozess sei. Im Zweifel werden in Schottland keine endgültigen Entscheidungen getroffen, sondern SMC und Firmen klären offene Fragen im Dialog.

 

Lebensjahre als Maß des Nutzens

 

An der inhaltlichen Basis des schottischen Weges gäbe es in Deutschland allerdings mit Sicherheit Kritik. Denn sie unterscheidet sich mitnichten vom englischen Weg der Kosten-Nutzen-Bewertung: den Kosten je »Quality-adjusted life years« (QALY). In der Regel bewertet also auch das SMC Arzneimittel nach dem Verhältnis ihrer Kosten zu Qualität und Quantität der Lebensjahre, für die sie vermutlich zusätzlich sorgen. »Das ist zwar nicht unsere einzige Überlegung, aber sie spielt eine große Rolle«, erläuterte Paterson schottisch-pragmatisch.

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