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Krankenkassen verhandeln mit Arzneimittelfirmen

17.01.2005
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Rabatte

Krankenkassen verhandeln mit Arzneimittelfirmen

von Daniel Rücker, Eschborn

Seit einem Jahr dürfen Krankenkassen mit Arzneimittelherstellern über Rabatte verhandeln. Doch erst jetzt scheinen Kassenvertreter den § 130a SGB V als Instrument zur Kostendämpfung erkannt zu haben.

Die Pioniere auf der Kassenseite sitzen beim Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) und der Barmer Ersatzkasse. Nach einem Bericht des Handelsblattes verhandeln BKK und Barmer mit mehreren Herstellern über Preisnachlässe. Das Ganze geschieht allerdings höchst konspirativ. Angaben über den Stand der Verhandlungen sind den Kassen ebenso wenig zu entlocken wie die Namen der Unternehmen, mit denen sie verhandeln. Allein der Generika-Hersteller Ratiopharm outete sich auf Anfrage des Handelsblattes als Teilnehmer an den Gesprächen.

Erstaunlicherweise hat zumindest der BKK-Bundesverband sogar die Umsetzung des Vertrages zur Verschlusssache erklärt. Nicht einmal die PZ-Anfrage, wie die Kassen sicherstellen wollen, dass ihre Versicherten tatsächlich die Arzneimittel erhalten, für die ein Rabatt ausgehandelt wurde, wollte der Verband beantworten. Dies sei Bestandteil der Verhandlungen.

Bei der Umsetzung des Vertrages dürften die Betriebskrankenkassen gegenüber der Barmer im Nachteil sein. Der Ersatzkasse fällt es über den Integrationsvertrag mit Apothekern und Hausärzten leichter, Patienten mit den entsprechenden Medikamenten zu versorgen. Da sich in den ersten beiden Wochen bereits mehr als 10.000 Hausärzte eingeschrieben haben, steht einem Erfolg des Konzeptes auch wenig im Wege. In der Integrierten Versorgung ist es zudem möglich, von der Aut-idem-Regelung abzuweichen.

Grundsätzlich dürften auch bei den Betriebskrankenkassen die Apotheker eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Schon seit einiger Zeit bieten Deutscher Apothekerverband und Landesapothekerverbände unter dem Begriff „honorierte Wirtschaftlichkeit“ ihre Mitarbeit an.

Das Konzept ist denkbar einfach: Unter der Voraussetzung, dass die Ärzte eine Substitution nicht ausschließen, garantieren Apotheker, dass die Patienten einer Kasse möglichst wirtschaftlich versorgt werden. Für diese Dienstleistung können sie von der Kasse ein Honorar erhalten.

ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf begrüßt die Entwicklung ausdrücklich. „Die Apotheker werden alles tun, damit diese Verhandlungen ein Erfolg werden. Es sei zu begrüßen, dass sich die Krankenkassen die Rabatte nun an der richtigen Stelle, nämlich beim Produzenten abholen wollen. Wenn die Kassen die Möglichkeiten von §130 a intensiv nutzen, könnte dies die Diskussion um angeblich zu hohe Einkaufsvorteile der Apotheker beenden.

Die kleineren Pharmafirmen schauen allerdings mit Sorge auf das Treiben der Kassen. Gegenüber dem Handelsblatt vermutete Hermann Kortland, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH), dass die mittelständischen Unternehmen im härteren Wettbewerb nur dann eine Chance hätten, wenn sie exklusive Arzneimittel im Sortiment haben. Der BAH befürchtet eine weitere Beschleunigung des Konzentrationsprozesses.

Kanzlerrunde

Während die kleinen Unternehmen Angst vor Rabattverhandlungen haben, sehen die großen Firmen in den Krankenkassen offensichtlich nicht den richtigen Ansprechpartner. Sie sprechen lieber mit dem Kanzler. Allerdings geht es hierbei nicht um Rabatte, sondern um die Ausdehnung der Festbetragsregelung auf bestimmte patentgeschützte Arzneimittel.

Nach Angaben von Regierungssprecher Bela Anda will Gerhard Schröder unbedingt „im Gespräch mit der Pharmaindustrie“ bleiben. Die Pharmaindustrie sei eine der Schlüsselindustrien für Deutschland. Bei dem Treffen, das möglicherweise noch in diesem Monat stattfindet, soll es auch um die Refinanzierung der Forschungsaufwendungen gehen.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ seien die Chefs von Schering, Merck und Astra-Zeneca als Gäste für die Kanzlerrunde im Gespräch. Teilnehmen sollen auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sowie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, eventuell auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (alle SPD). Schröder wolle mit den Firmenchefs über die seit Anfang 2005 geltenden Arzneimittel-Festpreise reden. Die Branche befürchte durch die Regelungen Umsatzeinbußen und Abstriche bei der Forschung. Nicht eingeladen werden soll dem Bericht zufolge der Deutschland-Chef von Pfizer, Walter Köbele. Top

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