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Größe ist nicht alles

12.07.2004
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Kooperation

Größe ist nicht alles

von Hartmut Morck und Daniel Rücker, Merchweiler

Seit dem GKV-Modernisierungsgesetz setzen Apotheker stärker auf die Zusammenarbeit mit Kollegen. Vor allem große Kooperationen wie Linda oder parmapharm haben Zulauf. Andere Apotheker sehen in kleineren Kooperationen eher die Chance, ihre beruflichen Ideale zu verwirklichen. Eine solche Vereinigung entsteht zurzeit im Saarland.

Größe ist für die Saarländer nicht der wichtigste Erfolgsfaktor. "Unser Anspruch ist Kundenbindung über eine hohe Qualität", erläutert Helmut Krämer, Apotheker im saarländischen Merchweiler und Gründungsmitglieder 1A-gesund-Apotheken, die Zielsetzung der nunmehr 20 saarländischen Apotheken, die sich zu einem kleinen regionalen Verbund zusammengeschlossen haben. Die meisten Apothekenleiter kannten sich bereits seit einigen Jahren über ein Diabetes-Programm eines Pharmaunternehmens. Im April 2003 gründeten 12 Apotheken den Verein "1A-gesund-Apotheken".

Im Vergleich zu großen Kooperationen setzen die Vereinsmitglieder auf weitaus mehr persönliches Engagement. "Wir kaufen keine Leistungen von außen dazu", sagt der Vereinsvorsitzende Manuel Meissner aus Ottweiler. Stattdessen gibt es Projektgruppen, die Themen wie Asthma oder orthomolekulare Medizin erarbeiten, sich um die Pressearbeit oder den gemeinsamen Auftritt auf Messen oder regionalen Gesundheitstagen kümmern. Etwa einen Tag pro Monat investiert jedes Vereinsmitglied an Arbeitsleistung in den Verein, so Meissner. Die Mitgliedschaft in einer weiteren Kooperation beurteilen Krämer und Meissner skeptisch. Deren Zielsetzung sei oft eine andere als die der 1A-gesund-Apotheken. Erst vor kurzem sei eine Kollegin ausgeschieden, nachdem sie sich Linda angeschlossen hatte, so Meissner.

Der Vereinsvorsitzende sieht im Do-it-yourself einen deutlichen Vorteil zu den großen Kooperationen. Da die Projekte im Konsens beschlossen und gemeinsam erarbeitet würden, stünden die Mitglieder vollständig hinter den Aktionen. Im Übrigen sei es nicht immer der Leiter, der die Apotheke im Verein vertrete. Auch leitende Apothekenmitarbeiter seien hier aktiv.

Aus Überzeugung legen die Vereinsmitglieder die Qualitätsstandards in ihren Apotheken hoch. Eine gewisse Leistungsfähigkeit, also auch die Größe, sei Voraussetzung für die Aufnahme in den 60 Verein. Einen expliziten Gebietsschutz für die Mitglieder gibt es dagegen nicht. "Ein aktives neues Mitglied bringt den Verein weiter. Wenn jemand dies nur aus Konkurrenzdenken verhindern will, habe ich dafür kein Verständnis." Entscheidungen über Neuaufnahmen werden gemeinsam getroffen. Wichtig sei, "dass die Einstellung stimmt". Dazu gehört vor allem Freude am Beruf und Lust auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Eine offene und partnerschaftliche Atmosphäre ist laut Meissner wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Kooperation. Das Gemeinschaftsgefühl geht sogar so weit, dass sich Mitglieder des Vereins beim Personal aushelfen. Bislang seien dies jedoch eher seltene Einzelfälle, so Krämer.

Wie bei anderen Kooperationen geht es bei den 1A-gesund-Apotheken natürlich auch um ökonomische Aspekte. Eine Verbesserung der Einkaufskonditionen über die gebündelte Nachfragemacht soll den Ertrag der Apotheken steigern. Dabei will man sich jedoch nicht zu eng an einen Großhändler binden. Autonomie ist für die Vereinmitglieder von zentraler Bedeutung. Bislang haben sich die Apotheken nicht einmal auf einen gemeinsamen Großhändler verständigt. Krämer schließt jedoch nicht aus, dass dies mittelfristig nötig sein wird.

Ebenso denkt man über eine elektronische Vernetzung der Apotheken nach. Hier bereitet bislang jedoch die mangelnde Kompabilität der Apothekensoftware verschiedener Hersteller Probleme. Allerdings will ein Softwarehaus noch in diesem Jahr eine Option für den Systemgrenzen überschreitenden Datenaustausch anbieten.

Auch in der Organisationsform ist die Kooperation noch nicht an ihrem Endpunkt angekommen. Meissner und Krämer wissen, dass die Gründung einer GmbH sinnvoll sein kann. Andere kleinere Kooperationen sind diesen Schritt bereits mit Erfolg gegangen. Meissner will auch nicht ausschließen, dass eine solche GmbH irgendwann direkt Verträge mit Krankenkassen abschließt.

Aktuell gibt es aber noch keine vertraglichen Bindungen zu einer Kasse. Der Vereinsvorsitzende sieht deshalb auch keine Schwierigkeiten mit dem Saarländischen Apothekerverband. Er selbst ist wie seine Kollegen weiterhin Mitglied im SAV.

Auf permanentes Wachstum setzt der Verein nicht. Mehr als 40 Mitglieder werden die 1A-gesund-Apotheken auch in Zukunft nicht haben, sind sich Meissner und Krämer sicher. Bewusst will man sich als kleiner Zusammenschluss mit klarer regionaler Ausrichtung positionieren und gegen die großen bundesweiten Apothekenkooperationen abgrenzen.

Da Größe jedoch abhängig von der politischen Entwicklung der kommenden Jahre unbestrittene Vorteile bieten kann, suchen Meissner und Krämer den Kontakt zu anderen regionalen Verbünden. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Die beiden Apotheker sind sich jedoch sicher, dass sie auch bei einer möglichen Aufhebung des Fremdbesitzverbotes einen Weg finden werden, ihre Apotheken gemäß ihrem Berufsverständnis eigenverantwortlich weiter zu führen. Top

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