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Förderinitiative

Die Betreuer betreuen

09.08.2007
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Förderinitiative

Die Betreuer betreuen

Von Daniela Biermann

 

Die Pharmazeutische Betreuung in Deutschland entwickelt sich zunehmend weiter. Ob in der Offizin, im Krankenhaus oder als Promotion: Unterstützung in Theorie und Praxis rund um »Pharmaceutical Care« erhalten engagierte Apotheker und Organisationen vom Verein Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung.

 

Ziel der Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung ist es bereits seit 1997, Modellprojekte zu unterstützen und bei der praktischen Umsetzung von Betreuungskonzepten zu helfen. Auch Untersuchungen zu wissenschaftlichen Grundlagen und Effizienz der pharmazeutischen Betreuung fördert der Verein. Des Weiteren unterstützt die Förderinitiative Projekte und Initiativen, mit denen die Öffentlichkeit auf die Leistungen der Pharmazeuten aufmerksam gemacht wird.

 

Ausdrücklich will die Förderinitiative nicht nur finanziell unterstützen, sondern vor allem beratend zur Seite stehen und wissenschaftliches Know-how weitergeben. Schon bei der Projektplanung gibt der Verein Hilfestellung und will Ideen anregen. Gefördert wurden bisher verschiedenste Projekte, zum Beispiel langfristige Vorhaben wie Promotionen, Unterricht und kleinere Arbeiten im Rahmen des Praktischen Jahres und Projekte in öffentlichen Apotheken. Gerade an der Zusammenarbeit mit der Offizinpharmazie habe man großes Interesse, betonte Dr. Christiane Eickhoff, Ansprechpartnerin für die Projektförderung beim Verein, im Gespräch mit der PZ.

 

Zwischen Offizin und Heim

 

So plante zum Beispiel Thomas Uhrhan, Mitarbeiter der Friedrichstadt-Apotheke in Berlin, in engem Kontakt mit der Förderinitiative ein umfangreiches Projekt zur Optimierung der Arzneimittelversorgung für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Der wissenschaftliche Beirat des Vereins hinterfragte den Antrag kritisch und gab Ratschläge, sodass der Apotheker das Studienkonzept verbessern konnte. Nach circa neunmonatiger Planungsphase steht das Projekt nun in den Startlöchern.

 

Zusammen mit dem Pflegepersonal will das Apothekenteam arzneimittelbezogene Probleme in Heimen erkennen, lösen und vermeiden. Die Arzneimittelversorgung soll dadurch optimiert und der Nutzen der Betreuung evaluiert werden. Rund 950 Bewohner in fünf Heimen nehmen an dem Projekt teil.

 

Wie ein Nadelöhr fungiert dabei die Apotheke: Das pharmazeutische Personal prüft Verschreibungen zum Beispiel auf Eignung für alte Patienten, Mehrfachverordnungen und Wechselwirkungen. Die Hälfte der Patienten bekommt mehr als fünf Arzneimittel, berichtete Uhrhan. Mit jeder Verordnung steige die Gefahr, dass arzneimittelbezogene Probleme auftreten.

 

Eine große Rolle spielt die Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal: Apotheker Uhrhan informiert nicht nur über Themen wie die Teilbarkeit und Sondengängigkeit von Tabletten, sondern macht auch auf besondere oder verzögert auftretende Nebenwirkungen mancher Präparate aufmerksam. Im Fokus steht dabei die Sturzgefahr, die gerade bei Heimbewohnern erhöht ist, oft mitverursacht durch die Einnahme von Pharmaka wie Benzodiazepinen. Das Pflegepersonal leitet Angaben über die klinische Wirksamkeit, Veränderungen des Gesundheitszustands der Heimbewohner sowie auftretende arzneimittelbezogene Probleme an die Apotheke weiter. Die intern geschulten Apothekenmitarbeiter dokumentieren und klassifizieren diese. So sollen auch bisher nicht beschriebene Nebenwirkungen ausfindig gemacht werden.

 

Der Rückgang von Stürzen, Krankenhauseinweisungen, Pflegeaufwand und Kosten ist das Ziel des Projekts. Insgesamt soll der Nutzen der Pharmazeutischen Betreuung belegt werden. Da Uhrhan in den Heimen ständig vor Ort ist, erhält der Apotheker nicht nur Sachkostenzuschüsse, auch seine Stelle finanziert die Förderinitiative mit.

