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Pharmazeutische Betreuung

Praxisnahe Fortbildung am Wochenende

25.11.2008
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Pharmazeutische Betreuung

Praxisnahe Fortbildung am Wochenende

Von Sven Siebenand

 

Heidelberg, Oberhausen und Jena hießen in diesem Jahr die Veranstaltungsorte des Wochenendworkshops Pharmazeutische Betreuung. Insgesamt nutzten fast 1000 Teilnehmer die Chance, sich Tipps für die Praxis zu holen.

 

Ob Fragen zu Arzneimitteln, Krankheiten oder Prävention: Gesundheitsfragen sind Vertrauenssache. Eine diskrete Beratung sollte daher immer eine Selbstverständlichkeit sein. Das gilt umso mehr bei schambesetzten Themen wie Analerkrankungen, Impotenz oder Vaginalmykosen.

 

Kompetent beraten bei Tabu-Themen

 

»Je normaler und sachlicher sie mit Tabu-Themen im Beratungsgespräch umgehen, desto besser lassen sich diese Situationen meistern«, sagte Dr. Katja Renner beim Wochenendworkshop in Oberhausen. Gemeinsam mit Bernd Dewald aus Emmerich hatte die Apothekerin aus Wassenberg Ratschläge im Umgang mit Themen wie erektile Dysfunktion, Inkontinenz oder Hämorrhoidalleiden zusammengetragen. Aus Scham oder Angst vor der Untersuchung und vor einem gravierenden Befund zögern viele Patienten einen Arztbesuch hinaus. Der Apotheker ist dann umso mehr gefragt. »Stellen Sie besser geschlossene statt offene Fragen«, riet Renner. Diese machen es dem Kunden leichter, zu antworten. So könne man einen Patienten, der eine Hämorrhoidensalbe verlangt, fragen, ob die Beschwerden innerlich oder äußerlich sind. Weitere Fragen könnten lauten: Ist der Toilettengang mit Schmerzen verbunden? Können Sie äußerlich auf der Haut am Rand Knötchen fühlen oder ein Ekzem? Haben Sie helles Blut am Toilettenpapier? Wurden Sie schon durch einen Arzt untersucht? Auf diese Weise könne man schon mal eingrenzen, um was für eine Analerkrankung es sich handeln könnte und ob eventuell die Grenzen der Selbstmedikation überschritten sind. Ein Patient, der beispielsweise über dunkles statt helles Blut am Toilettenpapier berichtet, müsse umgehend zum Arzt geschickt werden.

 

Als Zusatzempfehlung bei Hämorrhoidalleiden eignen sich feuchte medizinische, nicht-reizende Tücher. Bei hartem Stuhlgang empfahl Renner, ein mildes Abführmittel, etwa Flohsamenschalen oder Macrogole, mitzugeben. Zudem sei es häufig sinnvoll, den Patienten darüber aufzuklären, dass das Erzwingen der Stuhlentleerung durch übermäßiges Drücken und Pressen unterbleiben sollte und dass täglicher Stuhlgang keinesfalls erforderlich ist.

Im Seminar »Medikationsmanagement bei geriatrischen Patienten in der Apotheke« gab Dr. Nina Griese zahlreiche Tipps für den Apothekenalltag, wie unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Interaktionen bei älteren Menschen erkannt und verhindert werden können. So lohne sich bei Beschwerden seitens des Patienten eine Überprüfung der Medikationen, denn für viele Medikamente bestehe eine Anwendungsbeschränkung oder Kontraindikation im Alter. Zudem sei bei älteren Patienten aufgrund der Polymedikation die Gefahr für Interaktionen sehr hoch. »Potenzielle Interaktionen sind nur zu erkennen, wenn die Medikations- und Personendaten gespeichert sind«, betonte Griese. Ältere und vor allem multimorbide Patienten sollten daher Hausapothekenkunden sein und eine Kundenkarte besitzen.

Hilfreich ist Renner zufolge auch, dem Patienten einen Flyer mitzugeben. Zum Beispiel für Patientinnen mit Vaginalmykosen können darin allgemeine Informationen und Ratschläge zusammengefasst werden. So könne man darauf hinweisen, dass übermäßiges Waschen mit Seifen und Badezusätzen zu vermeiden ist, dass Vaginaltabletten am besten im Liegen eingeführt werden und dass es nach dem Toilettenbesuch besser ist, von vorne nach hinten zu säubern, um keine Darmpilze in die Scheide zu schleppen. Obwohl eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr nur selten vorkommt, kann der Partner vorsichtshalber mitbehandelt werden. Weniger aufgeklärten Patientinnen könne man zudem versichern, dass eine Vaginalmykose nichts mit Unsauberkeit oder einer Geschlechtskrankheit zu tun hat und dass nahezu jede Infektion geheilt wird. Etwa drei Viertel aller Frauen leiden irgendwann einmal darunter.

