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Medikamentenabhängigkeit

Gefahr zu langer Tabletteneinnahme

13.07.2016
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Von Hannelore Gießen, München / 2,3 Millionen Menschen in Deutschland sind von Medikamenten abhängig, überwiegend von Benzodiazepinen. Kritisch diskutiert werden jedoch auch Opioide, deren Verordnungszahlen stark gestiegen sind.

Benzodiazepine sind die am häufigsten eingesetzten Psychopharmaka. Sie werden als Antiepileptika, Hypnotika und Anxiolytika sowie in der Behandlung eines Entzugs oder Delirs angewandt. »Obwohl diese Arzneistoffgruppe nur kurzfristig verordnet werden sollte, nehmen viele Patienten Benzodiazepine oft lange ein«, sagte Professor Dr. Michael Soyka von der Schweizer Klinik Meiringen beim Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin in München. Dabei sei das Abhängigkeitsrisiko mit 4 bis 5 Prozent beträchtlich, so der Psychiater.

 

Vor allem für ältere Menschen sind Benzodiazepine problematisch, da sie die Vigilanz beeinträchtigen und so das Sturzrisiko erhöhen. Zudem korreliert ein langfristiger Konsum von Benzodiazepinen mit einer erhöhten Inzidenz einer Alzheimer-Demenz. Das ist schon länger bekannt und wurde durch eine im Jahr 2014 publizierte französisch-kanadische Studie im »British Medical Journal« erneut bestätigt (DOI: 10.1136/bmj.g5205). Das Beenden der Benzodiazepin-Einnahme soll langsam und ausschleichend über mehrere Wochen erfolgen. Unterstützend können verschiedene Arzneistoffe zum Einsatz kommen, um mögliche Entzugssymptome abzumildern. Eine Standard­therapie gebe es allerdings nicht, bedauerte Soyka. Meist werden Gabapentin, Melatonin und Betablocker eingesetzt. Pregabalin, sei nicht unproblematisch, da es ein eigenes Abhängigkeitspotenzial aufweise.

 

Missbrauch als Todesursache

 

Durch den Tod des Popstars Prince im Frühjahr 2016 wurde die Öffentlichkeit auf eine missbräuchliche Anwendung von Opioid-Analgetika aufmerksam. Deren langfristiger Einsatz bei chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen wird inzwischen weltweit kritisch diskutiert. In Nordamerika nimmt der Opioid-Konsum epidemische Ausmaße an und steht nach Cannabis an zweiter Stelle der missbräuchlich angewendeten Substanzen, noch vor Kokain. In Deutschland sind die Verbrauchszahlen von Fentanyl rasant gestiegen. Die im September vergangenen Jahres aktualisierte LONTS-Leitlinie (Langzeit­anwendung von Opioiden bei nicht tumor­bedingten Schmerzen) der Deutschen Schmerzgesellschaft weist da­rauf hin, dass keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für einen Einsatz über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten besteht. In der Therapie sollen Opioide mit retardierter Galenik oder langer Wirkdauer nach festem Zeitschema eingesetzt werden.

 

Uneinheitliche Datenlage

 

Neue Daten zum Risiko einer längeren Opioid-Einnahme stellte Sara Kroll von der Universitätsklinik Zürich vor. Die klinische Psychologin zitierte aus einer 2015 im Fachjournal »Pain« publizierten Metaanalyse, dass 21 bis 29 Prozent der behandelten Schmerzpatienten Opi­oide missbräuchlich anwenden und 8 bis 12 Prozent abhängig werden (DOI: 10.1097/01.j.pain.0000460357.01998.f1). Zu den langfristigen Folgen einer Opioid-Einnahme liegen erst wenige klinische und epidemiologische Daten vor. Die bisherigen Befunde ließen jedoch auf kognitive Einbußen schließen, berichtete Kroll. Vor allem die Aufmerksamkeit sowie das räumlich-visuelle Gedächtnis seien möglicherweise eingeschränkt. Einheitliche Daten lägen aber noch nicht vor.

 

Die Züricher Klinik hat deshalb eine neuropsychologische Studie initiiert, um kognitive, aber auch psychosoziale Defizite unter langfristiger Einnahme von Opioid-Analgetika aufzuspüren. Die bisherigen Ergebnisse wiesen auf einen Rückgang der sozialen Wahrnehmung, des Erkennens von Emotionen, möglicherweise auch des sozialen Schmerzes sowie der Empathie für Schmerzen hin, berichtete Kroll. /

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