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Licht am Ende des Tunnels

22.03.2004
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Bayer

Licht am Ende des Tunnels

von PZ/vwd/dpa

Nach dem wohl schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte erwartet die Bayer AG für 2004 wieder steigende Gewinne. Die ersten beiden Monate dieses Jahres gäben Anlass zu verhaltenem Optimismus, sagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning bei der Vorlage der Konzernbilanz.

Im vergangenen Jahr ist der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern durch Wertberichtigungen, Abschreibungen und Restrukturierungen tief in die roten Zahlen geraten. Der Nettoverlust fiel mit 1,361 Milliarden Euro noch höher aus als Analysten befürchtet hatten. Unterdessen geht der Konzernumbau weiter: Das künftig selbstständige Chemiegeschäft soll „Lanxess” heißen.

Im laufenden Jahr will Bayer trotz weiterhin leicht rückläufiger Umsätze operativ deutlich zulegen und das EBITDA sowie das bereinigte EBIT um mindestens 10 Prozent steigern. Nach Angaben von Finanzvorstand Klaus Kühn soll auch unter dem Strich wieder ein positives Ergebnis erzielt werden. In diesen Vorgaben ist Lanxess enthalten. Im Januar und Februar hätten die Erlöse wechselkurs- und portfoliobereinigt um 5 Prozent zugenommen, führte Wenning aus.

 Auch beim operativen Ergebnis seien die Zahlen trotz ungünstiger Währungskurse ermutigend. Zugleich revidierte Bayer ihre EBITDA-Renditeziele für das Jahr 2006 nach unten. Im Konzern soll die EBITDA-Marge - ohne Lanxess - rund 19 Prozent erreichen. Das entspricht zwar einer Steigerung um fast 60 Prozent, doch hatte das Ziel bislang bei 21 Prozent gelegen. Wenning begründete die Senkung vor allem mit Währungseinflüssen. Für das laufende Jahr kündigte er Nettoeinsparungen von über 900 Millionen Euro an.

 Außergewöhnliche Belastungen durch Restrukturierungen müsse Bayer dagegen nicht mehr verkraften. Mit dem Geschäftsjahr 2003 sei er keineswegs zufrieden, räumte Wenning ein. Der Nettoverlust von 1,361 Milliarden Euro steht einem Gewinn von 1,060 Milliarden Euro vor Jahresfrist gegenüber. Einige Analysten hatten im Durchschnitt einen Fehlbetrag von 1,272 Milliarden Euro erwartet.

Noch schlechter fiel die Bilanz beim operativen Ergebnis (EBIT) aus, das auf minus 1,203 ( 1,610) Milliarden Euro fiel. Hier hatten die Experten lediglich mit einem Minus von 660 Millionen Euro gerechnet. Bereinigt um Sondereinflüsse stieg das EBIT indes um 67 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 3,6 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro, bereinigt um Währungseffekte wäre hier ein Plus von 5 Prozent erzielt worden.

Weitere Einbußen bei HealthCare

Unterschiedlich sind die Perspektiven der einzelnen Segmente. Für 2004 rechnet Bayer in allen Teilkonzernen mit einem Anstieg des bereinigten EBIT - mit Ausnahme jedoch von Health-Care. Für diese Sparte kündigte Wenning einen Umsatz- und Ergebnisrückgang an, weil die US-Marktexklusivität für das Antibiotikum Ciprobay im Juni wegfalle. Auch das Geschäft mit dem Herz-Kreislauf-Präparat Adalat werde weiter zurückgehen, so dass bei Pharma mit einem deutlichen Umsatzrückgang zu rechnen sei. Dieser könne 2004 noch nicht durch neue Produkte wie das Potenzmittel Levitra kompensiert werden.

Rückläufig ist inzwischen die Zahl der Schadensersatzklagen in den USA gegen den Bayer-Konzern wegen des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol. Bis Anfang März seien die anhängigen Klagen auf 9948 gefallen und gut 2200 außergerichtliche Vergleiche erreicht worden. Nach heutigen Erkenntnissen rechnet Bayer, einschließlich der noch anstehenden Vergleiche, mit einer Belastung von 1,5 Milliarden Euro aus der Lipobay-Affäre. Bislang wurden 842 Millionen Dollar für außergerichtliche Vergleiche ausgegeben. Für 2003 wurde ferner eine bilanzielle Vorsorge in Höhe von 300 Millionen Euro getroffen.

Auch für das Pflanzenschutzgeschäft von Bayer CropScience kündigte Wenning für 2004 einen leicht rückläufigen Umsatz an, das bereinigte EBIT soll aber deutlich steigen. Dank der Akquisition von Aventis CropScience liege Bayer hier inzwischen nahezu gleichauf mit dem Marktführer Syngenta. Das Industriegeschäft habe 2003 unter der schwachen Konjunktur, dem zunehmenden Wettbewerbsdruck sowie steigenden Rohstoff- und Energiepreisen gelitten. Im laufenden Jahr soll die künftige Bayer MaterialScience jedoch bei ebenfalls leicht rückläufigen Umsätzen einen deutlichen EBIT-Zuwachs erzielen.

Für die künftig selbstständige Chemiegesellschaft hat Bayer den Namen Lanxess festgelegt. Bisher hatte der Konzern die Ausgliederung, zu der auch einige Polymer-Aktivitäten gehören, mit dem Projektnamen „NewCo” versehen. Der Börsengang von Lanxess sei für Anfang 2005 geplant, bekräftigte Wenning. Ob dies in Form eines IPO oder eines Spin-off geschehen werde, werde Anfang des zweiten Halbjahres entschieden. Abhängig sei dies sowohl von der Entwicklung des Kapitalmarkts, als auch von Lanxess selbst. 2004 werde Lanxess einen deutlichen Anstieg beim bereinigten EBIT erreichen, das 2003 bei minus 95 Millionen Euro gelegen habe.

Enttäuschte Experten

Analysten bezeichneten die Bayer-Zahlen als enttäuschend. Besorgniserregend sei unter anderem die negative Entwicklung in den Bereichen Polymers und Chemicals, sagt Andreas Theisen von der WestLB. Die für 2004 versprochenen Ergebnisverbesserungen seien keine Überraschung, da sie von einer geringen Basis ausgingen. Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz kritisierte auch die reduzierten Renditeziele und stufte die Bayer-Aktie auf „Marketperformer” von „Outperformer” herunter.

Die Bayer-Aktie regierte mit Kursabschlägen. Sparen wird in den kommenden Jahren bei Bayer weiterhin groß geschrieben. Von 2002 bis 2005 sollen 2,5 Milliarden Euro eingespart werden. Der Stellenabbau laufe wie vorgesehen: So seien bis Ende 2003 bereits 9300 von 14 000 Arbeitsplätzen abgebaut worden. Von den noch betroffen 4700 Stellen entfielen rund 3000 auf deutsche Standorte. Bayer beschäftigte Ende 2003 weltweit 115 400 Menschen, gut 7000 weniger als ein Jahr zuvor. Top

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