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Weinhandel

17.01.2005
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Wir wissen nicht, was der Sommelier des Kanzlers kredenzen wird. Vielleicht erneut einen Bordeaux für die illustre Runde von Pharmamanagern. Die sind wieder einmal ins Kanzleramt geladen, um über die deutschen Arzneimittelpreise zu reden.

Gemeinsam mit den Superministern Ulla Schmidt und Wolfgang Clement will Gerhard Schröder die mächtigsten deutschen Pharmabosse ins Gebet nehmen. Bevor die vermuteten Ausgabensteigerungen zu Buche schlagen, will der Regierungschef die Großindustrie auf Linie bringen. Oder wenigstens die, bei denen er eine reelle Chance dafür sieht.

Denn einer ist längst ausgeschert: Walter Köbele, Deutschland-Chef des weltweit größten Pharmakonzerns Pfizer, „läuft Amok“, wie es einem Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag entfuhr. Der Pfizer-Chef will sich mit seinem Medikament Sortis nicht dem Festbetrag unterwerfen und hat eine breite Kampagne angezettelt. Zum einen will er die aktuelle Gesundheitspolitik brandmarken, zum anderen aber auch das eigene Produkt im Wettbewerb halten (siehe auch hier).

Nicht nur in der Politik, sondern auch bei Krankenkassen, in der Ärzteschaft, bei Apothekern und sogar bei manchen Herstellern sieht man Köbeles unerschöpflichen Aktionismus mittlerweile sehr kritisch. Das ohnehin arg ramponierte öffentliche Ansehen der Pharmaindustrie wird fortwährend malträtiert. Auf den Pfizer-Zug mag so recht kein anderer Konzern mehr aufspringen.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Kanzler Köbele über die Medien wissen lässt, dass er nicht willkommen ist. Eine Ausladung ohne Einladung sozusagen. Dem Pfizer-Chef wird es egal sein. An der vertrackten Situation ändert es nichts. Pfizer wird in Deutschland zum Outlaw, in den Medien zum Synonym für den mächtigen Pharmakonzern, der sich mit der Regierung anlegt, um den Profit zu sichern.

Und so sitzen nun die übrig gebliebenen Granden der deutschen pharmazeutischen Großindustrie bei Schröder und denken gemeinsam mit ihm nach, wie man dem Gesundheitssystem nützen kann, ohne den – meist multinationalen – Konzernen zu schaden.

Ähnlich und doch wohl ganz anders geht es bei den Verhandlungen zu, die die Krankenkassen direkt mit einigen großen Generikaherstellern führen. Auch hier werden – ob bei Bordeaux oder Selters – die Köpfe zusammengesteckt. Auch hier geht es um Millionen: um Rabatte. Die Kassen wollen das Geschäft direkt mit den Herstellern machen.

Egal, ob beim Kanzler oder beim Kassen-Vorstand: Die Verhandlungen laufen vorbei an denen, die den Draht zum Patienten halten. Kaum zu glauben, dass Kanzler oder AOK-Chefs das Wort Arzneimittelqualität bei den Verhandlungen in den Mund nehmen werden. Manch ein Hersteller wird frohlocken, wird den Patienten direkt informieren wollen, dafür die Apothekenstufe gern liberalisieren und dort sparen. Aber nicht am Konzerngewinn. Gut möglich, dass dem Kanzler diese Position sympathisch ist.

Gleichgültig, welcher Wein ausgeschenkt wird: Es ist Wein aus alten Schläuchen. Wenn die großen Hersteller direkt verhandeln, dann bleiben Apotheken, Großhandel und auch die vielen kleinen und mittleren Hersteller außen vor. Wenn im Wein eine Wahrheit liegt, dann die.

Thomas Bellartz
Leiter der Hauptstadtredaktion
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