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Mit dem Sommer kommen auch die Parasiten

28.04.1997
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-Medizin

  Govi-Verlag

Mit dem Sommer kommen auch die Parasiten

  Das Verbreitungsgebiet der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist weitgehend stabil geblieben, die Häufigkeit der Krankheit hat in Osteuropa zugenommen, die aktive Immunisierung wird für Endemiegebiete empfohlen. Infektionen mit Borrelien sind weit verbreitet, ein Impfstoff gegen einen nordamerikanischen Subtyp des Erregers hat bereits die klinische Phase III erreicht, die Entwicklung eines Impfstoffes für Europa wird noch einige Jahre dauern. Der Fuchsbandwurm ist gleichfalls auf dem Vormarsch, er verursacht nicht die am weitesten verbreitete, aber die gefährlichste parasitäre Zoonose Mitteleuropas.

Mit Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden (FSME und Lyme Borreliose) beschäftigte sich ein internationales Symposium in Berlin. Die FSME tritt weitgehend regional begrenzt auf. Die Endemiegebiete liegen in Bayern und Baden-Württemberg, hieß es bei einer angeschlossenen Pressekonferenz.

Borrelien sind dagegen praktisch in ganz Deutschland verbreitet. Im Durchschnitt tragen 20 Prozent der Zecken den Erreger. Experten gehen von einer weiteren Verbreitung aus. Entsprechend sieht es mit den Erkankungsraten aus. Während in Deutschland jährlich zwischen 150 und 300 FSME-Fälle auftreten, wird die Zahl der Neuerkrankungen bei der Lyme-Borreliose auf über 10 000 pro Jahr geschätzt.

Borreliose: Verbreitet, aber gut zu behandeln

Nur zwei Prozent der Borreliose-Patienten entwickeln die gefährlichen Komplikationen am zentralen Nervensystem, an den Gelenken oder am Herzen, beruhigte Professor Dr. Gerold Stenek vom Hygieneinstitut der Universität Wien. Selten fehlen charakteristische Symptome wie die Wanderröte. Bei Berichten über persistierende arthritische Beschwerden ist es im nachhinein oft schwierig, sie ausschließlich auf eine Borrelien-Infektion zurückzuführen.

Als bakterielle Erkrankung ist die Borreliose im Unterschied zur FSME gut zu behandeln. Standard ist eine zweiwöchige Therapie mit Antibiotika. Bei akuten Hauterscheinungen werden orale Penicilline (dreimal täglich 1,5 Millionen Einheiten), Makrolidantibiotika wie Azithromycin oder Doxycyclin gegeben. Alle schwereren Symptome müssen intravenös mit Penicillin G, Ceftriaxon oder Doxycyclin behandelt werden.

FSME: Impfung statt Immunglobuline

Das Ruhen der Zulassung für FSME-Immunglobuline bei Kindern bis zu 14 Jahren wurde bis zum 31. Juli 1997 verlängert, da die Situation nach wie vor ungeklärt ist Es gebe aber bisher keinen Anhaltspunkt dafür, so Dr. Gundula Jäger vom Max-von-Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, daß Immunglobuline unwirksam seien. Gerade bei Kindern, die trotz einer passiven Immunisierung schwer erkrankt waren, hatten die Wissenschaftler nachträglich "andere Merkwürdigkeiten" im Krankheitsverlauf festgestellt.

Jäger plädierte für die aktive Schutzimpfung. Sie betonte, daß dies nicht nur für Land- und Forstwirte gelte, sondern für alle, die in Endemiegebieten leben oder dorthin in Ferien fahren. Die Nebenwirkungsrate bei FSME-Impfungen liegt insgesamt bei 0,5 Prozent und ist damit gering.

Auch wenn die Krankenkasse die Impfung nur bei Aufenthalt oder Reisen in deutsche Endemiegebiete (Bayern, Baden-Württemberg) bezahlt - wer nach Österreich., Osteuropa., in den Südosten. Schwedens oder in die Schweiz fährt, sollte gleichfalls an einen aktiven Schutz denken.