 

Nach Schlaganfall rundum gut betreut

 

Eine genauso umfassende Hilfestellung sowie die Finanzierung einer halben Stelle und Sachkostenzuschüsse erhielt Carina Hohmann. Die Doktorandin steht kurz vor Abschluss ihres Projekts an der Uniklinik Fulda. Im Rahmen ihrer Promotion untersuchte Hohmann den Einfluss der Pharmazeutischen Betreuung auf die Versorgungsqualität von Schlaganfallpatienten. Schnittstellen übergreifend begleitete sie die Nachbeobachtung zwischen Krankenhaus, Reha und ambulantem Bereich.

 

Die Ziele des Projekts sind hoch gesteckt: Verbesserung des Gesundheitszustands, der Lebensqualität und Zufriedenheit der Patienten, Sicherstellung einer effizienten medikamentösen Sekundärprophylaxe durch Förderung der Compliance und die Lösung beziehungsweise Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Arzt, Apotheker und Patient soll enger erfolgen. Im persönlichen Gespräch oder per Brief stand Hohmann mit den Beteiligten in Kontakt.

 

Im Frühjahr 2003 begannen die Vorbereitungen für das Projekt. Hilfreiches Feedback erhielt Hohmann von der Förderinitiative, die auch Gutachten zu ihrem Antrag erstellen ließ. Im Juni 2004 begann das Sammeln der Daten: An der Studie nahmen 255 Patienten teil, die eine transitorische ischämische Attacke oder einen Hirninfarkt erlitten hatten. Im Klinikum erhielten zunächst alle Probanden nach einer Arzneimittelanamnese eine Beratung zu ihrer neuen Medikation. Zusätzlich füllten sie den standardisierten Fragebogen aus, mit dessen Hilfe die Lebensqualität erfasst werden kann.

 

Im ambulanten Bereich betreuten Apotheken des Fuldaer Qualitätszirkels, geschult durch Hohmann, 90 Studienteilnehmer. Sie erstellten unter anderem Arzneimittelanwendungsprofile und lösten sowie dokumentierten arzneimittelbezogene Probleme. Sechs bis acht Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt fand in den Apotheken ein erstes Zwischengespräch mit den Patienten statt, sechs Monate nach dem Krankenhausaufenthalt ein weiteres. Zum gleichen Zeitpunkt befragte Hohmann die teilnehmenden Apotheken zum Stand der Betreuung. Nach einem Jahr erfassten diese die aktuelle Medikation der Patienten und ihr Wissen darüber. Die Teilnehmer füllten erneut den Fragebogen aus und wurden zu ihrem Gesundheitsstand und der Zufriedenheit mit der Pharmazeutischen Betreuung befragt. Auch mit den Apothekenmitarbeitern fand ein Abschlussgespräch statt.

 

Das beeindruckende Ergebnis: Nach zwölf Monaten gab es in der betreuten Gruppe keine Verschlechterung der Lebensqualität, während sie in der nichtbetreuten Gruppe in sieben von acht Bereichen sank. Ihren Abschlussbericht wird Hohmann auf der jährlichen Mitgliederversammlung der Förderinitiative im November dieses Jahres vorstellen.

 

Um eine Förderung bewerben kann sich jeder, der eine Fragestellung in der Pharmazeutischen Betreuung bearbeitet oder einen neuen Aspekt untersuchen will. Über die Bezuschussung entscheidet der Vorstand des Vereins. Bei der Bezuschussung gibt es keinen Regel- oder Maximalbetrag und die Beratung ist für Mitglieder kostenlos. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Einzelpersonen 50 Euro im Jahr. Der Verein trägt sich durch diese Mitgliedsbeiträge sowie durch die (höheren) Beiträge der Mitglieder aus Pharmazeutischer Industrie und Großhandel, Kammern und Verbänden, Softwarehäusern und Krankenversicherungen.

 

Anträge können jederzeit eingereicht werden. Die Bearbeitungszeit nimmt voraussichtlich drei bis sechs Monate in Anspruch. Antragsformulare können unter heruntergeladen werden.

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