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Schwangerschaft

Nutzen und Risiken der Grippeimpfung

24.08.2010
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Von Christina Hohmann / Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) hat erstmals eine explizite Empfehlung für eine Impfung in der Schwangerschaft ausgesprochen. Alle Schwangeren sollen sich gegen saisonale Grippe immunisieren lassen. Die Gründe für die Empfehlung legt die Kommission im Epidemiologischen Bulletin Nr. 31 dar.

Zusätzlich zu den bisherigen Risikogruppen sollen sich laut STIKO jetzt auch Schwangere gegen saisonale Grippe impfen lassen. Bei gesunden Frauen ist eine Impfung ab dem zweiten Trimenon, bei Frauen mit chronischen Erkrankungen ab dem ersten Trimenon empfohlen. Ziel ist es, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle in dieser Risikogruppe zu verhindern. Denn Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Der Grund hierfür sind immunologische und physiologische Veränderungen, die in der Schwangerschaft auftreten. Das Immunsystem der Mutter muss den Fetus tolerieren, und daher erfolgt eine Verlagerung von zellvermittelter zu humoraler Immunität. Die Aktivität zytotoxischer T-Zellen geht zurück, was die Mutter anfälliger für Infekte macht. Zusätzlich treten noch physiologische Veränderungen auf, die das Risiko für schwere Verläufe erhöhen. Das Lungenvolumen nimmt ab, Herzfrequenz, Schlagvolumen und Sauerstoffverbrauch steigen an.

 

Wenig Daten für Deutschland

 

Wie häufig schwere Verläufe und Todesfälle aufgrund von Influenza-Infektionen bei Schwangeren auftreten, wird in Deutschland laut STIKO nicht systematisch erfasst. Die Kommission greift daher auf Daten aus den USA und Kanada zurück. So kommt ein Review verschiedener englischsprachiger Studien von Dr. Danuta Skowronski vom BC Centre for Disease Control in Vancouver, Kanada, zu dem Schluss, dass für Schwangere ab dem zweiten Trimenon ein signifikant erhöhtes Risiko für eine influenzabedingte Hospitalisierung gegenüber Nichtschwangeren besteht (»Vaccine«, 2009, Band 27(35), Seiten 4754-70). Einer kanadischen Studie zufolge liegt die Hospitalisierungsrate aufgrund einer Atemwegs­erkrankung bei Frauen im dritten Trimenon bei 15 pro 10 000, geschätzt wird, dass 10 von 10 000 Schwangeren wegen Influenza ins Krankenhaus kamen.

Für die pandemische Influenza von 2009 liegen aus einigen Ländern Daten vor. Dem RKI wurden bis März 2010 zwei mit Influenza assoziierte Todesfälle bei Schwangeren gemeldet. Untersuchungen aus den USA und Kanada zufolge hatten Schwangere im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein bis zu vierfach höheres Risiko, aufgrund der Schweinegrippe hospitalisiert zu werden, und eine sechsfach erhöhte Mortalität. Das absolute Risiko (Inzidenz) einer Hospitalisierung oder zu versterben bezogen auf die Gesamtbevölkerung wird im STIKO-Bericht und auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung beim Robert-Koch-Institut nicht beziffert. Die Datn seien nicht bekannt, da die Dunkelziffer von nicht gemeldeten Fällen an pandemischer Influenza als sehr hoch eingeschätzt wird, erklärt Dr. Dorothea Matysiak-Klose, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Impfprävention am RKI, Zusammenfassend implizieren die vorhandenen Daten zur pandemischen und zur saisonalen Grippe, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Hospitalisierung haben, schreibt die STIKO.

 

Sicherheit und Wirksamkeit

 

Zur Wirksamkeit der Influenza-Impfung bei Schwangeren stünden nur wenige Daten zur Verfügung, heißt es im Epidemiologischen Bulletin. Randomisierte klinische Studien zur Immunogenität der Influenza-Impfung bei Schwangeren werden aus ethischen Gründen nicht durchgeführt. Bezogen auf die Immunogenität hätten mehrere kleine Studien gezeigt, dass Schwangere vergleichbar hohe Antikörpertiter erreichen wie Nichtschwangere. In einer Untersuchung wiesen 88 Prozent der gegen Grippe geimpften Frauen schützende Titer auf. »Nicht nur für Schwangere, sondern auch für andere wichtige Personengruppen fehlen Daten zur klinischen Wirksamkeit mit den Endpunkten Pneumonie oder Hospitalisierung, insbesondere für ältere Personen über 65 Jahre und Immunsupprimierte«, sagte Matysiak-Klose gegenüber der PZ. Ob eine Impfung tatsächlich Hospitalisierungen aufgrund von Grippeerkrankungen verhindert, sei nicht ausreichend belegt. Dies sei auch ein Kritikpunkt der STIKO gewesen. Das Problem bei Effektivitätsstudien sei, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung von der Übereinstimmung der jeweils zirkulierenden Influenzaviren mit den im saisonalen Impfstoff enthaltenen Komponenten abhängt, erklärt Matysiak-Klose. Zudem kann die Immunität der Bevölkerung durch frühere Grippeimpfungen und durchgemachte Erkrankungen unterschiedlich sein. Bei anderen Impfstoffen, die nur eine einmalige Grundimmunisierung mit sich führen, dann Jahre wirksam sind, und nur gegen einen zirkulierenden Virusstamm schützen müssen, sind Effektivitätsstudien dementsprechend einfacher durchzuführen.

 

Die Sicherheit der Influenza-Totimpfstoffe dagegen sei gut belegt, heißt es im Epidemiologischen Bulletin. Ein Review von 2009 kam zu dem Schluss, dass inaktivierte Influenza-Impfstoffe in der Schwangerschaft sicher und effektiv sind. Weitere Studien hätten gezeigt, dass weder heftige Impfreaktionen, noch eine erhöhte Zahl von Kaiserschnitten oder Frühgeburten aufgetreten wären. In den USA seien in den Jahren 2000 bis 2003 etwa zwei Millionen Schwangere mit einer inaktivierten Influenza-Vakzine geimpft worden, ohne dass ein auffälliges Nebenwirkungsprofil auftrat. Auch für den Fetus bestehe kein Risiko. Es gebe keinen Hinweis, dass die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft die Gesundheit des Kindes beeinflusse.

 

Eine Impfung hätte vielmehr einen positiven Aspekt: Sie schütze neben der Mutter auch das Neugeborene. Kinder im ersten Lebensjahr weisen besonders häufig schwere Verläufe auf. Je nach kursierendem Virusstamm liegt die Hospitalisierungsrate in dieser Altersgruppe bei 20 bis 30 Prozent aller gemeldeten Erkrankten. Häufig treten Komplikationen wie Mittelohrentzündung und Pneumonien auf. Influenza-Impfstoffe sind erst ab einem Alter von sechs Monaten zugelassen. Jüngere Kinder können indirekt auf zwei Arten durch die Impfung der Mutter profitieren. Zum einen können die Mutter oder andere Kontaktpersonen den Säugling nicht infizieren, wenn sie geimpft sind (Kokon-Effekt). Zum anderen überträgt die Mutter Antikörper über die Plazenta auf das Ungeborene. Diese Leihimmunität schützt das Kind nachweislich in den ersten Monaten nach der Geburt vor einer Infektion.

 

Wie gut Schwangere die Impfempfehlung annehmen werden, bleibt abzuwarten. Während der Pandemie zeigten sie sich nicht sehr impffreudig. /

 

Quelle:

Epidemiologisches Bulletin Nr. 31/2010

 

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