 

Beratung bei der Erstverordnung

 

Arzneimittel wirken nicht von allein. Der Patient muss sie auch richtig anwenden, wozu eine kompetente Beratung in der Apotheke erforderlich ist. Darauf wies Dr. Hiltrud von der Gathen beim Seminar »Beratung bei der Erstverordnung von Arzneimitteln« hin. Am Beispiel der transdermalen therapeutischen Systeme (TTS) zeigte die Apothekerin aus Castrop-Rauxel, dass es unter anderem auf die korrekte Aufbewahrung und Zubereitung der Arzneiform sowie auf die richtige Anwendung auf der Haut ankommt. Egal ob Membranpflaster oder Matrixpflaster: »Beide Varianten müssen vor Sonne und Wärme geschützt aufbewahrt werden«, sagte von der Gathen. Und was ist mit Wärme, wenn das Pflaster schon auf der Haut klebt, etwa in der Sauna oder bei einer Rotlicht-Behandlung? Hier gilt es der Referentin zufolge aufzupassen. So könne die erhöhte Durchblutung zu einer erhöhten Resorption führen. Zudem liege der Wirkstoff in der Regel gelöst, suspendiert oder emulgiert in den Trägermaterialien vor. Wenn diese, etwa Alkohole, unter Wärmeeinwirkung verdampfen, können sich auch die Wirkstoffkonzentrationen ändern.

 

Einschränkung der Klebefläche, unsachgemäße Lagerung der nicht verwendeten Hälfte, Bildung spitzer Ecken und Auslaufen des Wirkstoffreservoirs (insbesondere bei Membranpflastern): Gegen das Teilen von Pflastern sprechen von der Gathen zufolge einige Gründe. »Zerschneiden ist immer Off-lable-Use«, brachte es die Apothekerin auf den Punkt.

 

Der Apotheker sollte dem Patienten immer erklären, an welche Hautstelle das Pflaster zu kleben ist (mindestens 30 Sekunden mit der flachen Hand andrücken) und ihn erinnern, diese regelmäßig zu wechseln. Dabei sollte die ausgewählte Stelle trocken, fettfrei und unverletzt sein. Männern kann der Apotheker den Ratschlag geben, nicht zum Rasierer zu greifen, um die Haut nicht unnötig zu reizen. »Besser ist es, die Haare an der ausgewählten Stelle mit der Nagelschere abzuschneiden«, sagte von der Gathen. Auch für Anwenderinnen von Hormonpflastern hatte sie einen Beratungshinweis. Die Pflaster sollten niemals auf die Brust oder in deren Nähe geklebt werden.

 

Bei der Erstanwendung sei es zudem ratsam, den Patienten über einen verzögerten Wirkbeginn zu informieren, da sich erst ein Hautdepot aufbauen muss. Im Falle von Scopolamin-haltigen Pflastern gegen Reiseübelkeit müsse der Patient zum Beispiel wissen, dass die Wirkung erst nach sechs Stunden einsetzt. Aufgrund der anticholinergen Wirkung reagieren viele Anwender mit Mundtrockenheit. »Empfehlen Sie, eine Flasche Wasser mit auf Reisen zu nehmen«, gab von der Gathen einen weiteren Ratschlag.

Im Seminar »Der richtige Umgang mit Insulin-Pens und anderen Applikationshilfen« stand die Beratung zur Anwendung von Insulinapplikationshilfen im Mittelpunkt. »Die Grundregel lautet, Pen, Patrone und Nadel jeweils von derselben Firma zu verwenden oder Produkte, die der Hersteller des Pens empfiehlt«, informierte Referent Dr. Horst Günter Klar. Zudem dürfe die Nadel immer nur einmal benutzt werden, betonte der Apotheker. Zur professionellen Beratung zähle, dass der Apotheker dem Patienten nicht nur sämtliche Funktionen der Applikationshilfen je nach Gerätetyp sowie die Vorbereitung beziehungsweise Durchführung der Insulinapplikation, sondern auch die Entsorgung und Aufbewahrung erklärt. Alle Teilnehmer bekamen die gängigsten Modelle in die Hand und übten, Patronen einzulegen, zu dosieren und den Pen korrekt auszulösen.

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