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Tradition wird ernst genommen

07.05.2001
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Ausbüttels Apothekenmuseum

Tradition wird ernst genommen

von Axel Helmstädter, Dortmund

Der Wandel des Pharmazeuten vom handwerklich ausgerichteten Arzneimittelhersteller zum Logistik-Profi und wissenschaftlich ausgebildeten Patientenbetreuer zeigt sich auch an Äußerlichkeiten: In der Offizin, wörtlich übersetzt "Werkstatt", dominieren heute nicht mehr Pillenmaschine und Mörser, sondern Computerterminals mit Datenbankzugriff und die Beratungsecke.

Dass es jedoch gelingen kann, zwei scheinbar unvereinbare Pole, die Tradition des Berufsstandes und die Erfordernisse eines pharmazeutischen Dienstleistungsunternehmens an der Schwelle zum dritten Jahrtausend zu verbinden, zeigt die Dortmunder Adler-Apotheke. Seit April 1998 unter der Leitung von Ulrich Ausbüttel, bietet die Apotheke selbstverständlich alle Dienstleistungen an, die von einer professionell geführten Innenstadtapotheke erwartet werden dürfen. Doch wurde beim Umbau Vieles, was jahrzehntelang treue Dienste geleistet und den Ruf der Apotheke begründet hat, nicht zum alten Eisen geworfen, sondern auf Hochglanz gebracht: Ausbüttel richtete im Untergeschoss der Apotheke ein pharmaziehistorisches Museum ein, das zu den größten privaten Fachausstellungen Deutschlands gehören dürfte und auf das er zu Recht stolz sein kann.

Diesen Stolz spürt ein wenig, wer vom Chef selbst durch die Ausstellung geführt wird: Reiche Schätze fanden sich beim Umbau der Apotheke, manch Anderes war in der Sammlung seines Vaters und Onkels vorhanden und wartete ebenfalls nur darauf, museal präsentiert zu werden. Vielleicht hat auch seine Frau Gisela, an der Universität Heidelberg ausgebildete Pharmaziehistorikerin, ihren Einfluss ausgeübt. Mittelpunkt und Blickfang der vier Räume umfassenden Dauerausstellung ist sicher eine Offizin-Einrichtung mit kunsthistorisch bedeutenden Standgefäßen mehrerer Zeitepochen und Stilrichtungen. 

Die handwerkliche Tradition des Berufsstandes wird in den Nebenräumen lebendig: Drogenkammer und Labor mit gemauertem Ofen beherbergen die ganze Palette traditionellen Arbeitsgeräts. Aber auch das wissenschaftliche Tätigkeitsfeld Apotheke wird nicht vernachlässigt: Eine historische Fachbibliothek umrahmt den Arbeitsplatz des Apothekers. Besucher könnten stundenlang verweilen und in den Regalen stöbern, die auch viele Raritäten bergen, die nicht gleich ins Auge springen: historische Inhalationsgeräte zum Beispiel oder verschiedene Aufbewahrungsgefäße für Blutegel; schließlich hatte früher jede Apotheke ihren kleinen Zoo. 

Die zu allen Zeiten bestehende Notwendigkeit, Arzneimittel auch unterwegs griffbereit zu haben dokumentiert eine Reiseapotheke des 19. Jahrhunderts ebenso wie der erste Kfz-Verbandskasten aus dem Hanomag Laubfrosch der 20er-Jahre, die "Auto-Apotheke "Müoka IV a". Drogenbüchsen aus Holz, Wiegemesser und Botanisiertrommeln prägen die Materialkammer. Neben vielem Anderen besonders bemerkenswert ist die Sammlung historischer Mineralwasserflaschen. Der Vertrieb sprudelnder Getränke aus ganz Deutschland gehörte früher zu den selbstverständlichen Aufgaben der Adler-Apotheke.

"Wir haben noch viel mehr im Keller", erklärt Apotheker Ausbüttel dem staunenden Publikum, dem er hin und wieder eine Führung anbietet. Nicht nur aus Traditionsbewusstsein hat er das Museum eingerichtet, wenngleich er sich der Verpflichtung zur Pflege des historischen Erbes sehr wohl bewusst war, als er Westfalens älteste Apotheke übernahm. Für ihn ist die Präsentation der Ausstellungsstücke auch ein Marketinginstrument für seine Apotheke und den gesamten Berufsstand. Schließlich spürt der Besucher eindrucksvoll, dass die Welt der Pharmazie wesentlich facettenreicher ist, als es modernen Offizinen auf den ersten Blick vermuten lassen. Top

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