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Der Master wird kommen

07.02.2005
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Bologna-Prozess

Der Master wird kommen

von Christine Sandmaier, Mainz

Der Master wird kommen. So lautete das Fazit des Hochschulforums der Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik (APV) und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG).

Eigentlich wollte man über das »Ob« einer Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen diskutieren. Spätestens mit der Ansprache von Professor Dr. Reinhard Neubert, Pharmazeutischer Technologe der Universität Halle, wurde deutlich, dass es lediglich eine Frage der Zeit ist, wann die Bologna-Vorgaben auch in der Pharmazie umgesetzt werden. Die politischen Weichen sind längst gestellt. Zwar ist der § 19 des neuen Hochschulrahmengesetzes nur eine Kann-Bestimmung, doch die geplante europäische Harmonisierung der Hochschulen macht internationale Abschlüsse zu einer Notwendigkeit, wenn deutsche Studenten in Zukunft nicht in im Abseits stehen sollen. Außer in Medizin und Pharmazie werden Bachelor und Master für viele Studenten anderer Studiengänge bereits zum Wintersemester 2006/07 Realität sein.

Wenn ja, dann so

Abwarten bedeute, Entscheidungen anderen zu überlassen. Besser sei es, die Chancen der geplanten Reform zu erkennen und sich rechtzeitig mit ihr auseinanderzusetzen um eigene Vorstellungen aktiv einbringen zu können, so der Konsens der informellen Veranstaltung von DPhG und APV.

Daher wurde die Arbeitsthese zu Bachelor- und Masterstudiengängen in »...\x0fwenn ja, dann so!« umformuliert. Auf der Grundlage des ‚schweizerischen Modells’ formulierten die Teilnehmer Eckpunkte einer Stellungnahme. Diese sollen dann mit der Bundesapothekerkammer (BAK) diskutiert werden.

Die fünfjährige Apothekerausbildung in der Schweiz sieht einen Bachelor nach drei und einen Master nach zwei weiteren Jahren vor. Im achten Semester wird eine Diplomarbeit angefertigt. Daran schließt sich eine einjährige Assistenzzeit an, wobei der praktische Teil in einer Apotheke nur 30 Wochen beträgt. Das Studium endet mit einer Staatsprüfung, dem Eidgenössischen Apothekerdiplom. Die Befürchtungen, die der ehemalige BAK-Präsident Johannes M. Metzger anlässlich des letzten Apothekertag geäußert hatte, der Master könne nur einem kleinen Teil der Studierenden offen stehen und mit dem Bachelor könne ein kostengünstiger »Schmalspurapotheker« produziert werden, wurde auf dem Hochschulforum aufgegriffen.

Um ihrem Sicherstellungsauftrag gerecht werden zu können ist es absolut notwendig, dass Apotheker in Zukunft mindestens einen Masterabschluss machen. Dadurch verlängert sich die Ausbildung zwangsläufig. Zusammen mit einem vorgeschriebenen Akkreditierungssystem, das die Umsetzung der Kultusministerkonferenz-(KMK-) Richtlinien prüft, würde es statt der vielerorts befürchteten Qualtiätsminderung eher zu einer Aufwertung des Studiums kommen.

Damit steigt allerdings auch der Aufwand für Lehrende. Mehr studienbegleitende Leistungsprüfungen, neue Schlüsselqualifikationen und Wahlmöglichkeiten der Studenten werden zusätzlich die Kosten in die Höhe treiben. Dies könnte einen Rückgang der Studentenzahlen auslösen, sofern nicht mehr Mittel zur Verfügung gestellt würden.

Eine Masterarbeit trägt zusätzlich zur Aufwertung des Pharmaziestudiums bei. Es wäre denkbar, dass sie zukünftig in manchen Arbeitsfeldern der Industrie als Beleg eigenständigen Arbeitens ausreicht, anstelle einer Promotion, so Professor Dr. Ingfried Zimmermann, vom Pharmazeutischen Institut in Würzburg.

Für die Zukunft der Pharmazie ist es wichtig, ihren Solitärstatus aufzugeben und sich Studenten anderer Fächer zu öffnen. Um dabei die Idee eines grundständigen Pharmaziestudiums nicht völlig aufzugeben, könnten bestimmte pharmazeutische Mindestpflichtmodule während des Bachelors vorausgesetzt werden.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um Lehrex- und Importe wurde die Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundlagen der Bachelorausbildung, analog dem heutigen Grundstudium betont. Erst die Masterausbildung solle sich mehr an medizinische Fächer anlehnen. Eine Chance bietet die Einführung von Wahlmodulen, die eine Profilierung der Hochschulen ermöglichen und damit den Wettbewerb untereinander fördern würden.

Mehr Flexibilität

Bereits im Rahmen der letzten Lesmüller-Vorlesung in Erlangen wurde die Frage aufgeworfen, wie das Berufsbild eines Bachelor-Absolventen aussehen könne und wie seine Arbeitsmarktchancen wären. Professor Dr. Ronald Ziegler von der Fachhochschule Sigmaringen, die schon heute das zweigliedrige Modell praktiziert, wies darauf hin, dass der Bachelor definitionsgemäß berufsqualifizierend ist. Seine Vorteile liegen in der erhöhten Flexibilität für Studenten. So erleichtert dieser Abschluss nicht nur die Mobilität innerhalb Europas, sondern auch zwischen Industrie und Universität. Es sei dann zum Beispiel möglich, nach dem Bachelor einige Jahre in der Industrie zu arbeiten und später seinen »Master of Science« nachzumachen, oder einen Master in Wirtschaftswissenschaften draufzusetzen.

Weitgehend einig waren sich die Anwesenden darin, dass eine Spezialisierung der Ausbildung möglichst spät erfolgen und die Approbationsordnung in großen Teilen beibehalten werden soll. Große Wahlmöglichkeiten würden Lehrinhalte der Pflicht-Module zu stark einschränken.

Die meisten der Anwesenden begrüßten eine grundlegende Reform des Pharmaziestudiums mit einer Neugewichtung der Lehrinhalte. Wie dies konkret innerhalb des Bachelor- und Master-Studienmodells umgesetzt werden kann, muss in weiteren Diskussionsrunden geklärt werden.

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