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Magen-Darm-Erkrankungen

Ursachen häufig schwierig zu finden

16.10.2012
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Von Nicole Schuster / Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall und Erbrechen gehören zu den häufigsten Infekten. Auslöser sind oft kontaminierte Lebensmittel. Die Suche nach der Krankheits­ursache ist bei Epidemien wichtig, gleicht aber oft einer Detektivarbeit.

Ende September brach eine Welle von Gastroenteritis-Erkrankungen im Osten Deutschlands aus. Mehr als 11 000 Menschen erkrankten an dem Infekt. Die Ursache war tagelang unklar, bevor kontaminierte Tiefkühlerdbeeren, die von einem großen Kantinen-Lieferanten verwendet worden waren, als Auslöser feststanden. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) war die Erkrankungswelle mit Abstand der größte lebensmittelbedingte Ausbruch in Deutschland.

 

Stuhluntersuchung und E-Mail-Befragung

 

Bei dieser wie auch bei allen anderen Epidemien war es wichtig, den Erreger und die verursachenden Lebensmittel möglichst frühzeitig ausfindig zu machen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Hier helfen epidemiologische Studien, eine mikrobiologische Untersuchung des Stuhls sowie eine Untersuchung von Essensproben. So kamen Forscher auch der Ursache der Krankheitswelle in Ostdeutschland auf die Spur. »Mit Fall-Kontroll-Studien und E-Mail-Befragungen konnten wir den Zusammenhang zwischen tiefgefrorenen Erdbeeren und den Erkrankungen herstellen«, sagte ein Sprecher des RKI der Pharmazeutischen Zeitung.

Eine ähnliche Herausforderung war die Suche nach dem Keim, der die Krankheit ausgelöst hat. »In Lebensmitteln sind die Erreger in der Regel nicht gleichmäßig verteilt. Nicht jede Teilmenge enthält daher auch lebende Krankheitserreger, die sich nachweisen lassen«, erklärte Miriam Ewald vom Bundesinstitut für Risikobewertung der PZ. Für jede Art Lebensmittel muss zudem ein eigenes Untersuchungsverfahren entwickelt werden. Trotz der Schwierigkeiten konnten die Experten schließlich Noroviren als Erreger identifizieren.

 

Angesichts des EHEC-Ausbruchs 2011 und der jetzigen Welle von Brechdurchfällen kann der Eindruck entstehen, dass unsere Lebensmittel unsicherer werden. Hier gibt Ewald jedoch zumindest teilweise Entwarnung: »Bei in Deutschland produzierten Lebensmitteln gewährleisten Eigenkontrollen der Lebensmittelunternehmer und eine amtliche Kontrolle ein hohes Maß an Sicherheit.« Diese Standards ließen sich jedoch nicht in allen Drittländern durchsetzen.

 

Ausbrüche sind immer möglich

 

Eine völlige Sicherheit vor solchen Ausbrüchen von Magen-Darm-Erkrankungen kann es ohnehin nicht geben. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn sich die Menschen überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten, steigt die Ansteckungsgefahr (siehe Kasten). Die Infektion mit Noroviren erfolgt über Tröpfcheninfektion, sodass eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände möglich ist. Aus diesem Grund verbreitet sich der Infekt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Altersheimen besonders leicht. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr und den teils schweren Krankheitsverläufen gehören Infektionen mit Noro­viren in Deutschland zu den meldepflichtigen Gastroenteritiden.

 

Bakterielle Infektionen sind vergleichsweise einfacher zu verhindern. »Viele bakterielle Krankheitserreger, wie Salmonellen, Campylobacter und enterohämorrhagische Escherichia coli, werden in Deutschland häufiger über rohe Lebensmittel vom Tier übertragen als über pflanzliche Lebensmittel«, so Ewald. Kleine Kinder und Menschen mit geschwächter Immunabwehr sollten daher auf Lebensmittel wie Mettbrötchen und rohe Eier besser verzichten.

 

Anders als bei den Noroviren erfolgt die Übertragung bei den meisten anderen Magen-Darm-Infekten über fäkal-orale Schmierinfektion. Beim Kontakt mit einem Erkrankten ist daher Hygiene das obsterste Gebot. Das bedeutet vor allem regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Handelt es sich bei dem Erreger um Noro­viren oder ist der Auslöser noch unbekannt, sollten zusätzlich Gegenstände, die der Patient angefasst hat, desinfiziert werden.

 

Bakterien können auf drei verschiedene Arten Durchfall verursachen. Beim Sekretionstyp schädigen Bakterientoxine die Schleimhautzellen des Dünndarms, was zu einer erhöhten Abgabe von Elektrolyten in das Darm­lumen führt. Mit den Elektrolyten gelangt auch mehr Wasser ins Innere des Darms, was zum verdünnten Stuhl führt. Der Penetrationstyp ist dadurch gekennzeichnet, dass Bakterien eine Entzündung im Dünndarm auslösen, ohne die Darmzellen zu zerstören. Beim Invasionstyp dringen die Erreger ins Innere der Dickdarmzellen ein und zerstören sie. Dadurch verursachen sie eine eitrige Entzündung mit blutig-schleimigen Durchfällen.

 

So unangenehm eine Gastroenteritis auch ist, oft verschwinden die Symptome spontan und ohne medikamentöse Therapie. Wichtig ist, dass die Patienten auf eine ausreichende Zufuhr von Wasser und Elektrolyten achten. Ideal ist eine Salzzufuhr über standardisierte Lösungen mit einem Traubenzucker-Salz-Gemisch. Kleinkinder und Senioren sollten mit einer Gastroenteritis zum Arzt gehen. Bei einer drohenden Austrocknung können Mediziner mit einer Infusion eingreifen.

 

Ansonsten gilt: Hält sich der Infekt hartnäckig länger als zwei Tage, tritt Blut im Stuhl oder im Erbrochenen auf oder kommt Fieber hinzu, ist der Besuch beim Arzt erforderlich. Ein Test auf Erreger kann dann klären, ob eine Therapie mit Antibiotika erforderlich ist, zum Beispiel gegen Salmonellen. Der Arzt kann auch feststellen, ob eine andere Erkrankung, etwa eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, der tatsächliche Auslöser für die Beschwerden ist. / 

Häufige Erreger

Annette Mende / Durchfallerreger kursieren zwar das ganze Jahr über in der gesamten Bevölkerung. Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten gibt es jedoch bestimmte jahreszeitliche und altepezifische Häufungen. So treten Noroviren vorwiegend zwischen September und April auf, Rotaviren zwischen Dezember und Juni. Bakterien kommen vermehrt von Juni bis November vor. Einzelne Erreger finden sich gehäuft bei Kindern und älteren Menschen: Säuglinge erkranken am häufigsten an Rota-, Noro- und Adenoviren. Im Kindergarten- und Schulalter häufen sich bakterielle Darminfekte durch Salmonellen und Campylobacter. Patienten ab 60 Jahren erkranken überwiegend an Noro-, Rotaviren und dem Bakterium Clostridium difficile. / 

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