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Zahl der HIV-Neuinfektionen stagniert

11.11.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Im Jahr 2014 haben sich etwa 3200 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert. Die Zahl bleibt damit gegenüber 2013 unverändert. Das ist das Ergebnis der aktuellen Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI), die nun im Epidemiologischen Bulletin 45 veröffentlicht wurde.

Der Anteil der Infizierten, die Medikamente gegen das Virus einnehmen und damit kaum noch infektiös sind, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. »Dieser positive Effekt und die bisherigen Präventionsanstrengungen haben aber bislang nicht ausgereicht, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern«, kommentiert RKI-Präsident Lothar H. Wieler in einer Pressemitteilung. In Deutschland leben der Schätzung zufolge rund 83 400 Menschen mit einer HIV-Infektion oder Aids, etwa 480 HIV-Infizierte sind 2014 gestorben.

In Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit geschätzten 53 800 Infizierten nach wie vor die Hauptbetroffenengruppe. Die Zahl der Neuinfektionen bei MSM ist in den vergangenen zehn Jahren nur leicht zurückgegangen. Der Schätzung zufolge gibt es derzeit etwa 10 500 Personen, dies sich auf heterosexuellem Weg in Deutschland mit HIV infizierten. Die Zahl der Neuinfektionen steigt in dieser Gruppe eher leicht an, und HIV wird hier häufiger als in anderen Gruppen spät diagnostiziert. Geringeres Risikobewusstsein trägt in dieser Gruppe zu geringerer Testhäufigkeit, niedrigeren Testfrequenzen und späteren HIV-Diagnosen bei. Ärzte sollten daher bei Auftreten von sogenannten HIV-Indikatorerkrankungen wie verschiedene Tumorarten und speziellen Infektionen auch bei als heterosexuell eingeordneten Patienten an die Möglichkeit einer HIV-Infektion denken und einen Test empfehlen. Eine Liste der Indikatorerkrankungen ist auf den Seiten von HIV Europe (unter hiveurope.eu) zu finden.

 

Geschätzte 13 200 der 83 400 Menschen mit HIV/Aids wissen noch nichts von ihrer Infektion. Eine schnellere und frühere Diagnose der Infektionen trägt dazu bei, die mit Spätdiagnosen verbundene höhere Sterblichkeit und Behandlungskosten zu verringern. Zudem kann sie auch präventive Effekte haben, weil weniger Infektionen unbeabsichtigt weitergegeben werden. Dafür sollten in den Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko (MSM und injizierende Drogenkonsumenten) der Anteil der Getesteten und die Frequenz der Testung spürbar gesteigert werden, fordert das RKI. Barrieren für eine Testung müssen erkannt und abgebaut werden. /

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