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Zwischenahner Dialog

»Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein«

»Die Apotheker sind digital so gut aufgestellt wie kaum eine andere Branche im Gesundheitswesen.« Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbandes Niedersachsen (LAV), Berend Groeneveld, beim 15. Zwischenahner Dialog zum Thema »Digitale Gesundheitswelten« vergangene Woche in Bad Zwischenahn.
Christiane Berg
27.05.2019
Datenschutz bei der PZ

»Wir haben uns hier schon sehr früh eingebracht«, konstatierte Groeneveld mit Verweis unter anderem auf die Initiative Securpharm zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen sowie die Entwicklung der Web-App des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), mit der Patienten zukünftig ihre Rezepte online einsehen und in jeder Apotheke einlösen können sollen.

Er begrüße die Entwicklung digitaler Innovationen insbesondere dann, wenn diese den Leistungserbringern, sprich: Ärzten und Apothekern, mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben, also die medizinische und pharmazeutische Versorgung und Betreuung ihrer Patienten bringt, sagte Groeneveld. »Digitalisierung ist wertvoll, wenn sie die verstärkte Vernetzung der Heilberufe untereinander und somit verbesserte medizinische und pharmazeutische Dienstleistungen zum Wohl des Patienten ermöglicht«, betonte der LAV-Vorsitzende bei der Veranstaltung des niedersächsischen Apothekerverbands unter Moderation des Pressesprechers der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Dr. Reiner Kern.

»Im Fokus der Tätigkeit von Ärzten und Apothekern steht der Patient. Der Erhalt oder die Wiederherstellung seiner Gesundheit ist unser fundamentales Ziel«, so Groeneveld weiter. Er unterstrich, dass »Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern lediglich ein weiteres Mittel zum eigentlichen Zweck, der Verbesserung der evidenzbasierten medizinischen und pharmazeutischen Versorgung« sein darf. Hier liege ein großes Potenzial, wenn es klug erschlossen werde.

Groeneveld betonte, dass bei allem heilberuflichem Engagement auf dem Gebiet der Digitalisierung im Gesundheits- und Apothekenwesen den Themen Datenschutz, informelle Selbstbestimmung und Gleichpreisigkeit größte Bedeutung zugemessen werden muss. »Hier müssen einheitliche und sichere Regelungen geschaffen werden«. Und: »Jeder Mensch muss auch zukünftig gleichen Zugang bei gleichen Kosten zu allen Arzneimitteln haben«, sagte er.

»Digitalisierung ist nicht als Selbstzweck gedacht. Es geht darum, dass wesentliche Abläufe und Prozesse im Gesundheitswesen ganzheitlich erneuert und optimiert werden«, unterstrich Brigitte Käser, Geschäftsführerin Gesundheitsmanagement ambulant der AOK Niedersachsen. Als einen Vorteil erhoffe auch sie sich eine bessere Vernetzung der Leistungserbringer mit »mehr Zeit für das Wesentliche durch Bürokratieabbau«.

Es gebe noch keine langfristigen und gesicherten Ergebnisse. Dennoch belegen erste Studien Effizienzsteigerungen durch digitale Anwendungen, sagte Käser, die jedoch auch auf Grenzen und Risiken der Digitalisierung verwies. So gebe es mit Blick auf den Datenschutz keine hundertprozentige Sicherheit. »Datenangriffe machen auch vor sensiblen Gesundheitsdaten nicht halt«, warnte sie. Auch könne der Umgang und die Nutzung der eigenen Gesundheitsdaten angesichts der zunehmenden medizinischen Datenmengen für den Einzelnen früher oder später zum Problem werden.

Ob elektronische Krankenakten und Arzneimitteldaten per App oder Telemedizin und Videosprechstunden zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung gerade im ländlichen Raum: Generell, so Käser, verspreche auch sie sich durch die Digitalisierung im Gesundheitswesen eine bessere und effizientere medizinische und pharmazeutische Versorgung durch übergreifende und schnelle Kommunikationsmöglichkeiten. Zwar habe »das digitale Zeitalter bei den Krankenkassen erst begonnen«: Der hohe Disruptionsdruck und die starke Dynamik durch zahlreiche Treiber mache die verstärkte Beteiligung auch der Kassen an der Digitalisierung jedoch unumgänglich.

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