Der Fuchsbandwurm

Der Kleine Fuchsbandwurm verursacht die sogenannte alveoläre Echinokokkose. Diese Krankheit, so eine Broschüre des Robert-Koch-Institutes (RKI), tritt zwar nicht sehr häufig auf, ist aber für die Betroffenen lebensbedrohend. Die Sterblichkeitsrate liegt nach RKI-Angaben zwischen 50 und 90 Prozent. Professor Dr. Peter Kern von der Universitätsklinik in Ulm hält jedoch Zahlen aus der Schweiz für realistischer, da die Krankheit dort seit Jahren meldepflichtig und die Datenlage daher zuverlässiger sei: Mit der Verbesserung der diagnostischen, chirurgischen und chemotherapeutischen Methoden sank die Sterblichkeit dort auf 10 bis 14 Prozent.

Wie groß ist nun die Infektionsgefahr? In 66 Kliniken Baden-Württembergs wurden zwischen 1980 und 1990 ungefähr 130 Fälle einer alveolären Echinokokkose erfaßt, in der Schweiz werden jährlich ungefähr sieben neu erkrankte Patienten gemeldet. Die Zahlen sind seit einigen Jahren konstant, da jedoch die Durchseuchungsrate der Füchse ständig zunimmt, wird auch beim Menschen mit einer Zunahme der Erkrankung gerechnet.

Der Fuchsbandwurm ist zwar in ganz Deutschland verbreitet, besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten aber vor allem für Gebiete mit hohem Durchseuchungsgrad, so Professor Dr. Klaus Janitschke vom RKI. Der Parasit kommt gehäuft im Süden und Westen vor. Die Broschüre des Robert-Koch-Institutes enthält zwar Einzeldaten aus den Bundesländern, eine offizielle Verbreitungskarte gibt es allerdings nicht.

In den Endemiegebieten sollten Waldbeeren und Pilze vor dem Verzehr über 60 Grad erhitzt oder zumindest gründlichst gewaschen werden, so Kern. Tiefgefrieren schadet den Eiern nicht. Wer direkten Umgang mit Füchsen hat, sollte sich über die einzuhaltenden Sicherheitsvorschriften (Mundschutz beim Abbalgen et cetera informieren).

Besteht ein begründetes Infektionsrisiko, können ungefähr vier Monate nach dem Kontakt Blutproben auf Echinokokkus-Antikörper untersucht werden, erklärte Janitschke. Die Untersuchung sei allerdings nicht bei jedem besorgten Beerenfreund nötig, betonte Kern. Sinnvoll sei sie eher für Jäger. Ein positives Ergebnis sei noch kein Beweis für eine tatsächliche Erkrankung, die weitere Abklärung müsse unbedingt vom Spezialisten erfolgen.

Ist ein Befund gesichert wird das betroffene Gewebe, soweit möglich, operativ entfernt. Bei Streuung der Erreger oder in inoperablen Fällen ist eine Dauertherapie mit den Benzimidazolen Albendazol oder Mebendazol nötig.

PZ-Artikel von Stephanie Czajka, Berlin

PZ-Lexikon
Kleiner Fuchsbandwurm

Der Kleine Fuchsbandwurm ist ungefähr 4 mm lang und 0,5 mm breit. Er parasitiert im Darm des Fuchses, seltener auch in Hunden oder Katzen; kleinere Zwischenwirte sind Mäuse und Ratten. Ein Fuchs kann bis zu 200.000 solcher Würmer beherbergen, ohne sichtbar krank zu sein. Von Zeit zu Zeit stoßen die Würmer eiertragende Endglieder ab, die dann mit dem Kot nach außen gelangen. Mit Regen, Staubpartikeln oder der Hilfe von Insekten werden diese Eier verteilt, über Mund oder Nase nimmt der Mensch sie auf. Infektionsgefahr besteht also nicht nur beim Verzehr von Beeren und Pilzen, sondern auch beim Arbeiten in staubiger Erde, beim Pflügen oder Heuen.

Im Darm des neuen Wirtes schlüpfen Larven aus den Eiern, sie bohren sich durch die Darmwand, gelangen mit dem Blutstrom in die Leber und siedeln sich dort an. Sie entwickeln dort Larvenbläschen und beginnen, das umliegende Gewebe mit einem Netzwerk von Schläuchen zu durchziehen.

Dieses langsame Wachstum verursacht anfangs praktisch keine Beschwerden, die raumfordernden und zerstörerischen Prozesse machen sich erst nach 10 bis 15 Jahren bemerkbar. Dann jedoch ist es für therapeutische Maßnahmen meist zu spät; besonders durch die fortschreitende Leberfunktionsstörung verläuft die Krankheit oft tödlich.

       

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