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Aus Fehlern lernen

27.10.2008
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Aus Fehlern lernen

Angst frisst Seele. Und das täglich. So geht es seit Monaten Millionen Menschen. Und jetzt geht es auch noch denen an den Kragen, die glaubten, einen sicheren Job zu haben. Denen, die ehrlich arbeiten, denen, die Familien ernähren, denen, die der Staat sind. Aber es ist nicht die Angst allein, die das Selbstvertrauen, den Glauben an das große Ganze frisst und uns allen das Gefühl gibt, die Krise würde immer schlimmer. Es sind die Geister, die manche gerufen haben, und die uns nun nicht mehr loslassen.

 

Diese Geister hören auf Namen wie Liberalisierung, Deregulierung oder Turbokapitalismus. Jahrelang wurden Mahner öffentlich und bösartig abgestraft. Den ewig Gestrigen sollten die alten Zöpfe abgeschnitten werden. Die verkrusteten Strukturen der sozialen Marktwirtschaft und ihre Systematik sollten über Bord geworfen werden. Und auch im Gesundheits- und Arzneimittelmarkt war nur noch die Rede davon, alles müsse effizienter und kostengünstiger werden. Schon seit Jahren geht es angeblich nur noch darum, wann die Liberalisierung die Apotheken überrollt. Dass es so kommen wird, wird schon gar nicht mehr diskutiert. Garniert wird die heilsbringende Wahrsagung mit der Verkündung von mehr Qualität und Einsparungen für Patienten und Versicherte.

 

So weit, so schlecht. Die Geister sind gekommen und nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Das, was stehen bleibt, Bestand hat über diese Tage des Donners hinaus, ist eben nicht das Neue, das angeblich krisenfeste. Vielmehr sind es die Grundfesten, die diese Gesellschaft zusammenhalten.

 

Schon der Ökonom Lord Dahrendorf hatte zurecht davor gewarnt, ein entfesselter Markt werde sich am Ende selbst zerstören – und die Gesellschaft gleich mit. Diese Erkenntnisse richten sich nicht gegen den Wettbewerb an sich, sondern gegen eine Deregulierung und totale Liberalisierung. Der Gesundheits- und Arzneimittelmarkt hat mit totaler Rendite nichts zu tun. Börsennotierte Konzerne, die mit permanenten und immer neuen Versprechen ihren Kurs steigern und die Erträge ankurbeln wollen, passen nicht zu den sorgsam gepflegten Errungenschaften sozialer Sicherungssysteme.

 

Wir Apotheker sollten die Chancen nutzen und uns in unserer Rolle wohler fühlen denn je. Fest steht: Deutschland kann aus der jüngsten Krise lernen und muss Fehler nicht ein weiteres Mal machen. Die Apotheke gehört zu den Grundfesten dieser Gesellschaft. Wir sind solide, kompetente und hilfsbereite Versorger. Vielleicht reicht das nicht für Börsenfantasien und Gewinnmaximierung. Aber vielleicht entwickelt diese Gesellschaft wieder mehr Sympathie für Realität und Gemeinsinn als für Geister und Auguren. Wir werden daran arbeiten.

 

Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

 

Friedemann Schmidt

Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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