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Es gibt immer noch viel zu tun

20.06.2005
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PHARMAZIE

Klinische Pharmazie

Es gibt immer noch viel zu tun

 

von Astrid Karstens, Petra Högger, Ulrike Langer und Charlotte Kloft, Würzburg

Die Etablierung des Fachs Klinische Pharmazie muss bis zum Sommersemester 2005 an den Universitäten umgesetzt sein. Ein Workshop der DPhG erarbeitete den Status quo. Das Ergebnis im Vergleich zu 2003: Es gibt immer noch viel zu tun und die Zeit drängt.

Seit Wintersemester 2001/2002 studieren Pharmazie-Erstsemester nach der im Oktober 2001 in Kraft getretenen novellierten Approbationsordnung (AAppO), die das Fach Klinische Pharmazie als neues fünftes Lehr- und Prüfungsfach vorschreibt. Die Umsetzung muss bis Ende des Sommersemesters 2005 abgeschlossen sein. Danach muss an jedem pharmazeutischen Institut eine eigene Prüfung im 2. Staatsexamen im Fach Klinische Pharmazie abgenommen werden. Fakultativ kann das Wahlpflichtfach Klinische Pharmazie angeboten werden. Vor diesem Hintergrund fand am 24. und 25. September 2004 in Würzburg ein Workshop mit dem Thema »Klinische Pharmazie als Wahlpflichtfach« statt, der von der Fachgruppe Klinische Pharmazie der DPhG initiiert wurde. Die Auswertung einer im Vorfeld des Workshops durchgeführten Fragebogenaktion zum geplanten Angebot an Lehrveranstaltungen nach der Übergangsphase Ende Sommersemester 2005 ergab: Es gibt noch viel zu tun.

Insgesamt nahmen 20 der 22 Institute an der Aktion teil. Die Umfrage ergab, dass 60 Prozent nach der Übergangsphase das Seminar »Klinische Pharmazie« laut Musterstudiengang in einem Umfang von 84\ Stunden anbieten wollen. Jeweils ein weiteres Institut sieht für dieses Seminar einen geringeren Umfang von 56 beziehungsweise 70 Stunden vor, zwei Institute einen erhöhten von 98 Stunden. In einem Institut ist das Seminar noch in Planung und von drei Instituten gab es hierzu keine Angaben. Wiederum 60 Prozent der Institute mit Angebot eines Seminars »Klinische Pharmazie« wollen das Seminar im 7. und/oder im 8. Semester anbieten, 15 Prozent werden das Seminar noch weiter aufgeteilt vom 6. bis 8. Semester anbieten, jeweils 5 Prozent der Institute wollen das Seminar im 5. und 8. Semester beziehungsweise im 5., 6. und 8. Semester anbieten. Dabei ist fraglich, ob es sinnvoll ist, die Studierenden des 5 und 6. Semesters das Seminar »Klinische Pharmazie« absolvieren zu lassen, da erst ab dem 5. Semester die Grundkenntnisse in Pathophysiologie, Pathobiochemie, Klinischer Chemie, Pharmakologie und Toxikologie und Krankheitslehre vermittelt werden. Um Fallbeispiele anhand von Patientenaktendaten im Seminar »Klinische Pharmazie« bearbeiten und Lösungen erarbeiten zu können, was ein Ziel des Seminars darstellt, bedarf es eines fundierten pharmakologischen Verständnisses.

