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Wenn plötzlich die Sprache ausbleibt

26.03.2001
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SELBSTHILFEGRUPPEN

Wenn plötzlich die Sprache ausbleibt

von Christiane Berg, Hamburg

Aphasie heißt Sprachverlust. An einer Störung des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion leiden in Deutschland circa 400 000 Menschen. Ursache ist meist eine Schädigung der linken Hirnhälfte durch Schlaganfall, Arbeits-, Sport- oder Verkehrsunfälle, Hirntumore, -blutungen oder -entzündungen. Jährlich kommen etwa 80 000 Neuerkrankungen hinzu.

Zur medizinischen Erstversorgung zählen neben der Behandlung der Primär- oder Akuterkrankung, sprach-, ergo- und physiotherapeutische sowie krankengymnastische und neuropsychologische Maßnahmen. Im Verlauf der Genesung können unterschiedlich schwere Störungen zurückbleiben.

"Je nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung können mit dem Sprachzentrum verbundene Bereiche wie Lesen, Schreiben, Gestik und Mimik beeinträchtigt sein. Es können neben der Aphasie körperliche Schwierigkeiten wie Halbseitenlähmung und Gesichtsfeldausfall oder psychosoziale Probleme wie Ängste, depressive Verstimmungen oder Unsicherheit auftreten", beschreibt Dr. Erich Rieger vom Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V. (BRA), Würzburg, das große Leid der Betroffenen.

Zuhören bedeutet warten

"Immer ist die Aphasie eine lebensbegeleitende Behinderung, die gravierende psychosoziale Veränderungen und massive Einschränkungen im Alltag mit sich bringt", sagt der BRA-Geschäftsführer und verweist auf die mit der Aphasie oftmals verbundene frühzeitige Rente und den Statusverlust, der sich wiederum negativ auf das familiäre und gesellschaftliche Leben auswirken kann. Rieger: "Es ist eine grausame Erfahrung, aufzuwachen und nicht mehr sprechen zu können." Um die Not der Patienten ein wenig zu lindern, sei es besonders wichtig, dass Angehörige, Freunde, Pflegende und Therapeuten trotz der Sprachstörung versuchen, eine intensive Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Den Aphasiker zu verstehen, bedeute "warten, mitdenken, beobachten, Eselsbrücken nutzen", es bedeute auch "nicht aufgeben, dranbleiben, gegebenenfalls dem anderen helfen, den Satz noch einmal von vorn zu beginnen". Damit Aphasiker andere verstehen, bedürfe es wiederum großer Ruhe ohne Hintergrundgeräusche und einer langsamen und deutlichen Sprache. Wichtig für erfolgreiche Gespräche seien außer Tonfall und Körpersprache auch andere nonverbale Signale wie Bilder und Texte.

Wege der Bewältigung

Zusammen mit elf Landesverbänden hat der BRA 200 Selbsthilfegruppen aufgebaut, in denen Betroffene computergestützt Sprache und Kommunikation trainieren und Selbstständigkeit üben können. Auch Angehörigen wird praktische Hilfe wie Entspannung, Krisen- oder auch Eheberatung geboten. Zur Unterstützung und Betreuung der Regionalgruppen und Stützpunkte wurden in verschiedenen Städten Aphasiker-Zentren eingerichtet. Diese haben sich zur Aufgabe gemacht, die Patienten schrittweise darauf vorzubereiten, erneut Selbstverantwortung zu übernehmen.

Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung über rechtliche Fragen und Reha-Maßnahmen oder wohnortnahe ambulante Weiterbehandlung, Vermittlung von Kontakten, Ausbildung und Schulung ehrenamtlicher Helfer: Der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e. V. Robert-Koch-Straße 34, 97080 Würzburg, Telefon (09 31) 25 01 30-0, will der sozialen und beruflichen Benachteiligung entgegenwirken. Rieger: "Die Zahl der Betroffenen nimmt erschreckend zu. Gemeinsam mit ihnen und ihren Familien suchen wir Wege der Bewältigung." Top

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