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CoBox k.o.

19.07.2011
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Die CoBox AG liegt angezählt am Boden. Sehr unwahrscheinlich, dass sie es wieder auf die Beine schafft. Denn der Vertreiber der Videoapotheke CoBox, die ein bisschen wie ein moderner Beichtstuhl aussieht, hat Insolvenz angemeldet (lesen Sie dazu Videoapotheke: CoBox vor dem Aus). Der Knock-out-Schlag kam in der zweiten Runde. In der Anfangsphase war das Unternehmen noch einigermaßen erfolgreich gestartet, nachdem die Verantwortlichen in Hessen die Boxen genehmigt hatten. Auch das Bundesgesundheitsministerium hatte offensichtlich Gefallen daran gefunden, dass Patienten Medikamente in einem mit einer Videokamera versehenen Verschlag bestellen können. Dabei schwang wahrscheinlich der Irrglaube mit, so möglichen Versorgungslücken auf dem Land begegnen zu können.

 

Welche Versorgungslücken überhaupt? Die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln war und ist doch sichergestellt und einen wirklichen Bedarf für die Boxen gibt es nicht. Insgesamt konnten sich die Videoapotheken bei Weitem nicht so durchsetzen wie von den Erfindern erhofft und geplant. Auf dem Land mussten zuletzt einige Kabinen wieder schließen, weil zu wenig Kunden kamen. Offenbar hatte im Vorfeld noch niemand etwas von Rezeptsammelstellen gehört – eine viel effizientere Methode, etwaigen Versorgungsengpässen entgegenzuwirken.

 

In einem Arbeitspapier des Bundes­ge­sund­heits­mi­nisteriums war zwischenzeitlich dennoch vorgesehen, Beratung und Arzneimittelbestellung per Videotechnik generell zu erlauben. Im aktuellen Positionspapier zur Apothekenbetriebsordnung ist davon jedoch keine Rede mehr. Dieser Schlag hat gesessen und ist genau der Moment, in dem die CoBox AG wie Fallobst auf die Bretter geschickt wird. Denn neue Investoren und Apotheker lassen sich mit diesen unsicheren Zukunftsaussichten gewiss nicht locken. Immerhin sind hohe, vor allem auch laufende Kosten mit dem Betreiben einer solchen Videoapotheke verbunden, die erst mal wieder erwirtschaftet sein wollen. So wird eine CoBox schnell zur K.-o.-Box.

 

Warum sind die Vertreiber der CoBox überhaupt bei den Politikern in Ungnade gefallen? Vielleicht kamen diese sich einfach verschaukelt vor. Denn inzwischen gab oder gibt es Videoapotheken in einem Medizinischen Versorgungszentrum und sogar im Foyer eines großen Unternehmens in Frankfurt am Main. Vom Anspruch, die Versorgung in strukturärmeren Gebieten sicherstellen zu wollen, ist nichts mehr zu sehen. So sind die laut Hersteller »vermutlich kleinsten Apotheken der Welt« im Grunde nichts anderes als eine Pick-up-Stelle. Und die braucht nun wirklich niemand.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur

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