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Zuckerverbrennung

Braunes Fett braucht kein Insulin

Braunes Fettgewebe ist für die Adipositas-Forschung interessant, weil es Energie nicht speichert, sondern verbrennt. Forscher aus Schweden haben jetzt herausgefunden, dass es dafür kein Insulin braucht.
Annette Mende
01.11.2019
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Fett ist nicht gleich Fett. Neben weißem Fettgewebe, das der Speicherung von Energie dient, haben vor allem Säuglinge braune Fettzellen, die Energie verbrauchen und daraus Wärme produzieren. Die Entdeckungen, dass auch beim Erwachsenen noch etwas braunes Fett vorhanden ist und dass sich vor allem weiße Fettzellen unter Umständen »bräunen«, also in braune Fettzellen umwandeln lassen, rückte diese vor einigen Jahren in den Fokus der Adipositas-Forschung. Das Ziel wäre, möglichst viele weiße Fettzellen bei Adipösen in braune umzuwandeln, wodurch die Fettpolster der Betroffenen quasi von alleine schmelzen würden.

Um diese Vorstellung vielleicht irgendwann Realität werden zu lassen, braucht es jedoch noch viel Grundlagenforschung. In diese Kategorie fällt eine Arbeit von Wissenschaftlern um Jessica Olsen von der Universität Stockholm, die jetzt . Die Forscher beantworten darin die Frage, ob für den Prozess der Energiegewinnung in braunen Adipozyten Insulin als Botenstoff notwendig ist. Dies war angenommen worden, da die Aktivierung von braunen Fettzellen über β-Adrenorezeptoren vermittelt wird, entsprechende Agonisten aber auch eine Insulin-Freisetzung triggern.

Doch die Umwandlung von Zucker in Energie in braunen Fettzellen läuft Insulin-unabhängig ab. Das konnten die Forscher in vitro an Zellkulturen sowie in vivo an Mäusen zeigen, indem sie den Insulin-abhängigen Signalweg mit einem spezifischen Inhibitor gezielt ausschalteten.

Was bedeutet das jetzt für die Praxis? Potenziell viel, wie Seniorautor Professor Dr. Tore Bengtsson in einer Mitteilung der Universität Stockholm erklärt: »Es bedeutet, dass der Signalweg in braunem Fettgewebe, den wir untersucht haben, mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes aktiviert werden kann, deren Insulin-Sensitivität gestört ist.« Die Arbeit zeigt somit einen möglichen Ansatzpunkt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas auf, der auch bei Typ-2-Diabetikern genutzt werden könnte. Wann das der Fall sein könnte, steht allerdings noch in den Sternen.

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