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Pro Generika

Evolution im Apothekenmarkt

29.10.2007
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Evolution im Apothekenmarkt

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Reformen sollen das Gesundheitssystem effizienter machen. Dabei gerät der Patient zunehmend aus dem Blick, kritisierten Teilnehmer einer Diskussion in Berlin. Kammer-Präsidentin Linz bezweifelte den Nutzen liberalisierter Apothekenmärkte für Patienten.

 

Was haben die jüngsten Reformen im Gesundheitswesen den Patienten gebracht? Mit dieser Frage startete der zweite Berliner Dialog am Mittag zur zukünftigen Arzneimittelversorgung in Deutschland am Dienstag in Berlin. Der Wirtschaftsverband der Generikahersteller Pro Generika hatte dazu eingeladen. Nicht nur die Zuhörer folgten der Einladung in Scharen, auch das Podium war mit acht Diskutanten mehr als reichlich besetzt.

 

Entsprechend konnten die Gesprächsteilnehmer diverse gesundheitspolitische Themen nur kursorisch behandeln. Die Eingangsfrage, ob der Patient von den Reformen profitiere, beantwortete Manfred Pfeiffer klar mit Nein. Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten beschrieb das deutsche Gesundheitssystem als Dunkelkammer, durch das sich der Patient tasten müsse.

 

Vertrauensverhältnis leidet

 

Er nannte die negativen Auswirkungen der Rabattverträge als Beispiel dafür, dass der Patient eben nicht im Mittelpunkt stehe, wie es in politischen Sonntagsreden gern behauptet wird. Er werde mit ständig neuen Medikamenten verwirrt, was das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt beziehungsweise Apotheker empfindlich beschädige. Auch Dr. Philipp Daniel Merckle, Vorsitzender der Geschäftsführung der ratiopharm Gruppe und selbst Apotheker, kritisierte den politisch gewollten Sparkurs, der auf Kosten von Glaubwürdigkeit und Vertrauen gehe.

 

Professor Dr. Peter Oberender, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth, geißelte in gewohnt polemischer Manier das von ihm »Wettbewerbsschwächungsgesetz« genannte GKV-WSG (Wettbewerbsstärkungsgesetz der Gesetzlichen Krankenversicherung) als »konsequente Fortsetzung staatlicher Interventionspolitik«.

 

Aus seiner Sicht spricht nichts gegen Franchisesysteme für Apotheken - wenn die Arzneimittelsicherheit gewährleistet sei. Der Vertrieb von Medikamenten müsse an die Apotheke gebunden bleiben.

 

Darin stimmte er mit Patientenvertreter Pfeiffer überein, der die Vorstellung, dass Arzneimittel im Supermarkt verkauft werden, für ein »Unding« hält. Die Qualität der Beratung müsse Vorrang haben vor einer reinen Preisdiskussion.

 

Alternative Zielpreisvereinbarungen

 

Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer Magdalene Linz sprach sich dafür aus, die Laufzeit künftiger Rabattverträge zu verlängern, um ständige Medikamentenwechsel bei den Patienten zu reduzieren. Sie brachte als Alternative zu Rabattverträgen das Modell der Zielpreisvereinbarungen in die Debatte ein, für das sich der Deutsche Apothekerverband stark macht. Es gewährt dem Apotheker mehr Freiheiten und dient dem Patienten, der keine Zuzahlung leisten muss. Die Idee dahinter: Wenn es bei einer Verordnung kein rabattiertes Arzneimittel gibt oder dieses nicht verfügbar ist, kann der Apotheker ein anderes Medikament bis zur Höhe des vorher festgelegten Zielpreises auswählen.

 

Ob der Apothekenmarkt in Zukunft vom freien Wettbewerb bestimmt wird oder staatlich reguliert bleibt, »die Herstellerfirmen werden sich damit arrangieren«, sagte Dr. Heike Streu, Geschäftsführerin des Generikaunternehmens Basics, einer Tochter von Ranbaxy. Wichtig sei nur, dass sich die Politik für eine der beiden Systemvarianten entscheide.

 

Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, pochte darauf, die Einführung von Wettbewerbselementen wie Wahltarife der Krankenkassen mit Evaluationen zu begleiten, deren Ergebnisse allen zugänglich seien.

 

Bundesapothekerkammer-Präsidentin Linz grenzte sich dezidiert von Oberenders Loblied des liberalisierten Apothekenmarktes ab: »Liberalisierung um der Liberalisierung willen ist für mich kein Argument.« Der Nutzen liberalisierter Gesundheitsmärkte für die Patienten sei keinesfalls erwiesen, sagte sie mit Blick auf die USA. Oberenders Replik ließ nicht auf sich warten: »Wenn das deutsche System so gut ist wie Sie es darstellen, wird es sich durchsetzen, das ist die Evolution.«

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