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Kinderheilkunde

Todesfälle durch Codein

21.08.2012
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Von Sven Siebenand / Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor einer möglichen Überdosierung von Codein bei Kindern, die den Wirkstoff sehr schnell zu Morphin abbauen. Die Behörde berichtet über drei Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren, die nach einer Gaumen- und/oder Rachenmandel-Operation normale Dosen Codein zur Schmerzlinderung erhalten hatten und dann innerhalb von ein bis zwei Tagen an einer Morphin-Überdosis starben.

Alle drei Kinder wiesen eine stark erhöhte Aktivität des Enzyms CYP2D6 auf, die zu einem sehr schnellen Abbau des Prodrugs Codein zu Morphin führt. Sie gehörten damit zur Gruppe der ultraschnellen Metabolisierer, die durchschnittlich 1 bis 7 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Häufigkeit schwankt jedoch abhängig von der genetischen Ausstattung sehr stark. In der afrikanisch-äthiopischen Bevölkerung sind laut FDA 29 Prozent der Menschen Träger dieser Genvariante, in der asiatischen und nordeuropäischen Bevölkerung nur zwischen 1 und 2 Prozent. Unter den Kaukasiern wiederum fänden sich zwischen 3 und 7 Prozent ultraschnelle Metabolisierer.

Die FDA will nun untersuchen, ob es weitere Todesfälle oder Zwischenfälle bei Kindern gab, die aus einem anderen Grund Codein zur Schmerzlinderung erhalten hatten. Heilberuflern sollte unterdessen das Risiko von Codein bei Kindern nach einer Mandeloperation bewusst sein. Wenn Ärzte Codein verschreiben, sollten sie dies als Bedarfsmedikation in einer möglichst niedrigen Dosierung und für eine kurze Einnahmedauer tun. Eltern sollten bei ihren Kindern zudem auf Anzeichen einer Morphin-Überdosierung achten. Das sind zum Beispiel Schläfrigkeit, Verwirrtheit sowie laute Atmengeräusche und generell Atemschwierigkeiten. Tritt eines dieser Symptome auf, empfiehlt die FDA, Codein sofort abzusetzen und einen Arzt hinzuzuziehen.

 

Bereits früher hatte die FDA davor gewarnt, dass stillende Frauen, die Codein einnehmen und zur Gruppe der ultraschnellen Metabolisierer gehören, ihre Kinder aufgrund der erhöhten Menge an Morphin in der Muttermilch gefährden. /

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