 

Aufruf an die Fachschaften Um die Veränderungen in der Planung und Umsetzung des Faches Klinische Pharmazie in den pharmazeutischen Instituten weiterzuverfolgen, wird auch dieses Jahr wieder eine Fragebogenaktion durchgeführt werden, wobei der Fragebogen gezielter hinsichtlich einzelner Lehrveranstaltungen wie zum Beispiel den Verantwortlichkeiten für die einzelnen Lehrveranstaltungen, den einzelnen Lehrveranstaltungen inkl. Pharmakoepidemiologie und -ökonomie und dem Wahlpflichtfach ausgerichtet sein wird. Wir hoffen, dass dann auch die Antworten der Fachschaften ins Gewicht fallen werden, da bei der Fragebogenaktion nur von drei Fachschaften ausgefüllte Fragebogen zurückkamen. Das lässt darauf schließen, dass zum einen die Fachschaften nicht in die Planung einbezogen werden und zum anderen, dass die laufenden Lehrveranstaltungen noch nicht als eigenständige Lehrveranstaltungen im Fach Klinische Pharmazie angeboten beziehungsweise als solche nicht erkannt werden.

  

Die Gestaltung des Seminars »Klinische Pharmazie« ist bei 5 Prozent der Institute noch nicht abgeschlossen und von 10 Prozent der Institute sind keine Angaben bekannt. Lehrveranstaltungsleiter werden an lediglich acht Instituten Hochschullehrer der Klinischen Pharmazie (5 Professoren, zwei habilitierte Dozenten, 1 Juniorprofessor der Klinischen Pharmazie), an vier weiteren Professoren anderer pharmazeutischer Fächer, an drei Standorten Klinikapotheker und in einem weiteren ein Professor der Medizin sein. Die Funktion des Lehrveranstaltungsleiters soll in zwei Instituten aufgeteilt werden, in dem einen ein Professor der Pharmazie und ein Klinikapotheker und in dem anderen ein Professor der Pharmazie und ein Professor der Medizin. Für einen Standort lautete die Planung lediglich »Pharmazeut«.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der im Jahr 2003 durchgeführten Fragebogenaktion ist eine Zunahme des Lehrangebots im Sommersemester 2004 (insgesamt 42 bezogen auf 20 Institute; 2003: insgesamt 31 bezogen auf 17 Institute) sowie des geplanten Lehrangebots festzustellen. Bei genauerer Betrachtung ist der Zuwachs jedoch größtenteils auf eine Integration in andere Lehrveranstaltungen und dadurch Zersplitterung auf andere Fächer beziehungsweise Dozenten anderer Fächer zurückzuführen. Insgesamt ergibt sich ein sehr heterogenes Bild. Zum Zeitpunkt der Beantwortung des Fragebogens existieren nur zwei Universitätsprofessuren im Fach Klinische Pharmazie. Weitere zwei Professuren sind ausgeschrieben und sollen demnächst besetzt werden.

16 der 20 Institute gaben an, dass es nach dem Sommersemester 2005 eine Prüfung im Fach Klinische Pharmazie geben soll. Die Prüfer werden in drei Instituten jeweils ein Professor im Fach Klinische Pharmazie, in zwei Instituten jeweils ein habilitierter Dozent im Fach Klinische Pharmazie und in einem Institut ein Juniorprofessor im Fach Klinische Pharmazie sein. Ansonsten dominiert auch hier wieder die Heterogenität: es sollen Professoren anderer pharmazeutischer Fächer, Medizinprofessoren und Klinikapotheker die Prüfung abnehmen. Teilweise werden auch kollegiale Prüfungen erwähnt, das heißt, die Prüfung wird von Prüfern unterschiedlicher Fachrichtungen gestaltet und beurteilt. Genauere Angaben, wie dies geschehen soll, liegen nicht vor.

Insgesamt lassen die teilweise unvollständigen Angaben der Fragebögen vermuten, dass an dem jeweiligen Standort noch keine klaren Vorstellungen zur endgültigen Gestaltung der Lehre und der Prüfungen bestehen. Dies zeigt, dass es noch immer ein weiter Weg bis zur vollständigen Etablierung des Fachs Klinische Pharmazie an den deutschen Hochschulen ist. Das Fazit der Arbeitsgruppe lautet insofern ähnlich wie 2003 (es gibt viel zu tun): Es gibt immer noch viel zu tun. Zudem wird die Zeit für die Umsetzung immer knapper.

 

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