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Antibiotikaresistenz

Problemkeime auf dem Vormarsch

27.11.2012
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Von Ulrike Viegener / Anlässlich des Europäischen Antibiotika­resistenztags am 18. November wurden aktuelle Daten zur nationalen und europaweiten Situation der Antibiotikaresistenz veröffentlicht. Anlass zur Entwarnung gibt es nicht. Die Reserve­substanzen werden zunehmend unwirksam.

Um für Deutschland einen repräsentativen Überblick über die Resistenzsituation zu erlangen, wurde 2007 die deutsche Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) am Robert-Koch-Institut installiert. Sie erhebt fortlaufend Daten zu Antibiotikaverbrauch und Resistenzentwicklung. Bis 2011 wurden insgesamt 1,3 Millionen Bakterienisolate aus der stationären Versorgung und rund 800 000 Proben aus der ambulanten Versorgung untersucht. Das Ziel ist, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse Handlungskonzepte zu entwickeln, wie man den raffinierten Erregerstrategien wirkungsvoll begegnen kann.

 

Nach wie vor hauptverantwortlich für die sich verschärfenden Resistenzen ist der unkritische Einsatz von Antibiotika. Ein weiteres Problem ist die Missachtung elementarer Hygieneregeln. Es müsse in die Weiterbildung involvierter Berufsgruppen investiert werden, heißt es im Bundesgesundheitsblatt 11-12/2012, das sich im Schwerpunkt mit dem Thema Antibiotikaresistenz befasst. In der Oktober-Ausgabe sind Empfehlungen zum Handling multiresistenter gramnegativer Erreger veröffentlicht.

Am Beispiel der Carbapeneme lässt sich die Dynamik von Antibiotikaresistenzen gut verfolgen. Diese als Reserveantibiotika gedachte Arzneistoffgruppe wurde vor dem Hintergrund der Resistenzentwicklung gegenüber den üblich verwendeten Antibiotika vermehrt verordnet. Speziell sind hier die gramnegativen Erreger Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae zu nennen. Im ambulanten Bereich wurde bei beiden Erregern eine von Jahr zu Jahr zunehmende Nicht-Empfindlichkeit gegenüber Cefotaxim, einem Cephalosporin der dritten Generation, beobachtet. Auf Intensivstationen liegt die Nicht-Empfindlickeit von E. coli inzwischen bereits oberhalb der 10-Prozent-Marke. Als letzte wirksame Möglichkeit blieben oft nur Carbapeneme. Die Crux: Die steigende Verordnung führte relativ schnell zur Ausbreitung Carbapenemase-produzierender Bakterienstämme. Inzwischen wurden bereits mehrere Enzyme identifiziert, mit denen Bakterien Carbapeneme aushebeln können. Infolgedessen bezeichnet die ARS die Ausbreitung Carbapenemase-produzierender gramnegativer Bakterien als eine der drängendsten Herausforderungen der Gegenwart.

 

Etwas entspannter sieht die Situation bei den MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) aus. Zumindest für Deutschland verzeichnet das Robert-Koch-Institut für diese Problemkeime im stationären Bereich erstmals einen rückläufigen Trend. Im ambulanten Bereich dagegen scheinen sich MRSA weiter auszubreiten.

 

Doch auch hier bleibt die Lage europaweit betrachtet ernst. Laut aktuellem Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control liegt bei einem Viertel der Mitgliedsstaaten der Anteil der MRSA an allen invasiven Infektionen weiterhin über 25 Prozent. Betroffen seien hier vor allem Ost- und Südeuropa. /

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